«Wir wollen Marktführer werden»: Das Fassadensystem der Engelburger Air-Lux AG hat das Interesse der deutschen Schüco-Gruppe geweckt

Die Air-Lux Technik AG ist eine Tochter des Fassadenbau-­Unternehmens Krapf AG aus Engelburg. Das Unternehmen spannt mit dem deutschen Weltkonzern Schüco zusammen. Dieses erwirtschaftet in 80 Ländern rund 1,8 Milliarden Euro Umsatz.

Stefan Borkert
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Bei der Air-Lux AG werden weltweit einzigartige Dichtsysteme für Glasfassaden produziert.

Bei der Air-Lux AG werden weltweit einzigartige Dichtsysteme für Glasfassaden produziert.

Bild: PD

Die Air-Lux Technik AG ist eine Tochter des Fassadenbau-­Unternehmens Krapf AG aus Engelburg. Air-Lux ist spezialisiert auf boden- und deckenbündige Glasfassadensysteme mit grossflächigen Schiebefenstern mit einem einzigartigen Dichtungskonzept. Die patentgeschützte Technik sei weltweit bereits erfolgreich zum Einsatz gekommen, sagt Inhaber Heinz Sauter. Mit dem deutschen Weltkonzern Schüco spannt Air-Lux nun zusammen. Schüco erwirtschaftet in 80 Ländern rund 1,8 Milliarden Euro Umsatz.

Wie sehen Ihre Fenster zu Hause aus? Kommt Air-Lux zum Einsatz?

Heinz Sauter: Ja, ich habe auch bei mir zu Hause Schiebe­elemente von Air-Lux, die restlichen Öffnungen sind normale Dreh-Kipp-Fenster, natürlich auch von unserer Firma.

Gibt die Krapf AG durch die Partnerschaft mit Schüco ein Sahnestück aus der Hand?

Ganz im Gegenteil. Wir bekommen etwas. Wir geben nichts aus der Hand.

«Es ist eine Partnerschaft und wir haben das Ziel, gemeinsam mit Schüco mittels der von uns entwickelten Technologie die Marktführerschaft in spezifischen Märkten zu erlangen.»

Wie ist die Partnerschaft mit Schüco eigentlich zu Stande gekommen?

Schüco ist auf uns zugekommen und hat erklärt, dass Sie an unserer Aktiv-Dichtungstechnologie interessiert sind.

Wurde schon länger verhandelt?

Ja. Es wurden intensive Gespräche über einen längeren Zeitraum geführt.

Und wie sieht die Rollenverteilung aus?

Man kann nicht von einer Rollenverteilung sprechen. Wir haben Verantwortungen und Aufgaben definiert.

«Jeder Partner bringt spezifische Kenntnisse in die Partnerschaft ein.»

Die Schüco-­Kompetenz etwa ist im Bereich Marketing und Vertrieb und Air-Lux hat die Erfahrung und das Know-how für Aktivdichtungen im Schieber- und Fassadenbau.

Welche Auswirkungen hat die Partnerschaft auf die Krapf AG und den Standort Schweiz?

Der Standort Schweiz wird gestärkt. Es werden alle Schiebe-­Elemente weiterhin in Engelburg produziert. Insofern hat sie keine beziehungsweise positive Auswirkungen.

Konnte Schüco als grosser Player so etwas wie das Air-Lux-System nicht selbst entwickeln?

Nein, sonst wäre die Partnerschaft wohl nicht entstanden. Zum einen besitzen wir in der Aktiv-Dichtungstechnologie über 15 Jahre Erfahrung und haben in dieser Zeit sehr viel Know-how aufgebaut, und zum anderen ist das System patentrechtlich geschützt.

Was ist, einfach ausgedrückt, das Hauptmerkmal?

Hauptmerkmal der Technologie ist die Abdichtung zwischen einem beweglichen Element, also Schiebeflügel, Senkfront oder Pivottüre, und der feststehenden Rahmenkonstruktion mittels einer aufblasbaren Dichtung. Diese ist im Rahmen eingebaut und wird nach dem Schliessen automatisch aufgepumpt.

«Stellen Sie sich das im Prinzip wie einen Fahrradschlauch vor, der sich an den beweglichen Schiebeflügel anpresst.»

Air-Lux gibt es ja schon seit 15 Jahren und ist viel zum Einsatz gekommen, auch hier in der Ostschweiz. Bei welchen Situationen eignet es sich ganz besonders gut und wo nicht?

Es gibt eigentlich keine Bereiche, in denen Air-Lux sich nicht eignet. Die meisten Projekte, wo Air-Lux zum Einsatz kommt, haben jedoch sehr oft erhöhte Anforderungen an die Architektur, die Sicherheit und die Dichtigkeit. In den letzten Jahren sind auch Wohnhochhäuser mit moderner Glasarchitektur und integrierten Schiebeflügeln ein stetig wachsender Markt. Und unsere Technologie bietet in diesem Bereich die höchsten Dichtigkeitswerte, insbesondere auch gegen Lärm.

Was hat sich verändert?

Getreu dem Motto «Stillstand ist Rückschritt» wurde das System in den letzten 15 Jahren stetig weiterentwickelt und verbessert. Momentan führen wir mit der renommierten Hochschule ZHAW ein Forschungsprojekt durch, welches im Rahmen des Förderprogrammes «Innosuisse» vom Bund unterstützt wird. Dabei haben wir verschiedene Systemverbesserungen im Fokus.

Das System wird als praktisch verschleissfrei angepriesen. Doch Luft ist sehr flüchtig. Warum ist nach ein paar Jahren die Luft nicht raus?

«Wir verwenden standardmässige Industriekomponenten, welche sich in verschiedenen Einsatzbereichen in grossen Stückzahlen bewährt haben.»

Wir haben diese Bauteile für unsere Bedürfnisse adaptiert und in unser Fassadensystem integriert.

Der Fenstermarkt ist heiss umkämpft. Bleiben Schweizer Herstellern nur noch Nischen im Hightech­bereich?

Der Fenstermarkt ist heiss umkämpft. Allerdings ist Air-Lux eigentlich kein Fenster. Wir bauen Fassaden bei grossen Ein­familienhäusern oder bei Wohnhochhäusern. Und dies mit einer weltweit einzigartigen Technologie.

Schweizer Preise sind kein Hindernis?

Natürlich muss man auch in diesem Umfeld marktfähige Preise anbieten können, aber nicht nur. Dem Kunden ist ebenso wichtig, dass er sich gut aufgehoben fühlt. Und dazu muss man einiges bieten: agil, schnell sein, Fachwissen mitbringen, Fachkompetenz. Zusammengefasst: Vertrauen aufbauen. Hier sind wir als Krapf AG sicher sehr gut aufgestellt dank einer Mannschaft, welche in allen Unternehmensbereichen mit Begeisterung fürs Produkt und die Firma Bestleistungen erbringt. Und diese Begeisterung spürt der Kunde am Ende.

Wie sieht die Strategie für die kommenden fünf Jahre aus? Wo können Sie wachsen?

Aktuell gilt das Hauptaugenmerk den internen Prozessen und der Produktivität.

«Corona mit dem Digitalisierungsschub hat diesen Fokus noch verstärkt. Wir sind somit auf dem richtigen Weg.»

Längerfristig ist sicher die Festigung der Partnerschaft eine Stossrichtung. Die andere liegt weiterhin auf dem klassischen Fassadenbau, welchen wir in der Schweiz weiter ausbauen werden. Hier geht es sicher noch mehr in Richtung Nachhaltigkeit.

Welche Märkte warten auf die Eroberung durch die neue Partnerschaft?

Längerfristig ist Indien sicherlich aufgrund der Grösse und des Wachstums sehr interessant. In einer ersten Phase konzentrieren wir uns aber auch auf einen Ausbau bestehender Märkte, wie Amerika, China und England.

Haben Sie weitere Partnerschaften oder gar Übernahmen geplant?

Nein. Wir sehen auch keinen Bedarf, da wir mit dieser Partnerschaft auch langfristig gut aufgestellt sind und positiv in die Zukunft blicken.