«Wir möchten uns entschuldigen»

Die Vergangenheit lässt Deutschlands grösstes Geldhaus nicht los. Abermals weist die Deutsche Bank einen Milliardenverlust aus.

Christoph Reichmuth/Berlin
Drucken
Teilen
Deutsche-Bank-Chef John Cryan demonstriert nach problematischen Jahren auch wieder Zuversicht. (Bild: Michael Probst/AP)

Deutsche-Bank-Chef John Cryan demonstriert nach problematischen Jahren auch wieder Zuversicht. (Bild: Michael Probst/AP)

Christoph Reichmuth/Berlin

«Ich möchte das zum Anlass nehmen, um im Namen des Vorstands der Deutschen Bank unser tiefes Bedauern auszudrücken für das, was geschehen ist.» Das sagte Bankchef John Cryan gestern vor der Presse. «Wir möchten uns dafür entschuldigen. Es wurden schwerwiegende Fehler gemacht. Das betrifft zum Beispiel die Hypothekengeschäfte auf dem US-Markt von 2005 bis 2007.» Das damalige Verhalten der Bank «entsprach nicht unseren Standards und war völlig inakzeptabel. Das gilt leider auch für andere Fälle», sagte Cryan.

Grund seines reumütigen Auftrittes ist das schlechte Jahresergebnis. Deutschlands grösstes Geldhaus schliesst 2016 mit ei­nem Verlust von 1,4 Mrd. € ab. Bereits 2015 musste die Bank ein Minus von 7 Mrd. € vorlegen. Sie büsst vor allem für Sünden der Vergangenheit. Immerhin konnte sich die Bank letztes Jahr aus den zwei grössten juristischen Streitfällen freikaufen. Kurz vor Weihnachten überwies die Bank 7,2 Mrd. $ an das US-Justizministerium als Strafe für frühere Geschäfte mit verbrieften Wertpa­pieren, die mit faulen Hypo­theken unterlegt waren. Beim Verkauf dieser Papiere hatte die Bank falsche Angaben gemacht und die Risiken gegenüber Anlegern verharmlost.

Zuversicht nach «Übergangsjahr»

Erst vor wenigen Tagen konnte die Deutsche Bank den Rechtsstreit in einem Skandal um Geldwäscherei mit Russland mit einer Strafzahlung von 587 Mio. € zu den Akten legen. Der Vorwurf lautete hier, dass russische Kunden über die Bank in Moskau und London Rubel-Schwarzgeld im Wert von etwa 10 Mrd. € gewaschen hätten. Das Geldinstitut habe den Skandal weder aufgedeckt noch gestoppt. Auch dieses Jahr könnten Altlasten das Betriebsergebnis drücken, nach wie vor sind viele Rechtsstreitig­keiten hängig. Die Bank erhöht deshalb die Rückstellungen für Rechtsrisiken von 5,5 Mrd. auf 7,6 Mrd. €. Von 2012 bis 2016 summierten sich die Rechtskosten auf über 14 Mrd. €, wie das «Handelsblatt» vorrechnet.

Nichtsdestotrotz zeigte sich Cryan gestern auch zuversichtlich. Das schlechte Ergebnis, vor allem der Rekordverlust 2015, resultiere auch aus dem Konzernumbau, den der im Sommer 2015 zur Deutschen Bank gestossene Brite konsequent umsetzt. Der vormalige Finanzchef der UBS hatte das Jahr 2016 schon zuvor zu einem «Übergangsjahr» erklärt. Weltweit will das Geldinstitut bis 2018 etwa 9000 Arbeitsplätze abbauen und sich aus zehn Auslandsmärkten und manchen Investmentbanking-Geschäften zurückziehen. Die Kosten sollen auch durch eine Reduktion der Zahl der Filialen in Deutschland selbst reduziert werden. Zudem wurden die Boni der Führungskräfte für 2016 drastisch gekürzt. Experten halten John Cryan zugute, dass er sein Versprechen umsetzt und die Altlasten sukzessive aus dem Weg räumt.