«Wir binden Unternehmer ein»

Start-up-Firmen seien immer auf der Suche nach guten Kapitalgebern. Das sagt Alexander Stoeckel, Partner der vor 15 Jahren in St. Gallen gegründeten Wagniskapital-Firma b-to-v. Diese beurteilt jährlich 2500 Businesspläne.

Martin Sinzig
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Alexander Stoeckel, Partner bei b-to-v: «Ihr bekommt es nicht mit oberschlauen jungen Investmentmanagern zu tun.» (Bild: Ralph Ribi)

Alexander Stoeckel, Partner bei b-to-v: «Ihr bekommt es nicht mit oberschlauen jungen Investmentmanagern zu tun.» (Bild: Ralph Ribi)

Herr Stoeckel, was verschlägt einen Berliner nach St. Gallen?

Alexander Stoeckel: Reiner Zufall. Ich wollte nach meinem MBA in Oxford im Bereich Venture Capital oder Wagniskapital arbeiten und war zunächst selbständig in Deutschland aktiv. Ich hatte aber immer den Traum, bei einer europäischen Venture-Capital-Gesellschaft zu arbeiten, die sich fortlaufend und in grösserem Umfang an Start-ups beteiligt. Irgendwann erhielt ich von meinem Studienkollegen Christian Schütz eine Einladung von b-to-v. Und so kam ich unverhofft 2007 als Investmentmanager zu b-to-v nach St. Gallen. Für diese interessante Aufgabe bin ich gerne in die Schweiz gezogen, und inzwischen sind meine Frau und ich hier auch heimisch geworden. Unsere beiden Kinder sind hier geboren.

Was war der Ursprung von b-to-v?

Stoeckel: b-to-v ist aus der noch immer aktiven Studenteninitiative Start an der Universität St. Gallen hervorgegangen. Start hatte sich zum Ziel gesetzt, Studenten mit erfahrenen Unternehmern und Managern zusammenzubringen, um Dialoge zu Projekten, Start-ups und Finanzierungschancen zu ermöglichen. Dieser Ansatz wird in der b-to-v-Philosophie und -Strategie aufgegriffen. Am Anfang war b-to-v noch ein reines Netzwerk privater Investoren. Inzwischen sind wir ein Venture-Capital-Unternehmen, das pro Jahr etwa 20 bis 25 Millionen Franken in Start-ups investiert und das neben den Einzelinvestments unserer Mitglieder auch die Investments der b-to-v-Fonds begleitet.

Sie vergleichen das gegenseitige Abtasten von Start-up-Gründern und Investoren in Ihren Vorträgen scherzhaft mit Dates zwischen neuen Partnern. Wie muss man sich das vorstellen?

Stoeckel: Die Parallelen zum Dating sind vielfältig. Im Grunde geht es ja um die Suche nach dem richtigen Partner und der damit einhergehenden Frage: Was ist denn eigentlich richtig? Die Gründer suchen nach den richtigen Investoren, die ihr Start-up mit Kapital ausstatten, die aber zusätzlich auch Intelligenz, unternehmerische Erfahrung und weiterführende Netzwerkkontakte mitbringen, um das Wachstum des Start-ups zusätzlich zu fördern. Die Investoren wiederum suchen die richtigen Gründer, die nicht nur ein überzeugendes unternehmerisches Konzept entwickelt haben, sondern darüber hinaus auch die Fähigkeit mitbringen, die Idee zu verwirklichen.

Welchen Vorteil haben Gründer, wenn sie zu Ihnen kommen?

Stoeckel: Wir sagen unseren Gründern: <Ihr bekommt es bei b-to-v nicht mit oberschlauen jungen Investmentmanagern zu tun, die Eurem Team, bestehend aus jungen Gründern, erzählen, wie die Welt funktioniert. Vielmehr binden wir in die Investmentprozesse von Anfang an erfahrene Unternehmer ein, die sich letztlich auch mit ihrem privaten Vermögen an Eurem Unternehmen beteiligen können. Gemeinsam besprechen wir die Beurteilung Eures Konzepts, Due Diligence, also vertiefte Prüfung, Strukturierung und Begleitung Eures Start-ups. Das sind Personen, die aus Eurer Industrie kommen und sehr gut verstehen, wo Euch der Schuh drückt.> Diese Kombination aus Unternehmererfahrung und Investorenexpertise, das zeichnet b-to-v aus, das gibt es sonst nirgends.

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit den Mitgliedern aus?

Stoeckel: b-to-v-Mitglieder bringen eigene Beteiligungsmöglichkeiten an Start-ups mit und teilen diese mit anderen Mitgliedern. Auf diese Weise konnten wir uns zum Beispiel vergleichsweise früh an Facebook beteiligen. Zudem durchdenken die Mitglieder gemeinsam die Chancen und Risiken von Start-ups. Sie engagieren sich gemeinsam in der Due Diligence, sie investieren gemeinsam zu gleichen Konditionen, sie unterstützen die Start-ups gemeinsam, sie bereiten Anschlussfinanzierungen gemeinsam vor und sie arbeiten gemeinsam an Ausstiegen.

Finden Sie genügend Start-ups?

Stoeckel: Wir sehen pro Jahr etwa 2500 Beteiligungsmöglichkeiten. Zwei Kollegen aus unserem Team beschäftigen sich ausschliesslich und jeden Tag mit der Sichtung eingehender Businesspläne und Präsentationen. Strukturell kommt uns zugute, dass in Europa eher ein Mangel herrscht an Wagniskapitalgebern. Das heisst, Venture-Capital-Unternehmen können selbst in St. Gallen abseits der Epizentren ansässig sein, und sie bekommen, eine gute Reputation vorausgesetzt, dennoch einen grossen Dealflow, also einen Zufluss an Geschäften. Einfach weil Wagniskapital knapp ist.