«Wir sind durchs Gröbste hindurch»

Der CS-Chefökonom Martin Neff sagte in Kreuzlingen der Schweiz ein Exportwachstum voraus. Für die Ostschweiz wünscht er sich, dass Deutschland etwas kräftiger wachsen würde.

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Die Bauwirtschaft ist an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. (Bild: Urs Jaudas)

Die Bauwirtschaft ist an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. (Bild: Urs Jaudas)

Herr Neff, Sie sagen der globalen Wirtschaft ein Wachstum von 3,5 Prozent in diesem Jahr voraus. Kommt 2013 auch für die Schweiz ein Aufschwung?

Martin Neff: Unsere Volkswirtschaft hatte einen guten Start ins Jahr 2012. Wenn es vorbei ist, kommen vielleicht negative Schlagzeilen über zwei leicht negative Quartale, was faktisch als Rezession bezeichnet werden kann. Aber dann ist die Sache schon vorbei, befindet sich die Schweiz im Aufwind.

Sie sagen ein Exportwachstum von vier Prozent für nächstes Jahr voraus. Kommt die Industrie wieder auf die Beine?

Neff: Die Branchen Chemie, Pharma und Uhren sind flott unterwegs. Ich gehe von einem traditionellen, allmählichen Aufschwung aus, nachdem sich die Weltwirtschaft gesamthaft positiv entwickelt, wir das Ärgste hinter uns haben und seit einem Jahr mit festen Wechselkursen budgetieren können.

Welche Situation herrscht im Immobilienmarkt?

Neff: Für den Normalverdiener ist Wohneigentum nicht mehr erschwinglich, auch im Thurgau. Die Nachfrage nach Stockwerkeigentum und Einfamilienhäusern wird sich abschwächen. Dennoch ist die Bauwirtschaft an der Kapazitätsgrenze, und die Aktivitäten verlagern sich zunehmend auf den Mietwohnungsbau. Ich erwarte deshalb eine sanfte Landung, wenn alles gutgeht.

Die Zuwanderung von Ausländern bezeichnen Sie als positiv, warum?

Neff: Richtig, die Zuwanderung hält an und erschliesst in der Schweiz hohes Wachstumspotenzial. Negativ ist das, wenn es dem Bürger hierzulande unwohl wird. Doch wir müssen begreifen, dass die Zuwanderung wirtschaftlich ein Segen ist.

Wie sind Lage und Aussichten für die Ostschweiz?

Neff: Diese Region hat wie die Schweiz nach dem abrupten Ende des Booms im 2008 ein ziemliches Wechselbad hinter sich. Seit diesem Jahr profitieren wir vom geldpolitischen Stimulus. Doch es wäre gerade in dieser Region schön, wenn Deutschland etwas kräftiger wachsen würde. Doch wir sind durchs Gröbste hindurch. Ich bin relativ zuversichtlich, dass die Industrie Boden gefunden hat und dass auch der Tourismus wieder solide unterwegs ist.

Interview: Martin Sinzig

Martin Neff Leiter Economic Research, CS (Bild: Quelle)

Martin Neff Leiter Economic Research, CS (Bild: Quelle)