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«Wie eine Bleikugel am Bein»

Während chinesische Unternehmen in Deutschland praktisch ungehemmt agieren können, leiden deutsche Firmen auf dem chinesischen Markt noch immer unter Hürden.
Finn Meyer-Kuckuk/Peking
Blick in die Montage von Volkswagen in Shanghai. (Bild: Quilai Shen/EPA)

Blick in die Montage von Volkswagen in Shanghai. (Bild: Quilai Shen/EPA)

«Einigen Branchen ist der Markt vollständig verschlossen.» Das sagt Jörg Wuttke, Präsident der EU-Handelskammer in Peking. Er sehe eine «ungleiche Investitionslandschaft» und fordert eine konsequente Öffnung – auch zum Wohle Chinas: Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. «Die Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen ist überfällig», urteilt Wuttke.

Am meisten fällt das Problem in der Autoindustrie auf. Westliche Hersteller sind auch heute noch gezwungen, im Verbund mit chinesischen Partnerfirmen zu produzieren und dabei ihre technischen Geheimnisse offenzulegen. Volkswagen beispielsweise betreibt seine Fabriken gemeinsam mit den chinesischen Autobauern Saic aus Shanghai oder FAW aus Changchun – beides Staatsbetriebe.

Das System stammt aus den 1980er-Jahren. Damals galt die Pflicht zur Gründung von Gemeinschaftsunternehmen als vorübergehende Politik eines Entwicklungslandes, um sich nicht von internationalen Konzernen dominieren zu lassen. Keiner hätte damals geahnt, dass die Beschränkungen auch dann noch Bestand haben, wenn China die zweitgrösste Volkswirtschaft und eine Weltmacht ist. «Es fühlt sich an, als müssten wir mit einer Bleikugel am Bein Geschäfte machen», sagt ein Manager aus der Fahrzeugbranche.

Die Autoindustrie verdient in China immerhin gutes Geld. Andere Sektoren haben dagegen dort nie wirklich einen Fuss in die Tür bekommen – obwohl Europa starke Technik hat. Der Marktanteil ausländischer Windkraftanbieter schleppt sich im einstelligen Bereich herum. In diesem Fall ist es die Vergabepraxis der Ausschreibungskomitees in den Provinzen, die immer wieder die örtlichen Platzhirsche bevorzugt.

China will Geschäftsgeheimnisse

Die Versicherungsbranche wiederum leidet darunter, dass sie für jede Provinz einzeln ein Genehmigungsverfahren durchlaufen muss. Diese Verfahren ziehen sich jahrelang hin, und es lässt sich nur eine begrenzte Zahl von Anträgen gleichzeitig stellen. Vergangenes Jahr sind auch noch besonders strenge Eigenkapitalanforderungen hinzugekommen. Auch ausländische Versicherer wie die Allianz kommen nur auf einstellige Marktanteile.

Firmen aus dem IT-Sektor sind gezwungen, die Quellcodes ihrer Verschlüsselungssoftware offenzulegen – ein Schritt, der sich verbietet, weil die meisten Kunden ihre Daten gerade gegen chinesische Zugriffe schützen wollen. Konzerne wie Apple und Microsoft suchen daher Kompromisse, beispielsweise die Offenlegung chinesischer Kundendaten auf Netzrechnern, die von den weltweiten Netzen der betreffenden Firmen getrennt sind.

Die chinesischen Investitionen in Europa explodieren derweil: Im 1. Halbjahr 2016 erreichten Chinas Auslandinvestitionen in Deutschland fast 10 Mrd. $, wie das Handelsministerium in Peking berichtet. Der addierte Gesamtwert für die Jahre 2005 bis 2015 erreichte 5 Mrd. €. Die Chinesen haben zweimal mehr in Deutschland investiert als in der Dekade davor.

Das weckt Alarmstimmung, zumal die Investoren aus Fernost auch in Perlen der Industrie wie den Roboterbauer Kuka einsteigen. Andererseits sind in China bereits 8200 deutsche Firmen tätig, während umgekehrt bisher nur 2000 chinesische Unternehmen nach Deutschland gekommen sind. Das ist die chinesische Sichtweise: Das Pendel der Globalisierung schwingt nach Jahrhunderten westlicher Dominanz zurück.

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