«Wir tun, was wir können»: Ostschweizer Metzger, Bäcker und Dorfläden bauen wegen des Corona-Lockdowns eigene Lieferdienste auf

Die Massnahmen des Bundesrates zur Eindämmung des Corona-Virus macht Unternehmer erfinderisch: Während die Onlineshops der Grossverteiler überlastet sind, richtet das lokale Gewerbe Lieferdienste ein.

Kaspar Enz
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Metzger, Bäcker und Dorfläden bauen in der Ostschweiz nun eigene Lieferdienste auf.

Metzger, Bäcker und Dorfläden bauen in der Ostschweiz nun eigene Lieferdienste auf.

Bild: Urs Bucher

«Bis jetzt ist die Nachfrage noch klein», sagt Silvan Fuerer. Seine Metzgerei in Flawil verkauft das Fleisch ab sofort nicht nur über den Ladentisch, sondern liefert es auch aus. Als Kundendienst für die, die zu Hause bleiben sollten. «Ich hoffe, dass es sich rumspricht», sagt er. Sollten die Anfragen kommen, Kapazitäten habe die Metzgerei genug, seit der Bundesrat die Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus verschärft hat.

«Das ist ein Grund, weshalb wir das tun. Viele Restaurants, die sonst bei uns bestellten, sind jetzt zu.»

Nicht nur für Risikogruppen

Die Flawiler Metzgerei ist nicht alleine mit der Idee. «Für Senioren und Risikogruppen» liefert die Frauenfelder Metzgerei Dober aus. Die St.Galler Bäckerei Ruppeiner muss zwar ihr Café Mühlegg schliessen, liefert dafür im Quartier gratis, im Stadtgebiet mit Mindestbestellmenge Brote und Snacks. Der Niederhelfenschwiler Dorfladen Prima liefert ebenso aus wie manche Beiz, die sonst ganz schliessen müsste. Und nicht nur Angebote des täglichen Bedarfs wollen aus der Ferne ihre Waren und Dienste anbieten: Die St.Galler Boutique Notabene liefert laut Instagram Taschen nach Hause, ein St.Galler Yogalehrer bietet Stunden per Livestream.

Die Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus haben den Markt für gelieferte Lebensmittel scheinbar vergrössert. Die Website des Onlineshops LeShop.ch der Migros verweist einen in die Warteschlaufe, neue Bestellungen könnten erst ab April geliefert werden. Migros-Sprecher Marcel Schlatter sagt:

«Viele Kunden, die bis anhin in den Filialen einkauften, steigen auf Leshop um.»

Die Migros will Abhilfe schaffen. Mit mehr Personal, mit Büro-Mitarbeitern, die jetzt für LeShop eingesetzt werden und enger Zusammenarbeit mit dem Verteilzentrum Suhr sollen die Kapazitäten erhöht werden. Auch der Online-Dienst des von Coop ist ausgebucht. Bei Volg stellt man eine erhöhte Nachfrage fest, laut Sprecherin Tamara Scheibli liesse sich das aber noch bewältigen.

Kreative Wege finden

Dass nun auch das lokale Gewerbe ins Geschäft einsteigen will, überrascht Ralph Bleuer nicht. Er ist Präsident des St.Galler Innenstadt-Verbandes Pro City. Jeder Gewerbebetrieb müsse sich nach der Decke strecken und kreative Wege finden, um diese schwierige Situation zu überbrücken. Denn «es herrscht eine absolute Ausnahmesituation». Das spürten gerade Geschäfte, die sonst keinen Onlineshop führen – anders als Bleuers Papeterie Markwalder.

Ob die Online- und Lieferdienste der Gewerbler Erfolg haben, müsse sich noch weisen. «Wir stehen noch ganz am Anfang», sagt er. Das gilt auch für sein eigenes Geschäft, dessen stationärer Handel zu ist. «Nun wird sich zeigen, ob Kunden, die sonst stationär einkaufen, auch online einkaufen. Aber das können wir erst nächste Woche beurteilen», sagt Bleuer.

Das Ostergeschäft per Lieferdienst

Noch etwas später stellt sich das für die St.Galler Confiserie Roggwiller. «Man muss sich etwas einfallen lassen», sagt Inhaber Martin Schnyder. Deshalb liefert Roggwiller an Ostern Schokohasen aus.

«Die Osterhasen sind bereits produziert. Es wäre schade, müsste man sie fortwerfen.»

So könne man vielleicht noch Umsatz machen, trotz der fast leeren Gassen. Bestellungen erwartet er erst ein, zwei Wochen vor Ostern - etwas bevor es jeweils im Laden laufen würde. «Wir tun, was wir können», sagt Schnyder. «Wir hoffen, die Kunden schätzen es.»

Gemeinde als Treiber

Während die meisten Geschäfte auf eigene Faust ihre Lieferdienste aufbauen, hat in Schwellbrunn Gemeindepräsident Ueli Frischknecht das Heft in die Hand genommen. «Die Idee kam mir schon letzten Samstag», sagt er. Dann setzte er sich mit dem lokalen Gewerbe zusammen. «Ich stiess auf offene Ohren», sagt Frischknecht: Dorfbeck und Dorfladen Schwellbrunn, und die Metzgerei Ochsen nehmen nun Bestellungen entgegen. Zusammenhalt und das lokale Gewerbe fördern sei ein Ziel der Aktion. Und alle Beteiligten können Synergien nutzen. «Den Lieferdienst führt der Schulbusfahrer durch.» Ab Donnerstag wird ausgeliefert.

Offen ist, ob die Lieferdienste von Metzgereien oder Dorfläden die Ausnahmesituation überleben. Ralph Bleuer ist skeptisch. «Diese Angebote sind wohl meist temporär und aus der Not geboren», sagt er.

«Sollte aber einer viel Erfolg haben, kann es gut sein, dass das Angebot bestehen bleibt.»