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Wie Gao dem Luzerner Hotel «Palace» Strahlkraft verleihen will

«Palace»-Besitzer Yunfeng Gao will sein Hotel von einer international tätigen Firma betreiben lassen. Alles deutet darauf hin, dass die renommierte Mandarin-Oriental-Gruppe das Tagesgeschäft im «Palace» übernehmen wird.
Rainer Rickenbach
Blick auf das Luzerner Luxushotel «Palace», das derzeit saniert wird. (Bild: Dominik Wunderli, 3. Juli 2019)

Blick auf das Luzerner Luxushotel «Palace», das derzeit saniert wird. (Bild: Dominik Wunderli, 3. Juli 2019)

Der chinesische Investor Yunfeng Gao hat das Luzerner Luxushotel Palace im Dezember 2015 erworben. Seit vergangenem Herbst sind die Umbauarbeiten im denkmalgeschützten Bel-Epoque-Gebäude im Gang. Rund 100 Millionen Franken investiert Gao in die Totalsanierung, ein schöner Teil davon entfällt auf die Erneuerung der Haustechnik.

Yunfeng Gao. (Bild: cog)

Yunfeng Gao. (Bild: cog)

Seit dem Kauf stand Gao in Kontakt mit verschiedenen Hotelbetreiberketten, die gerne das traditionsreiche Haus an bester Lage am Vierwaldstättersee in seinem Auftrag führen möchten. Mit einer von ihnen scheinen die Verhandlungen nun kurz vor dem Abschluss zu stehen. Beat Christen, Sprecher der First Swiss Hotel Collection AG, bestätigt, dass eine bekannte Betreibergruppe das Palace nach der Wiedereröffnung führen wird. «Die Gespräche sind im Gang. Es liegt aber erst eine gegenseitige Absichtserklärung und noch kein unterschriebener Vertrag vor. Wir können darum den Namen des künftigen Partners noch nicht nennen», so Christen. Er erwartet, dass der Entscheid schon bald fällt. Die First Swiss Hotel Collection gehört Gao und ist die heutige Betreiberin des Palace.

Eine Hotelmarke für Premiumgäste

Beim neuen Betreiber handelt es sich mit grösster Wahrscheinlichkeit um die Luxushotel-Betreibergruppe Mandarin Oriental. Das ergaben Recherchen unserer Zeitung. Die Gruppe hat ihre Wurzeln in Hongkong, betreibt weltweit 44 Hotels und spielt in der Champions League der Luxushotellerie mit. In der Schweiz betreibt sie ein Hotel in Genf (siehe Kasten unten). Gao würde Besitzer der Palace-Immobilie bleiben, Strategie und Tagesgeschäft wären Sache der Betreiber. Da die Marke Oriental Mandarin über eine weltweite Ausstrahlung und die Firma über ein starkes Netzwerk verfügt, ist sie in der Lage, Gäste anzulocken, die sich Übernachtungen im hart umkämpften Luxusmarkt leisten können. Dafür lässt sich die Betreibergesellschaft von den Immobilienbesitzern in der Regel fürstlich entlöhnen. Ihre Konditionen unterscheiden sich indes von Hotel zu Hotel.

Ob nun mit oder ohne Mandarin Oriental: In Luzern verspricht man sich viel davon, mit dem Palace Teil eines weltumspannenden Hotelnetzes zu sein. «Der Marken-Auftritt ist in der Luxushotellerie sehr wichtig. Die Partnerschaft mit einer internationalen Hotelmanagementfirma bringt den Vorteil mit sich, den Aufbau der Marke Palace Luzern schneller voranzubringen», sagt Christen.

Hoteldirektor Peter Durrer muss das Palace verlassen

Peter Durrer. (Bild: Pius Amrein)

Peter Durrer. (Bild: Pius Amrein)

Dass die Vertragsverhandlungen zwischen Hotelbesitzer Gao und den Hotelbetreibern schon weit gediehen sind, macht die erste personelle Konsequenz deutlich. Der Arbeitsvertrag mit Peter Durrer, der seit März 2018 Palace-Direktor ist, wurde auf Ende September dieses Jahres gekündigt. Christen: «Es ist üblich, dass Schlüsselpositionen des Hotelmanagements durch die Betreiber selbst bestimmt werden. Das gilt insbesondere für den General Manager, der gewöhnlich aus den Reihen der Betreibergesellschaft kommt.» Durrer war vor seinem Engagement im Palace erfolgreich als professioneller Gastgeber im Hotel Villa Honegg in Ennetbürgen tätig. Er habe eineinhalb Jahre lang den Umbau des Palace Luzern begleitet und dabei wichtige Weichen gestellt, lobt ihn Christen.

Umbauarbeiten dauern länger als geplant

Die umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten im Palace werden derweil mehr Zeit in Anspruch nehmen als geplant. Ursprünglich war die Wiedereröffnung auf Ende dieses Jahres geplant. Nun gilt der Oktober 2020 als neuer Termin. «Das Palace ist ein denkmalgeschütztes Gebäude, das 1906 fertig erstellt wurde. Da treffen die Planer sowie Bauarbeiter immer wieder auf Überraschungen und unvorhergesehene Herausforderungen. Die Verhandlungen mit der Betreibergesellschaft haben aber bei der Verzögerung keine Rolle gespielt», erklärt Christen. Zurzeit arbeiten täglich 50 bis 60 Baufachleute auf der Baustelle. Der grösste Teil der Rückbauarbeiten ist abgeschlossen, im Mittelpunkt stehen nun die Rohbauinstallationen. Nach der Eröffnung stehen im Hotel 148 Zimmer zur Verfügung, eines davon ist eine Suite. Im alten Palace waren es 129 Gästezimmer und Suiten. Der Empfang erhält einen neuen Standort und es entsteht ein Restaurant, wo vor allem Schweizer Spezialitäten auf den Teller kommen.

Gründliche Umbau- und Sanierungsarbeiten sind auch im Hotel Titlis Palace Engelberg im Gange, das wie die Fruttlodge auf der Melchsee-Frutt im Besitz von Gao ist. Ziel ist es, das Hotel in Engelberg Ende 2020 wieder in Betrieb zu nehmen. Die beiden Hotels werden gemäss Christen weiterhin von Gaos Gesellschaften betrieben.

Die Mandarin-Oriental-Gruppe

Mandarin Oriental International ist eine der renommiertesten Luxushotelmarken der Welt. Gegründet vor 56 Jahren in Hongkong, betreibt oder entwickelt die Gruppe weltweit 44 Fünfsternhäuser in 25 Ländern mit insgesamt mehr als 11 000 Hotelzimmern. 20 der Hotels befinden sich in Asien, 10 in Amerika und 14 in Europa sowie dem Nahen Osten und in Nordafrika. In der Schweiz gibt es erst ein «Mandarin Oriental»; es steht in Genf. Hinzu kommen weltweit ein Dutzend «Re-sidences at Mandarin Oriental», die sich auf den Hotelgrundstücken befinden. Ihren Sitz hat die Hotelbetreiberge-sellschaft auf den Bahamas. Die Aktien sind an den Börsen von London, Singapur und auf den Bermudas notiert. Für Luzern wäre die neue Marke im Spitzensegment eine Bereicherung, ist der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren überzeugt. «Die Betreibergruppe besitzt einen ausgezeichneten Ruf und würde neue Gäste in die Region bringen, die in unsere Premium-Strategie passen.»

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