Wieso Hypothekarzinsen steigen

Zinsen sind ein wichtiger Werttreiber der Finanzmärkte.

Karel E. Ehmann Leiter Portfolio Management Thurgauer Kantonalbank
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Zinsen sind ein wichtiger Werttreiber der Finanzmärkte. So hat die Aufhebung des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) zwar kurzfristig zu einem Einbruch am Schweizer Aktienmarkt geführt, doch haben die parallel dazu eingeführten Negativzinsen die Flucht in die Aktien verstärkt. Die Schweizer Börse steht heute wieder auf dem Niveau wie vor dem Kurseinbruch Mitte Januar.

Geldpolitik mit Nebenwirkung

Mit der Einführung der Negativzinsen verfolgt die SNB das primäre Ziel, den Wert des Frankens gegenüber ausländischen Währungen zu schwächen. Eine Nebenwirkung dieser Aktion sind jedoch steigende Hypothekarzinsen – obwohl die Zinssätze am Kapitalmarkt gefallen sind. Der Hauptgrund für diese vermeintlich paradoxe Situation liegt darin, dass die Banken vor allem ihren Privatkunden keine negativen Zinssätze auf Spar- und Sichtguthaben belasten.

Banken sammeln Kapital bei Kunden und vergeben Kredite an Kapitalsuchende, beispielsweise Hypothekarschuldner. Um diesen Kreislauf nicht zu gefährden, verzichten die Banken auf die Negativverzinsung von Spar- und Sichtguthaben der Kundschaft. Ansonsten könnte diese in Versuchung geraten, ihre Einlagen abzuziehen und «unter die Matratze zu legen». Ein Abzug der Spargelder würde die Kreditvergabe stark bremsen, was wiederum negative Folgen für kreditsuchende Unternehmen und Private hätte. Daher verbleiben die Refinanzierungskosten der Banken knapp über Null, auch wenn sich beispielsweise die Eidgenossenschaft zu negativen Zinssätzen refinanzieren kann.

Die eigentliche Krux ist jedoch, dass derzeit überwiegend Festhypotheken mit Laufzeiten von zehn und mehr Jahren nachgefragt werden. Da die Spar- und Sichtgelder zumeist kurzfristiger Natur sind, muss die Bank das Zinsänderungsrisiko dieser Konstellation absichern («goldene Bankregel»).

Swaps als Instrument

Dies geschieht mit Swaps, bei denen die Bank mit einem Vertragspartner den Austausch von variablen und fixen Zinszahlungen vereinbart. In der Regel erhält dabei die Bank den variablen 6-Monats-Liborsatz und zahlt fix einen langfristigen Swapsatz. Aktuell ist der variable 6-Monats-Liborsatz aber bei –0,8% und der fixe 10jährige Swap-Satz bei 0,1%.

Da nun die negative Zinskomponente nicht den Sparern verrechnet wird, bestehen die Absicherungskosten für die Bank nicht nur aus dem fixen, sondern eben auch aus dem negativen Satz. Das hat dazu geführt, dass mit Einführung der Negativzinsen die Hypothekenvergabe für die Banken auf einen Schlag teurer geworden ist.

Durch die Negativzinsen am Geldmarkt entstehen den Banken nicht nur Kosten in bezug auf neue Hypotheken, sondern auch auf jene, die früher abgeschlossen wurden. Das kann in einzelnen Fällen dazu führen, dass Banken mit einzelnen Geschäften sogar Geld verlieren. So paradox es klingen mag: Tiefere Hypothekarzinsen bedingen in der Schweiz wieder Geld- und Kapitalmarktzinsen von über Null.

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