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«Wir sind Patentweltmeister»

Wer ein Patent besitzt, bestimmt, wer dieses nutzen darf. Seit fünf Jahren ist Manfred Irsch mit seiner Kanzlei Patentanwalt in Frauenfeld. Er hilft Unternehmen bei der Recherche und Anmeldung von Erfindungen.
Interview: Stefan Borkert
Dass der promovierte Physiker Manfred Irsch Patentanwalt wurde, bezeichnet dieser als puren Zufall. Bild: Andrea Stalder

Dass der promovierte Physiker Manfred Irsch Patentanwalt wurde, bezeichnet dieser als puren Zufall. Bild: Andrea Stalder

Ein Patent ist ein Schutzrecht auf technische Lösungen. Für Firmen können Erfindungen und Patente ein erheblicher Wettbewerbsvorteil sein. Die aktuelle Steuervorlage sieht vor, dass KMU für ihre Entwicklungsarbeit steuerlich begünstigt werden, um den Standort Schweiz zu stärken.

Die Steuervorlage 17 mit der Patentbox ist heute Nachmittag in Frauenfeld Thema an Ihrer Veranstaltung «Chancen und Herausforderungen für die KMU in der Schweiz». Warum ist die Patentbox so wichtig für die Schweiz?

Manfred Irsch: In der Vernehmlassung zur Steuervorlage 17 wird die Einführung einer Patentbox vorgeschlagen. Die Patentbox fördert Forschung und Entwicklung, indem Gewinne aus diesen Aktivitäten ermässigt besteuert werden. Davon verspricht man sich nicht zuletzt, dass in der Schweiz getätigte Erfindungen auch tatsächlich zum Patent angemeldet werden. Die Schweiz ist seit Jahren Patentweltmeister, und so soll es auch bleiben. Für die steuerliche Begünstigung von im Inland erzielten Gewinnen reicht im Übrigen das einfache Schweizer Patent.

Die juristischen Feinheiten des Patentrechts sind unter Umständen diffizil. Aber Patentanwälte haben meist auch noch eine naturwissenschaftliche Vorbildung. Sie sind eigentlich Physiker.

Das stimmt. Patentanwälte sind oft Ingenieure oder Naturwissenschafter. Das ist auch notwendig, da man nicht nur Schriftstücke aufsetzen muss. Man muss vor allem den Kern der Erfindung begreifen. Dann kann ich das Patent auch so formulieren, dass die ­Erfindung richtig beschrieben ist. Die Patentsprache ist eine Mischung aus juristischer und naturwissenschaftlicher Diktion. So werden die Patentansprüche zu einer Art Gesetzbuch, in dem in dieser komplizierten Sprache der technische Gegenstand, der zum Patent angemeldet werden soll, gerichtsfest gemacht wird.

Jährlich werden Tausende Patente angemeldet. Die Schweiz liegt bei den Erfindungen auf die Einwohnerzahl gerechnet seit Jahren vorn. Woran liegt denn das?

Das stimmt, wir sind, wie gesagt, Weltmeister der Erfindungen. Die Forschung und Entwicklung geniesst hierzulande ein hohes Ansehen und hat einen hohen Stellenwert – und zwar für die Unternehmen und die Bevölkerung. Um am Markt konkurrenzfähig zu sein, braucht es Fortschritt und Innovation. So erkläre ich mir das jedenfalls.

Der Physiker

Manfred Irsch, Patentanwalt

Manfred Irsch, Patentanwalt

Manfred Irsch hat vor fünf Jahren die Intellectual Property Services (IPR) in Kreuzlingen gegründet. Schon bald hat die Patentkanzlei Räume in Frauenfeld bezogen. Der 58-Jährige ist promovierter Physiker. 2001 zog es ihn von der Universität Saarland nach Winterthur zum Sulzer-Konzern. Dort bildete er sich zum Patentanwalt weiter und arbeitete in der Patentabteilung des Konzerns, zuletzt als stellvertretender Leiter. Als der Konzern im Zuge von Umstrukturierungen die Patenabteilung schloss, wagte Irsch den Schritt in die Selbstständigkeit. (bor)

Vor fünf Jahren sind Sie mit Ihrer Kanzlei quasi in der Stube gestartet. Jetzt haben Sie zehn Mitarbeiter und sind in der Ostschweiz bereits die Nummer eins oder zwei. Wer wendet sich denn an Sie? KMUs, Start-ups?

Ranglisten sind sehr von der Interpretation abhängig. Wir sind auf jeden Fall die einzige Kanzlei, die tatsächlich voll digitalisiert ist. Wir haben Kunden von der Grossindustrie bis hin zu Jungunternehmen oder Start-ups. Wir sind auch beim Startnetzwerk Thurgau dabei, wo wir eine Anfangsberatung gratis anbieten. Das wird sehr viel in Anspruch genommen und ist spannend.

Welche Fehler sollten Firmen und Erfinder tunlichst vermeiden, damit sie am Ende nicht in die Röhre schauen?

Ganz einfach, eine Erfindung nicht anmelden. Das kommt häufiger vor, als man denkt. Erfindungen oder Patente bezeichnen ja oft nur kleine technische Kniffe oder spezielle Verfahren. Patente sind Schutzrechte, die es erlauben zu bestimmen, wer die Erfindung gewerblich nutzen darf. Das kann für ein KMU existenziell sein.

Kommt es tatsächlich vor, dass ein Patent zeitgleich an verschiedenen Orten der Welt von Erfindern oder Forschern angemeldet wird?

Das kommt vor. Zu unserem Job gehört es unter anderem mitzuhelfen, dass unsere Mandanten die Ersten sind, die eine Erfindung zum Patent anmelden, um so deren Rechte zu sichern, bevor der Mitbewerber es tut. Recherche und Mitbewerberüberwachung gehören mit zu unseren Hauptaufgaben.

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