«Windkraft hat enormes Potenzial»

Die Envergate Energy AG Horn hat eine neue Windturbine auf dem Haldigrat installiert. Chef Markus B. Graf sagt, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt habe. Die Vorgängerin Envergate AG war 2014 in Konkurs gegangen.

Stefan Borkert
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Spektakulär: Per Helikopter wird die neue Windturbine am Berggasthaus Haldigrat montiert. (Bild: pd)

Spektakulär: Per Helikopter wird die neue Windturbine am Berggasthaus Haldigrat montiert. (Bild: pd)

Herr Graf, warum brauchte es auf dem Haldigrat im Kanton Nidwalden nach zwei Jahren schon wieder eine neue Turbine? Das ist doch eine kurze Lebenszeit?

Markus B. Graf: Die alte Turbine der Vorgängerfirma war technisch noch zu wenig ausgereift. Das verwendete Material hielt den harten Anforderungen und Umweltbedingungen auf dem Haldigrat nicht stand.

Und die neue Windturbine Terza20 hat nun eine längere Lebensdauer?

Graf: Die Turbine wurde während über sechs Monaten in Südfrankreich und Glasgow unter Volllast geprüft. Auf dem Testfeld von Sepen bei Castelnaudary wehten starke Winde mit Geschwindigkeiten teilweise über 200 Stundenkilometern. Perfekte Bedingungen für den Härtetest also. Die Anlage hat einwandfrei funktioniert, und unsere eigenen Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Zusammen mit dem Eigentümer werden wir zudem die Turbine regelmässig warten, so hält sie über 20 Jahre.

Wie sieht es mit Ihrer privaten Stromversorgung aus, auch per Envergate-Windturbine?

Graf: Leider nein. Der Wind im überbauten Goldach reicht leider nicht für die Nutzung von Windkraft. Hingegen am Firmensitz in Horn produzieren wir für unser Industriequartier einen Teil des Strombedarfs über eine auf dem Gelände installierte Windturbine Quinta20.

Die Vorgängerin von Envergate Energy, die Envergate AG, ging Anfang 2014 in Konkurs. Wie bringen Sie frischen Wind in das Unternehmen?

Graf: Aus den Fehlern der Vergangenheit haben wir gelernt. Die neue Envergate verfügt über viel Fach- und Sachkompetenz, langjährige Erfahrung sowie ein vielversprechendes Netzwerk aus Distributoren, Partnern und Lieferanten aus dem In- und Ausland. Darauf bauen wir. Die Energiebranche ist ein anspruchsvoller Markt. Erneuerbare Energien finden zwar alle toll, den konsequenten Schritt aber wagen nur wenige. Es braucht Pioniere, die überzeugt voranschreiten. Wir sind einer davon.

Erlauben Sie die Frage. Wie ist es um die finanzielle Ausstattung der Envergate Energy AG heute bestellt? Immerhin haben Sie derzeit sogar Stellen für neue Mitarbeiter ausgeschrieben?

Graf: Die neue Envergate hat motivierte und überzeugte Eigentümer, die uns eine solide Basis bereiten. Wir verfolgen eine Wachstumsstrategie, somit sind wir um jede kompetente Kraft mehr im Team sehr dankbar. Windkraft hat enormes Potenzial. Wir konzentrieren uns dabei auf die windstarken Länder wie Deutschland, England, Skandinavien und Frankreich.

Sind Ihre Auftragsbücher mit Bestellungen gefüllt?

Graf: Als Start-up-Unternehmen befinden wir uns noch mitten in der Anfangsphase. Hier steckt viel Arbeit im Detail, oft auch in Aufgaben weit weg vom Kerngeschäft. Die Nachfrage und das Interesse an unseren vertikalachsigen Windturbinen sind sehr gross.

Welche Windturbine aus Ihrem Angebot wird am meisten nachgefragt?

Graf: Unsere Technik ist einzigartig. Dass sie funktioniert, haben die diversen Testbetriebe in Frankreich und Schottland bewiesen. Nun läuft die Zertifizierungsphase, und die Anlagen sind im Verkauf. Unsere zwei Anlagetypen Quinta20 mit einer Nennleistung bis 20 Kilowatt und Quinta99 mit einer Nennleistung bis 100 kW funktionieren nach dem gleichen Prinzip, der Unterschied liegt im Einsatzgebiet und bei der gewünschten Ertragsleistung. Die kleinere Turbine wird eher in abgelegenen Regionen oder als Konstruktion auf bestehenden Objekten eingesetzt, da sie sehr kompakt konstruiert, kleiner und auch leichter ist.

Und wie sieht das bei der grossen Windturbine aus?

Graf: Die grosse Windturbine bietet Unternehmern in windstarken Regionen eine wirtschaftlich attraktive Alternative zur Deckung des Stromeigenbedarfs. Envergate entwickelt auch Spezialanfertigungen, abgestimmt auf die Charakteristik und das Windvorkommen des jeweiligen Standorts.

Schlagen sich die unterschiedlichen Eigenschaften bei der Nachfrage nieder?

Graf: Die Nachfragen sind so unterschiedlich wie die einzelnen Anforderungen. Jeder Standort ist anders und erfordert eine differenzierte Beurteilung.

Sie sind ja Golfer. Haben Sie beim Golfspielen schon Kunden werben können?

Graf: Mein Hauptaugenmerk beim Golfspiel sollte auf dem Sport liegen. Aber beim Bier danach sind unsere Windenergieanlagen immer wieder vieldiskutiertes Thema, denn das Interesse an unseren Produkten und Dienstleistungen ist riesengross. Wenn ich dann unsere Technologie und die Kundenvorteile aufzeige, ernte ich – im Gegensatz zum Golfspiel – viel Lob und Anerkennung.

Und wie ist es der Envergate Energy AG gelungen, Konrad Hummler als Verwaltungsratspräsident ins Boot zu holen?

Graf: Wir sind sehr stolz, auf einen derart kompetenten, umsichtigen, überzeugten, aber auch kritischen Verwaltungsrat zählen zu können. Wie viele andere ist auch Konrad Hummler dem Thema gegenüber bei weitem nicht nur positiv gestimmt. Unsere innovative, vertikalachsige Technologie mit Pitch Control System hat ihn aber vollends überzeugt. Auch er glaubt an das grosse Potenzial dieser zukunftweisenden Antriebstechnik und unterstützt uns im Bestreben, diese Technik auf dem weltweiten Energiemarkt erfolgreich zu etablieren.

Markus B. Graf Geschäftsführer Envergate Energy AG Horn (Bild: pd)

Markus B. Graf Geschäftsführer Envergate Energy AG Horn (Bild: pd)