Wiesengüggel schlägt zurück

Erst wollte der milliardenschwere deutsche Geflügelproduzent Wiesenhof Guido Leutenegger den Namen Wiesengüggel verbieten. Das ist gescheitert. Jetzt fordert Leutenegger seinerseits die Löschung der Marke Wiesenhof.

Stefan Borkert
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Mobile Hühnerställe ermöglichen den Tieren während der Vegetationszeit den Zugang zu frischem Gras auf Wiesen und Alpweiden. (Bilder: Ulrich Pfändler)

Mobile Hühnerställe ermöglichen den Tieren während der Vegetationszeit den Zugang zu frischem Gras auf Wiesen und Alpweiden. (Bilder: Ulrich Pfändler)

ERMATINGEN. Weder als ehemaliger Kreuzlinger Stadtrat noch als Tier- und Umweltschützer und schon gar nicht als Landwirt geht Guido Leutenegger Konflikten aus dem Weg, wenn es sich um seine Überzeugungen und seine Tiere handelt. Rund 800 schottische Hochlandrinder von Natur Konkret weiden mittlerweile im Tessin und im Thurgau unter Bedingungen, die weit über die üblichen Biolabels hinausgehen. Neben den zotteligen Schotten züchtet Natur-Konkret-Gründer Leutenegger Freilandschweine und eben auch Geflügel unter dem Label Bodensee Wiesengüggel und Tessiner Alpgüggel. Die Haltungsbedingungen sind dabei am Tier orientiert: Die männlichen Geschwister der Legehennen werden nicht als Eintagsküken getötet und entsorgt. «Sie eignen sich hervorragend zur Güggelihaltung», sagt Leutenegger. Die Tiere werden in mobilen Ställen gehalten. Dadurch haben sie während der Vegetationszeit immer Auslauf. Die Tiere sind weder genmanipuliert noch werden Sie wahllos medikamentös behandelt. «Ein Wiesengüggel ist bei uns im Gegensatz zur grossindustriellen Produktion tatsächlich ein Wiesengüggel. Wir machen den Konsumenten nichts vor und täuschen sie nicht mit einem schön romantischen Logo.»

Boykott seit 2011

Das Logo des deutschen Geflügelproduzenten Wiesenhof, der zur PHW-Gruppe gehört und mehr als eine Milliarde € Umsatz generiert, sucht man in der Schweiz seit dem Boykott durch die Grossverteiler 2011 vergebens. Allerdings ist Leutenegger überzeugt, dass Wiesenhof schon wieder über andere Brands und Importeure in der Schweiz Fuss fassen will. Konkret spricht er Lidl an. In den Kühlregalen des Discounters finden sich Produkte der Marke Glenfell. Produziert werden die Glenfell-Produkte laut Animal Liberty von der deutschen Wiesenhof Geflügel-Kontor GmbH. Das Logo von Wiesenhof ziert nicht nur die Brust der Fussballspieler des norddeutschen Bundesligavereins SV Werder Bremen, es stösst Leutenegger auch sauer auf. Mit dem netten Bauernhof vor grünem Hintergrund werde dem Konsumenten etwas vorgetäuscht, das der Realität nicht entspreche. Nachdem Wiesenhof seine Aufforderung an Leutenegger zurückgezogen hat und Leutenegger den Namen seiner Marke Wiesengüggel in der Schweiz weiterhin verwenden kann, beschloss er, den Spiess umzudrehen und seinerseits gegen Wiesenhof vorzugehen. Er forderte Wiesenhof Anfang Oktober auf, den Markeneintrag in der Schweiz zu löschen.

Vorsätzliche Täuschung

Er schreibt: «Nachdem Sie ursprünglich gegen unseren Markeneintrag Wiesengüggel vorgehen wollten, haben wir nun unsererseits die Rechtmässigkeit des Eintrags Wiesenhof überprüfen lassen.» Und weiter: «Die juristische Sachlage ist eindeutig. Die Bezeichnung Wiesenhof und auch das entsprechende Logo erfüllen den Tatbestand der vorsätzlichen Täuschung. Es wird ganz bewusst und vorsätzlich ein falsches Bild von der Haltung der Tiere suggeriert und damit der Konsument bewusst getäuscht. So entsteht auch ein riesiger wirtschaftlicher Schaden für Betriebe, die Hühner tatsächlich auf Wiesen halten und ihnen ein artgerechtes Leben ermöglichen.»

Wiesenhof lehnt ab

Leutenegger betont auch, dass die grossindustrielle Haltungsform bei Wiesenhof massgeblich zur Verbreitung der gefährlichen antibiotikaresistenten Keime beitrage. Damit sei die Produktionsform von Wiesenhof auch eine Bedrohung für die Volksgesundheit. Eine jüngst im Auftrag des Bundes angefertigte Studie zu multiresistenten Keimen hat diese bei 41 Prozent der untersuchten Poulets gefunden.

Am 30. Oktober nun hat die von Wiesenhof beauftrage Hamburger Advokatur Patent- und Rechtsanwälte Hauck geantwortet, dass man Wiesenhof nicht anraten werde, die Löschung der Marken Wiesenhof zu veranlassen. Die Marke stelle keine Täuschung der Verbraucher dar.

Leutenegger gibt sich damit nicht zufrieden und wird sich nun an das Bundesamt für Gesundheit wenden. Das Thema ist brandaktuell, da der Bundesrat bis Ende Jahr eine neue Antibiotikastrategie verkünden will.