«Wir füllen die Lücken, die durch die Schliessung der Restaurants entstanden sind»: Boom der Ostschweizer Lieferdienste – doch für die Kleinen bleibt wenig

Die Coronakrise gibt gelieferten Mahlzeiten einen Schub, wie Zahlen von Eat.ch zeigen. Auch viele traditionelle Restaurants in der Ostschweiz liefern ihre Mahlzeiten aus – was sich selten rechnet. Doch selbst grosse Kuriere sind nicht ganz glücklich mit der Situation.

Kaspar Enz
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In der Coronakrise stellen viele Wirte auf Lieferung und Take-Away.

In der Coronakrise stellen viele Wirte auf Lieferung und Take-Away.

Bild: Urs Bucher

Seit Mitte März sind die Restaurants geschlossen. Seither ist aus dem «Frohsinn» am Frauenfelder Schaffhauserplatz ein Take-Away und Lieferdienst geworden. Gekocht wird weiterhin gutbürgerlich, das Menu ist aber etwas kürzer als sonst. Dafür gibt es gratis Suppe. Die Kunden sind Leute, die im Quartier arbeiten, auf Baustellen etwa, «oder Leute, die uns unterstützen wollen», sagt Wirtin Rahel Fleischli. Was sie sehr schätze. Ihr gehe es nicht nur darum, in dieser Zeit etwas zu tun zu haben.

«Wir wollen auch da sein für unsere Gäste, die jetzt zu Hause bleiben müssen.»

Ein Bombengeschäft sei es nicht. Deshalb dürfte der Lieferdienst eine kurzfristige Angelegenheit bleiben. Auch wenn es vielleicht auch nach dem Lockdown noch etwas über die Gasse gibt. «Ich glaube, die Leute freuen sich darauf, dass sie wieder ins Restaurant kommen können.»

So wie dem «Frohsinn» geht es manchem Ostschweizer Restaurant. «Ich hab von keinem gehört, der sagt, es sei ein richtig gutes Geschäft», sagt Walter Tobler, Präsident von Gastro St.Gallen.

«Es geht mehr darum, dass die Gäste einen nicht vergessen. Rechnen tut sich das kaum.»

Vor allem dann nicht, wenn die Restaurants die Mahlzeiten selber ausliefern. Denn die Lieferung sei nicht ohne Tücken.

Auch die Lieferung muss gut sein

Das weiss auch Patrick Bircher, CEO der Pizzakurier-Kette Dieci. «Die Qualität der Lieferung ist genau so wichtig wie die Qualität des Essens», sagt er. So brauche es auch für einen erfolgreichen Lieferdienst Investitionen: In Bestellsysteme, Fahrzeuge und Marketing. Deshalb glaubt er, dass nach dem Lockdown die meisten Beizen wieder auf Normalbetrieb umstellen. Denn ein Kurierdinest sei für Kleine schwer zu stemmen. «Sie können das über Internet-Plattformen wie Eat.ch machen. Aber dann bleibt von der Marge wenig übrig.»

Mehr Chancen rechnet er grösseren Gastrounternehmen aus, von denen einige schon länger mit Kurierdiensten liebäugeln. Ihnen gebe die jetzige Situation wohl einen Schub. «Der Trend geht schon länger in Richtung Kurier, Take-Away und Convenience-Produkte», sagt Bircher.

Lieferdienste füllen Lücken

Dass die Kurierbranche einen Schub erhält, lassen auch Zahlen der Plattform Eat.ch vermuten. Die verzeichne seit dem Lockdown rund 40 Prozent mehr Besuche auf App und Website, heisst es dort auf Anfrage. Und auch die Zahl der Restaurants, die um Zusammenarbeit anfragen, sei im ähnlichen Mass gestiegen.

Davon können auch die drei Dutzend Kurier-Standorte von Dieci profitieren. Bircher sagt:

«Wir füllen zum Teil die Lücken, die durch die Schliessung der Restaurants entstanden sind.»

Allerdings: Glücklich ist er über die jetzige Situation auch nicht. Die Restaurants und Gelaterien, die zum Rapperswiler Unternehmen gehören, sind zu. «Auch wir hätten es lieber anders.»

Das sagt auch Manuel Herzog, vom St.Galler Lieferservice Bamboo. «Bei den Bestellungen merkt man eine leichte Steigerung», sagt er. Da aber gleichzeitig das Restaurant und das Catering-Geschäft wegfallen, musste das Unternehmen trotzdem Kurzarbeit anmelden. Mit Spezialangeboten wie tibetischen Momos am Montag peppt Bamboo das Angebot auf. «Wir versuchen, möglichst viele Mitarbeiter zu beschäftigen», sagt Herzog. Aber die zusätzliche Nachfrage verteile sich wohl auf mehr Anbieter. «Die Leute können nicht jeden Tag am gleichen Ort bestellen.» Was gut ankomme, sei die kontaktlose Lieferung.

Umdenken auch in der Küche

So gibt es denn doch einige frischgebackene Kurier, die keinen Grund zu Klagen sehen. «Anfang ging es uns mehr darum, dass uns nicht langweilig wird, und ein Wenig ums Marketing», sagt Oliver Scheuber. «Heute liefern wir an guten Tagen 80 bis 90 Mahlzeiten aus», sagt der Wirt des Restaurants Dreilinden. An einem schönen Sommertag wäre das wenig für das Lokal bei den St.Galler Drei Weihern. «Aber für einen Regentag ist das ganz gut.»

Sehr profitabel sei der Lieferdienst zwar nicht, den zusätzlichen Aufwand merke man schon. Trotzdem reize der Erfolg, am Liefermodell festzuhalten. Zumal Scheuber nicht an eine schnelle Rückkehr zur Normalität glaubt. «Da muss man sich auch im Liefer- und Take-Away-Geschäft behaupten können.» Dazu gehört auch ein Umdenken in der Küche. «Nicht jedes Gericht eignet sich gleich gut für den Transport.»

Positiv überrascht ist auch Bruno Schneider, Wirt in der Krone in Mosnang. Das Take-Away-Angebot führte er auf Kundenwunsch ein. «Heute machen wir rund zwei Drittel der normalen Mittagsmenues.» Die Solidarität der Leute spiele da eine Rolle. Aber auch nach dem Lockdown will er weitermachen.

«Es ist ein Bedürfnis, grad für Familien und ältere Leute.»
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