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«Wir werden hier nicht haltmachen»

Das Software-Technologieunternehmen Hulbee aus Egnach verspricht Nutzern Schutz der Privatsphäre. Gründer Andreas Wiebe verzichtet dafür auch auf Geld.
Interview: Stefan Borkert
Die Server von Swisscows stehen geschützt in einem Bunker in den Bergen. (Bild: PD)

Die Server von Swisscows stehen geschützt in einem Bunker in den Bergen. (Bild: PD)

Andreas Wiebe, Sie bieten datensichere Suchmaschinen für Private und Unternehmen an. Wieso handeln Sie nicht mit Nutzerdaten?

Es entspricht nicht unserer Philosophie. Es gibt genügend Suchmaschinen auf dieser Welt, die den Nutzer überwachen und diese Daten verkaufen. Wir tun es nicht und werden es nicht tun. Von Beginn an war unsere Strategie mit Swisscows gegenüber Google und anderen Suchmaschinen, eine Alternative zu sein.

Was heisst Alternative?

Alternative bedeutet, anders zu sein, nicht nur im technologischen Bereich, sondern auch in der Thematik Sicherheit für den Nutzer. Als wir im Jahr 2014 gestartet sind, waren wir Pioniere. Niemand hat an das Konzept geglaubt, aber heute suchen Menschen den Schutz vor Überwachung bei Swisscows.

Sie verzichten als Unternehmer also auf eine lukrative Einnahmequelle.

Ja. Wir haben uns direkt am Anfang dafür entschieden, nicht mit Datenverkauf unser Geld zu verdienen, sondern durch Unterstützung der Nutzer. Die Daten des Nutzers gehören dem Nutzer. Welches Recht habe ich also, diese Daten zu verkaufen?

Die Datenschutzbestimmungen werden verschärft, was Ihrer Strategie entgegenkommt.

Es ist von höchster Wichtigkeit, zu begreifen, dass die heutigen Gesetze sich möglicherweise in Zukunft ändern werden. Es stellt sich also die Frage: Welche Daten sammelt eine Überwachungssuchmaschine über den Nutzer, und wofür werden die Datensammlungen in Zukunft verwendet? Denken Sie nur an politische Umstürze. Plötzlich kann Ihnen ein vorher harmloses Foto zum Verhängnis werden.

Ausser Ihrer Swisscows gibt es weitere Suchmaschinen, die mit Datenschutz werben. Wieso glauben Sie denen nicht?

Leider gibt es Suchmaschinen, die sich als datensicher verkaufen, es aber nicht sind. Man kann das an mindestens zwei wichtigen Kriterien herausfinden: Erstens, die Suchmaschinen bieten, ähnlich wie Google, Werbung an, und zweitens, diese Suchmaschinen kommen aus den USA oder dem politischen Europa.

Andreas Wiebe, CEO Hulbee AG, Egnach

Andreas Wiebe, CEO
Hulbee AG, Egnach

Das müssen Sie erklären.

Im ersten Fall geht es darum, dass die typischerweise bekannte, nutzerorientierte Werbung, wie Google sie anbietet, bereits ja ein Hinweis auf Überwachung ist. Im zweiten Fall stehen die Server in den USA oder im europäischen Raum, was aufgrund der Gesetzgebung einen Widerspruch zum Datenschutz darstellt, weil Daten gespeichert und auch weiter­gegeben werden können.

Suchmaschinen wie Duckduckgo versprechen aber Datensicherheit. Warum soll das falsch sein?

Das amerikanische Unternehmen Duckduckgo erfüllt gleich beide der oben genannten Kriterien. Hinzu kommt noch, dass Duckduckgo in die Amazon Cloud integriert ist. Zusammengefasst kann ich sagen, dass es bei dem Thema nur Schwarz oder Weiss gibt. Man muss sich entscheiden. Wir haben uns mit Swisscows für den völligen Schutz der Nutzer entschieden.

Was bedeutet das finanziell für Ihr Unternehmen?

Ein Beispiel. Wir hätten von Mi­crosoft für die Übermittlung selbst von stark gekürzten IP-Adressen Geld bekommen. Duckduckgo macht das. Für uns war das für Swisscows keine Option, und wir haben auf gegen 1,5 Millionen Dollar verzichtet.

Google, Facebook, Whatsapp treiben Ihnen doch Kunden in die Arme. Jedes Mal, wenn wieder von Datenmissbrauch oder Sicherheitslücken die Rede ist, oder?

Ich bin froh, dass die Nutzer sich nicht mehr wie vor Jahren von diesen Unternehmen quasi für dumm verkaufen lassen. Auch die Presse hat es gewagt, dieses Thema anzugehen und auch Antworten zu geben. Unsere Stromkosten im Data-Center zeigen, wie hoch die Serverbelastung ist. Somit können wir daraus schliessen, dass die Nutzeranzahl ständig steigt. Wir erhalten viel Fanpost, mittlerweile fast aus der ganzen Welt. In den letzten sechs Monaten vor allem aus den USA und Japan. Das freut und bestätigt uns. Aber es ist eigentlich auch ein beschämendes Zeugnis für die in der Frage genannten Unternehmen.

Das klingt, also ob Sie noch weitere Pfeile im Köcher haben.

Wir werden jedenfalls hier nicht haltmachen. Sondern wir bereiten weitere Dienste zum Schutz der Nutzer vor, welche wir bald bekanntgeben werden.

Als da wären?

Sie gehören zu den Ersten, die das erfahren werden.

Sie haben eine Partnerschaft mit Swisscom. Die Server Ihres Unternehmens stehen bei Mount10 sicher geschützt in einem Bunker tief in den Schweizer Bergen. War das eine Auflage der Swisscom?

Wir müssen hier unterscheiden. Die Partnerschaft mit Swisscom bezieht sich ausschliesslich auf die Enterprise-Search-Suchmaschine, die wir für Unternehmen anbieten. Swisscows dagegen ist ein gemeinnütziges Projekt von uns. Im ersten Fall bieten wir gemeinsam mit Swisscom diese Suchmaschine für Unternehmen an, die intern eigene Dokumente, Mails und so weiter durchsuchen.

Das passiert auf welchen Servern?

Die Daten der Firma und die Suchmaschine befinden sich auf deren eigenen Servern und nicht bei uns, also nicht bei Hulbee oder Swisscom.

Und Swisscows?

Die Google-Alternative Swiss­cows ist sozusagen unser Lebenswerk, mit welchem wir den ­Menschen vor Überwachung schützen. Es ist somit ein gemeinnütziges Projekt. Damit die Nutzer rundum geschützt sind, haben wir die Server von Swiss­cows in dem Bunker bei Mount10 untergebracht.

Lange vor Swisscows haben Sie ein Preisvergleichsportal auf den Markt gebracht. Wenn Sie etwas online einkaufen, nutzen Sie dann Ihre eigene Kauftipp-Seite?

Selbstverständlich! Bei Kauftipp kann ich die Preise vergleichen und beim günstigsten Angebot zugreifen. Jeder möchte sparen, wir auch.

Wie vermeiden Sie Familienärger, wenn Sie in den Ferien den Laptop doch wieder aufklappen?

Am liebsten gar nicht drangehen. Aber ganz ohne Laptop geht es in meiner Position leider nicht. Damit es doch keinen Ärger gibt, besprechen wir es vorher familienintern. Die Familie darf in den Ferien auf keinen Fall auf Kosten der Arbeit leiden. Deshalb arbeite ich meist früh, wenn alle noch schlafen.

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