Wie in guten alten Zeiten

Anders als in den vergangenen zwei Jahren haben die Schweizer Pensionskassen 2012 relativ hohe Renditen erzielt. Die Zahlen erinnern an die Ergebnisse von Ende der 1990er-Jahre. Doch nun gilt das Augenmerk dem neuen Jahr.

Roman Schenkel
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Lichtere Zeiten für Pensionskassen. Ihre Performance 2012 erinnert an die späten 1990er-Jahre, als bis zu 8 Prozent üblich waren. (Bild: epa/Morell)

Lichtere Zeiten für Pensionskassen. Ihre Performance 2012 erinnert an die späten 1990er-Jahre, als bis zu 8 Prozent üblich waren. (Bild: epa/Morell)

Die Schweizer Pensionskassen verwalten eine Summe, welche die jährliche Wirtschaftsleistung der Schweiz übersteigt. Über 600 Mrd. Fr. legen sie für die Versicherten an. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandprodukt der Schweiz betrug 2011 gut 580 Mrd. Franken. Da die meisten Schweizer den grössten Teil ihres Ersparten in der Pensionskasse angelegt haben, ist die Frage, wie es den Pensionskassen geht, eine der relevantesten überhaupt.

Nach zwei schwierigen Jahren hat das Jahr 2012 den Pensionskassen eine Verschnaufpause gegönnt. Im Soge des starken Börsenjahres – der Schweizer Leitindex SMI stieg 2012 um 15%, der deutsche Leitindex DAX gar um 29% – können auch die Pensionskassen ein erfolgreiches Jahr mit hohen Renditen vermelden.

Zentralbanken treiben Kurse an

Dabei haben die Schweizer Pensionskassen auch von Mario Draghi profitiert. Die Ankündigung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), er werde im Fall der Fälle uneingeschränkt Staatsanleihen europäischer Krisenstaaten kaufen, beruhigte die Finanzmärkte. Hinzu kam, dass neben der EZB auch alle anderen wichtigen Zentralbanken ihre Geldpolitik massiv ausgeweitet haben. Das liess auch die Inflation steigen, was wiederum die Aktien- und Immobilienpreise in die Höhe getrieben hat.

Wie stark die Anlagen der Pensionskassen zugelegt haben, zeigen die Pensionskassen-Indizes der Genfer Privatbank Pictet. Diese bilden ab, wie eine typische Pensionskasse die Spargelder der Versicherten anlegt. Seit Anfang 2012 lagen alle Indizes deutlich im Plus. Schon bei einer konservativen Anlagestrategie (25% Aktien, 75% Obligationen), die von den meisten Kassen verfolgt wird, lag die Performance per 27. Dezember 2012 bei +7,93%. Noch besser sieht es bei einer Anlagestrategie mit 40% Aktien aus. Hier weist der Pictet-Index +9,87% aus. Bei noch mehr Risiko (60% Aktien) sind es gar +12,43% seit Anfang 2012.

«2012 war ein erfreuliches Jahr für die Pensionskassen», bestätigt Othmar Simeon, Leiter Personalvorsorgeberatung bei Swisscanto. Das Gemeinschaftsunternehmen der Kantonalbanken verwaltet Pensionskassengelder im Umfang von 53 Mrd. Franken. Abzüglich der Kosten habe das Gros der Kassen mit ihren Anlagen ein Plus zwischen 6% und 7% erarbeitet. «Dank dieses Ergebnisses wird der Deckungsgrad der Pensionskassen flächendeckend ansteigen.»

Abschluss weckt Begehrlichkeit

Pensionskassen, die einen Deckungsgrad von unter 100% aufweisen und damit in Unterdeckung sind, haben per Stichtag nicht genügend Mittel, um sämtliche Verpflichtungen gegenüber ihren Versicherten zu erfüllen. Bei über 100% Deckungsgrad aber ist eine Kasse gesund und hat mehr Geld, als sie eigentlich braucht. Vereinfacht gesagt: Je höher der Deckungsgrad, desto höher die Reserven einer Kasse, um Börsenturbulenzen zu widerstehen.

Der Swisscanto-Pensionskassen-Monitor zeigte bereits für das 3. Quartal 2012 eine Verbesserung der Finanzierungslage der hiesigen Vorsorgeeinrichtungen: Die privatrechtlichen Pensionskassen wiesen per Ende September einen Deckungsgrad von 107,3% aus, die öffentlich-rechtlichen Kassen mit Vollkapitalisierung waren zu 98,9% gedeckt. Eine Unterdeckung zeigten 58% der öffentlich-rechtlichen Kassen mit Vollkapitalisierung und 12% der privatrechtlichen Kassen. Im 4. Quartal sind die Aktienmärkte aber weiter gestiegen, was die Deckungsgrade um mehrere Prozentpunkte verbessert haben dürfte.

Ein guter Jahresabschluss der Pensionskassen weckt Begehrlichkeiten. Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, forderte aufgrund des guten Börsenverlaufs auf seinem Blog schon im August ein Anheben des Mindestzinssatzes. Das habe Tradition, sagt Simeon und zeigt dafür auch ein gewisses Verständnis: «Es ist jeweils schwierig zu erklären, wieso die Beiträge der Versicherten nach guten Jahren weiterhin zum selben Prozentsatz verzinst werden.»

Spare in der Zeit…

Doch die Forderung nach einem höheren Mindestzinssatz (derzeit 1,5%) oder nach Ausschüttungen, die jeweils auf ein gutes Börsenjahr folgten, würde zu kurzfristig greifen. «Die Pensionskassen horten keine Gelder, dank der Überschüsse können sie Wertschwankungsreserven anlegen», sagt Simeon. Diese benötigen die Kassen in schwierigen Jahren – wie zum Beispiel 2008, als die Aktienmärkte wegen der Finanzkrise einbrachen. Damals verloren die Anlagen der Pensionskassen deutlich an Wert. Ende 2008 wiesen über drei Viertel aller Kassen eine Unterdeckung auf.

…dann hast du in der Not

Nach dem guten Abschluss 2012 gelte es für die Pensionskassen, ans nächste Jahr zu denken, sagt Eric Roeleven. Er arbeitet bei Pictet in der Vermögensverwaltung und ist tätig für institutionelle Kunden wie etwa Pensionskassen. «Niemand weiss, wie das neue Jahr ausfallen wird», sagt Roeleven. Statt für Ausschüttungen sollten die Pensionskassen die Überschüsse nutzen, um Reserven anzulegen und den Deckungsbeitrag zu optimieren. Denn: «Eine Korrektur kommt, wenn nicht in den nächsten Jahren, dann mit Sicherheit in zehn Jahren», prognostiziert Roeleven.