«Wir erwarten, dass sich die Leute stark mit Pflanzen eindecken werden»: Gartencenter wie Rutishauser aus Züberwangen rüsten sich für ihre Wiedereröffnung

Gärtnereien und Gartencenter wie jene von Rutishauser dürfen bald wieder öffnen. Sie hoffen auf ein «Zurück zur Natur» der Kunden und darauf, wenigstens einen Teil der im Corona-Lockdown verlorenen Umsätze kompensieren zu können.

Thomas Griesser Kym
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Premium-Tulpen gehören zu den Kerngeschäften von Rutishauser.

Premium-Tulpen gehören zu den Kerngeschäften von Rutishauser.

Bild: Raphael Rohner (Züberwangen, 6. März 2019)

Just im Frühling, der wichtigsten Saison für Gartencenter und Gärtnereien, mussten diese als Folge des Lockdowns mehrere Wochen schliessen. Kommenden Montag aber geht es wieder los, und die Branche rüstet sich mit Hochdruck. So auch die Rutishauser-Gruppe mit Hauptsitz in Züberwangen bei Wil, die während der Saison rund 200 Mitarbeitende beschäftigt. Geschäftsführer Bruno Rutishauser sagt:

«Wir erwarten, dass sich die Leute stark mit Pflanzen eindecken werden.»

Rutishauser nennt drei Hauptgründe: Erstens sei in den vergangenen Wochen ein Vakuum entstanden: «Die Begeisterung für und das Interesse an Pflanzen ist klar gestiegen.» Zweitens seien sich die meisten Leute bewusst, dass die Mobilität diesen Sommer nach wie vor begrenzt sein dürfte. Das bedeutet, die Menschen hätten mehr Zeit, sich mit Pflanzen, Blumen und Gemüsesetzlingen zu beschäftigen. Drittens stellt Bruno Rutishauser fest:

«Immer mehr Leute legen Wert auf selber erzeugte Produkte.»

Und weiter: «Das Bewusstsein für eine gesunde, ökologische und ausgewogene Ernährung ist gestiegen. Dazu gehören auch Beeren, Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, der eigenen Terrasse oder vom eigenen Balkon.»

«Komplette Kompensation wird nicht möglich sein»

Bruno Rutishauser, Geschäftsführer der Rutishauser AG.

Bruno Rutishauser, Geschäftsführer der Rutishauser AG.

Bild: PD

Der Chef des Familienunter­nehmens äussert die Hoffnung, dass seine Branche in den nächsten Monaten einen Teil der bisherigen Ausfälle kompensieren kann. Doch «eine komplette Kompensation wird nicht möglich sein», zumal auch Rutishauser «massgebende Mengen leider dem Kompost zuführen musste». Und dies, obwohl die Familie unverzüglich einen Abhol- und Lieferservice in den beiden Gartencentern in Wil und Fällanden sowie im Direktverkaufsladen von Häberlis Obst- und Beerenpflanzen in Neukirch hochgezogen hatte.

Blick in die Tulpenproduktion von Rutishauser im Gewächshaus in Züberwangen.

Blick in die Tulpenproduktion von Rutishauser im Gewächshaus in Züberwangen.

Bild: Raphael Rohner (6. März 2019)

Beide Angebote wurden laut Bruno Rutishauser stark nachgefragt und sind bei den Kunden gut angekommen, haben aber nur einen kleinen Teil der entgangenen Umsätze kompensiert. Denn die massgebenden Kunden bei Tulpen und Topfpflanzen sind die grossen Detailhändler und Baumärkte, und mit diesen ist das Geschäft wegen des Lockdowns Mitte März «von einem auf den anderen Tag komplett zusammengebrochen, weil unsere Kunden diese Produkte an der Front nicht mehr verkaufen durften».

Heilpflanzen und Hanfblüten sind unbeeindruckt von Corona

Wie gross die Umsatzeinbusse per Saldo ist, vermag Bruno Rutishauser noch nicht zu beziffern. Was er aber schon weiss:

«Dieser Lockdown wird uns auf Stufe Betriebsergebnis äusserst empfindlich treffen.»

Als Glück bezeichnet er aber die Gründung der Galenus AG vor gut drei Jahren zwecks Diversifizierung. Diese Tochtergesellschaft kultiviert Heilpflanzen und Hanfblüten und ist von der Coronakrise «nicht negativ beeinflusst».

Über die Öffnung der Standorte am kommenden Montag sagt Bruno Rutishauser, das Hochfahren müsse auf allen Ebenen funktionieren. Wichtig seien zum einen die Warenbeschaffungen. «Aufgrund der speziellen Situation wird es hier kurzfristige Engpässe und Verzögerungen geben.»

Kurzarbeit ist bald passé

Herausfordernd sei es zweitens personell. Rutishauser hatte je nach Bereich unterschiedliche Anträge auf Kurzarbeit eingereicht. Es habe sich rasch gezeigt, dass die Pflege jener Pflanzen, für die noch Hoffnung auf Verkauf bestand, viel Personal benötigte. Auch die Kompostierung bedurfte mehr personeller Ressourcen als die Kommissionierung für die Verkaufsbereitstellung. Fazit: «Wir stellen schon heute fest, dass die effektive Kurzarbeit massiv tiefer ausfallen wird als geschätzt.» Und, sagt Bruno Rutishauser:

«Spätestens ab nächster Woche werden wir keine Kurzarbeit mehr haben.»

Hygiene wird gross geschrieben

Neu sind für Rutishauser drittens die Schutzvorkehrungen für Kunden und Mitarbeitende im Laden, vom Dosierungssystem bis hin zu Plexiglasscheiben an den Kassen. Die Details der Massnahmen zum Schutz vor Ansteckungen werden diese Woche beschlossen und umgesetzt, wie Bruno Rutishauser sagt.

Schon bisher habe man darauf geachtet, dass es bei der Arbeit möglichst keine grossen Ansammlungen gibt und dass im Team die Abstandsregeln eingehalten werden können. Man habe Pausen gestaffelt durchgeführt, öfters gereinigt, Desinfektionsmittel beschafft, die Hygienehinweise ständig kommuniziert, Büroarbeitsplätze neu angeordnet und wo möglich Homeoffice verordnet.

Liefer- und Abholservice auch in Zukunft

Bruno Rutishauser denkt auch schon weiter. Mit dem Liefer- und Abholservice für alle Produkte aus der eigenen Gärtnerei hatte der Betrieb «innert weniger Tage ein komplett neues Vertriebssystem aus dem Boden gestampft». Nach dem sehr positiven Kundenzuspruch werde dieses Projekt «mit Sicherheit weiterentwickelt».