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Raiffeisen verkauft Notenstein: Wie gewonnen, so zerronnen

Raiffeisen verkauft Notenstein La Roche an Vontobel und beendet ein weiters Kapitel der Ära Vincenz. Eine Abkehr von der Diversifizierungsstrategie sei das nicht, beteuert Raiffeisen-Chef Patrik Gisel.
Daniel Zulauf
Der Sitz von Notenstein La Roche in St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi (26. Oktober 2016))

Der Sitz von Notenstein La Roche in St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi (26. Oktober 2016))

Sechs Jahre nach der spektakulären Übernahme der von der US-Justiz belagerten Bank Wegelin schliesst Raiffeisen ein weiteres Kapitel der Ära Pierin Vincenz. Die auf den Namen Notenstein umgetaufte Privatbank geht zusammen mit dem später hinzugekommenen Basler Traditionshaus La Roche in die Hände der Bank Vontobel über. Die Zürcher zahlen 700 Millionen Franken für ein Institut, das mit einem verwalteten Kundenvermögen von 16,5 Milliarden Franken und 330 Mitarbeitern an 13 Standorten in der Schweiz auch für andere Banken ein begehrtes Objekt gewesen wäre.

Raiffeisen habe Vontobel unter insgesamt vier Bewerbern aus dem In- und Ausland ausgewählt, sagte Raiffeisen-CEO Patrik Gisel an einer Medienkonferenz. Nebst dem Preis, der bei allen Bietern in ähnlicher Höhe gelegen habe, sei auch die Kultur von Vontobel als familienbeherrschte Bank ausschlaggebend für den Zuschlag gewesen.

Nur kleine Gewinne realisiert

Freilich haben Vontobel und Raiffeisen in der jüngeren Zeit bereits zweimal zueinander gefunden. Zunächst übernahmen die Zürcher das unter der Franchise Vescore zusammengefasste Geschäft mit institutionellen Anlagekunden (Asset Management) und später auch das Privatkundengeschäft von Notenstein La Roche in Osteuropa. Der Abverkauf sei damit abgeschlossen, kommentierte Gisel mit einem scherzhaften Unterton. Der Manager gab sich alle Mühe, die Transaktion als Erfolg darzustellen. Raiffeisen zahlte im Januar 2012 rund 570 Millionen Franken für das Schweizer Geschäft von Wegelin, das so der Liquidation durch die US-Justiz entging. Auch unter Einrechnung der seither getätigten Investitionen, darunter eine neue Informatikplattform von Avaloq, verbleibe noch ein Gewinn in nicht genannter Höhe. Doch Notenstein La Roche kam unter der neuen Eigentümerin nie auf Touren. Zwar betonte Gisel, die Bank habe nie Verluste produziert. Er räumte aber auch ein, dass sich der Einkauf mit den kleinen Gewinnen nicht ausreichend habe rentabilisieren lassen.

Notenstein habe in einem «klassischen Private-Banking-Umfeld» die besseren Aussichten als bei Raiffeisen, erklärte die Genossenschaft ihren Rückzug. In der Tat scheint die betuchte Notenstein-La-Roche-Klientel mit ihren grossen Vermögen von durchschnittlich über einer Million Franken in der auf ein breites Durchschnittspublikum ausgerichteten ehemaligen Bauernbank nie richtig heimisch geworden zu sein. Zum Zeitpunkt der Übernahme zählte Notenstein (ohne La Roche) verwaltete Vermögen von über 21 Milliarden Franken. Auch dessen organisatorische Neuausrichtung war dem Betriebsklima offensichtlich abträglich. Von der Equipe, die einst angetreten war, um aus Notenstein «eine der drei besten Privatbanken im Land» zu formen, ist mindestens in der Chefetage niemand mehr übrig.

Raiffeisen-Chef Gisel hofft nun, aus der bestehenden Kundschaft der 255 unabhängigen Genossenschaftsbanken mehr Anlagegeschäfte generieren zu können. Das Ziel, die führende Hypothekenbank im Land stärker auf das kaum Eigenkapital bindende Beratungsgeschäft umzupolen, bleibe bestehen. Der Verkaufsentscheid sei «keine Abkehr von der Diversifizierungsstrategie», die Raiffeisen mit dem Kauf von Notenstein zu beschleunigen hoffte. Der Verkaufserlös kommt der Genossenschaftsbank allerdings höchst gelegen, um den gestiegenen Eigenkapitalanforderungen besser gerecht zu werden. Raiffeisen gilt seit Sommer 2014 neben UBS, Credit Suisse, der Zürcher Kantonalbank und Postfinance als «systemrelevant». Der Bundesrat hat letztes Jahr eine Verschärfung der Eigenmittelvorschriften für systemrelevante inländische Banken auf den Schlitten gebracht. Die Vernehmlassung dazu geht am 30. Mai zu Ende. Es ist offensichtlich, dass sich die Genossenschaftsbank eine akquisitionsgetriebene Expansionsstrategie im Vermögensverwaltungsgeschäft nicht mehr leisten kann, ohne dafür Wachstum im kapitalintensiven Stammgeschäft mit Hypotheken und KMU-Krediten opfern zu müssen. So gesehen dürfte der im Februar vom Raiffeisen-Verwaltungsrat beschlossenen Strategiewechsel keine allzu schwierige Entscheidung gewesen sein.

Für die Bank Vontobel ist der Zukauf eine prächtige Gelegenheit, die im Konkurrenzvergleich eher kleine Vermögensverwaltungssparte auszubauen. Die Zürcher steigern ihren Vermögensbestand um 30 Prozent auf knapp 73 Milliarden Franken. Zur Finanzierung der Transaktion nimmt Vontobel eine nachrangige Anleihe in der Höhe von voraussichtlich 350 Millionen bis 450 Millionen Franken auf. Die Kapitalquoten der Bank bleiben auch dann noch komfortabel über den Minimalanforderungen und auch weit über dem Branchendurchschnitt. Vontobel zeigte sich bei Akquisitionen lange Zeit sehr wählerisch und zurückhaltend: «Wir sind keine seriellen Firmenkäufer, und Kostensparen ist nicht unser primäres Ziel», erklärte CEO Zeno Staub in der Medienkonferenz.

Von Wegelin über Notenstein zu Vontobel:
Eine Chronologie

1. März 1741: Gründung der Privatbank Wegelin & Co. Sie gilt bis zu ihrer Auflösung als älteste bestehende Bank der Schweiz.

1991: 1990 zählte das Bankhaus rund 30 Mitarbeiter. 1991 treten Konrad Hummler und Otto Bruderer als geschäftsführende Teilhaber ein. Das Traditionshaus wird in der Folge umgebaut. 2011 zählt die Privatbank 700 Mitarbeiter und verwaltete Kundenvermögen von über 24 Milliarden Franken.

16. November 2010: Der Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA eskaliert. Nachdem der Bundesrat die UBS aus der Schusslinie gebracht hatte, nehmen die USA den ganzen Schweizer Finanzplatz ins Visier.

27. Januar 2012: Die Besitzer der Bank Wegelin verkaufen unter dem Druck der USA ihr Nicht-US-Geschäft für 577 Millionen Franken an die Raiffeisen-Gruppe. Notenstein ist geboren.

13. Februar 2015: Notenstein übernimmt die Privatbank La Roche und nennt sich in Notenstein La Roche um.

21. August 2017: Vontobel kauft das osteuropäische Vermögensverwaltungsportfolio von Notenstein La Roche. Es handelt sich um 2 Milliarden Franken verwaltete Vermögen.

12. Oktober 2017: Notenstein La Roche kommt nicht vom Fleck. Die Profitabilität ist ungenügend, die Kundengelder erodieren. Es kommt zu Umstrukturierungen. CEO Adrian Künzi muss den Hut nehmen. Sein Nachfolger wird Patrick Fürer. Raiffeisen-Chef Patrik Gisel schliesst einen Verkauf der Privatbank von Notenstein La Roche «absolut» aus.

24. Mai 2018: Vontobel kauft die Notenstein La Roche für 700 Millionen Franken. Der Name Notenstein La Roche verschwindet.

rom

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