«Wir haben Zeit zum Abschreiben»

Der Verwaltungsratspräsident der Brauhaus Sternen AG Martin Wartmann will für den Standort Winterthur individuelle Biere brauen. Die Expansion kommt finanziell in Schwung. Aktien im Wert von 220 000 Franken sind bereits gezeichnet.

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Martin Wartmann plant einen zweiten Standort, und zwar in Winterthur. (Archivbild: Susann Basler)

Martin Wartmann plant einen zweiten Standort, und zwar in Winterthur. (Archivbild: Susann Basler)

Herr Wartmann, der Bierkonsum pro Kopf in der Schweiz ist seit vier Jahren stabil. Trotzdem will die Brauhaus Sternen AG nach Winterthur expandieren?

Martin Wartmann: Auch beim sinkenden Gesamtmarkt gibt es stark wachsende Segmente: Premium und Bierspezialitäten wachsen anhaltend zulasten der gewöhnlichen Biere. Das Brauhaus steht mit 12 Bierspezialitäten in einem stark wachsenden Segment.

Gebraut wird nach wie vor in Frauenfeld. Erhält Winterthur kein eigenes Brauhausbier?

Wartmann: Doch, doch. Biere individualisiert man über Rohstoffe, Braurezept, Hefen, Gärtemperatur und Reifezeit und nicht über die Show. Es werden Chargen von je 500 Liter speziell gebraut, Würze vor Ort mit einer eigenen Hefe, der Alehefe vergoren und zum Winterthurer Huusbier ausgereift. Das komplexe Sudwerk mit Dampfkessel, Malzlager und so fort hat in den engen Altstadthäusern keinen Platz.

Was für eine Gastronomie ist am neuen Standort geplant?

Wartmann: Wir werden fast genau das gleiche anbieten wie in Frauenfeld: Stammtischgastronomie, Casual Dining, mit selbstgebrauten Bierspezialitäten, Backofengerichte, Salate und in der zweiten Phase dann die Bierbar und die Take-out-Vitrinen.

1,8 Millionen Franken Projektkosten sind ein grosser Lupf für die kleine Brauhaus AG.

Wartmann: Wir machen 3,3 Millionen Franken Umsatz, bald 10 Prozent Cashflow und sind mit 300 000 Franken liquid, haben eine eigene Liegenschaft, tiefe Zinsen und 35 Prozent Eigenkapital, auch mit Winterthur. Die Verträge laufen über 20 Jahre, die Anlagen haben eine noch längere Nutzungsdauer, das heisst wir haben Zeit zum Abschreiben. Der Standort braucht kein Marketing, weil die Frequenz da ist. Management, Einkauf, Controlling, Website und Brauereiauslastung bringen Synergien.

Wie viele Zeichnungszusagen für Brauhausaktien sind denn inzwischen eingegangen?

Wartmann: Wir sind sehr zufrieden: Die 380 Aktionäre haben für über 220 000 Franken Aktien gekauft. Mehr als ein Viertel der angebotenen Titel sind also schon weg. Jetzt bekommen die nicht anwesenden 800 Aktionäre das Angebot und dann die rund 120 Interessenten auf der Warteliste. Der Rest geht nach Winterthur, auch da haben wir Fans.

Werden Sie statt Bieranbieten vielleicht auf Schnaps umstellen, wenn es nicht so vorwärts geht wie geplant?

Wartmann: Eher auf Whiskey, der ist schon im Sortiment und trendiger. Nein, wir sagen lieber «Schuster bleib bei deinen Leisten» und würden das Biersortiment trendig erweitern und mit hochpreisigen Markenbieren rausgehen, den Take-away-Verkauf forcieren, ins Catering gehen oder einfach einen noch besseren Job machen als alle anderen.

Interview: Martin Sinzig

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