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Wie ein vietnamesischer Flüchtling mit seiner scharfen Sauce die Welt erobert

Der Markt für scharfe Saucen boomt. Auch in der Schweiz steigen die Umsätze. Grossen Anteil daran hat der US-Hersteller Huy Fong Foods mit seiner Sriracha-Sauce. Der Firma mit spezieller Geschichte steht nun ein schwieriger Rechtsstreit bevor.
Livio Brandenberg
Blick in die Produktion von Huy Fong Foods im kalifornischen Irwindale. (Bild: David McNew, 14. Mai 2014)

Blick in die Produktion von Huy Fong Foods im kalifornischen Irwindale. (Bild: David McNew, 14. Mai 2014)

Der Hahn steht für Schärfe. Als David Tran vor bald 40 Jahren das Logo seiner neugegründeten Firma Huy Fong Foods von Hand auf einen dunkelblauen Chevrolet-Van malte, dürfte er nicht einmal im Ansatz von einer derartigen Erfolgsstory geträumt haben. Oder vielleicht schon, denn es ist die klassische Geschichte des «amerikanischen Traums», den Tran noch immer lebt: 1979 flüchtete er aus dem kommunistischen Vietnam auf einem Frachter namens «Huey Fong» – die Inspiration für den späteren Firmennamen – in die USA, nach Los Angeles. Der «Güggel» soll übrigens das Geburtsjahr Trans (1945) im vietnamesischen Kalender symbolisieren. Schon in seiner Heimat hatte Tran begonnen, scharfe Saucen herzustellen und mit verschiedenen Zutaten zu experimentieren. Heute ist er Eigentümer einer weltweiten Kultmarke mit Millionenumsätzen.

Dank des Logos, der simplen durchsichtigen Flasche mit dem grünen Verschluss und vor allem wegen ihrer Schärfe ist die Sriracha Hot Chili Sauce zum Liebhaber-Zusatzprodukt in vielen Haushalten und Take-away-Küchen rund um die Welt geworden. Das Geheimnis ist laut Erfinder Tran, dass ausschliesslich frische und nicht getrocknete Chilis verwendet werden. Darum könne man auch nicht garantieren, dass jede Flasche «Sriracha» genau gleich scharf sei, heisst es auf der Firmenwebsite, wo auch T-Shirts, Boxershorts oder Hundespielzeug mit dem Güggel-Logo bestellt werden können. Das Hauptprodukt bleibt aber die Sauce, neben Chilis bestehend aus Zucker, Salz, Knoblauch und destilliertem Essig.

Noch vor zehn Jahren waren scharfe Saucen ein absolutes Nischenprodukt. Gemäss der «Washington Post» entwickelte sich das Business mit den Chilis, Pfeffern und weiteren Zutaten in den letzten Jahren aber zu einer der zehn am schnellsten wachsenden Industrien in den USA, die globalen jährlichen Umsätze haben laut der «Post» schon 2013 die Milliardengrenze geknackt.

«Sriracha»-Erfinder David Tran mit der Chefin seines Unternehmens, Donna Lam. (Bild: Katie Falkenberg/Getty, Irwindale, 26. Februar 2014)

«Sriracha»-Erfinder David Tran mit der Chefin seines Unternehmens, Donna Lam. (Bild: Katie Falkenberg/Getty, Irwindale, 26. Februar 2014)

«Schweiz ist ein interessanter Markt»

Auch in der Schweiz sei die Tendenz spürbar, dass scharfe Saucen immer beliebter werden, sagt eine Coop-Sprecherin auf Anfrage: «Der Trend hin zu internationalem und schärferem Essen sorgt bei Produkten wie der Sriracha Hot Sauce für einen wachsenden Markt», welchem der Grossdetaillist mit seinem Sortiment Rechnung trage, sprich: Auch bei Coop führt man die Sriracha-Sauce. Umsatzzahlen einzelner Produkte gibt der Detailhändler nicht bekannt, doch: Die Sauce aus Kalifornien erfreue sich «grosser Beliebtheit», so die Sprecherin. «Die Verkäufe haben in den letzten drei Jahren kontinuierlich zugenommen.»

Erst seit einem Jahr verkauft die Konkurrentin Migros die Sriracha-Sauce. Auch hier gibt es keine konkreten Zahlen, ein Sprecher sagt aber, man sei mit den Umsätzen «soweit zufrieden» und sehe «einen gewissen Trend zu scharfen Saucen». Allerdings, schränkt der Migros-Vertreter ein, sei dieser Trend nicht sehr ausgeprägt. «Nach wie vor sprechen wir mit scharfen Saucen eine sehr beschränkte Zielgruppe an. Im Vergleich zu den Kunden, die medium-scharf oder mild bevorzugen, sind dies weniger als 10 Prozent. Die Anzahl dieser Personen ist in den letzten Jahren nicht merklich gewachsen.»

Dennoch sagt Donna Lam, CEO von Huy Fong Foods und langjährige Geschäftspartnerin von David Tran, auf Anfrage, der Schweizer Markt sei einer der interessantesten in Europa: «Die Schweiz ist sehr wohlhabend und die Schweizerinnen und Schweizer geben gerne Geld für alle möglichen Variationen von Essen aus. Wir verkaufen vier bis fünf Container pro Jahr in die Schweiz – was viel ist.» Mit dem Export in die Schweiz habe Huy Fong 2012 über eine deutsche Firma begonnen. Mittlerweile habe man mit der Zürcher Stutzer AG einen eigenen Distributor hierzulande, erklärt Chefin Lam.

Noch nie Werbung gemacht

Kennzahlen veröffentlicht Huy Fong keine, Lam sagt einzig, letztes Jahr habe ihr Unternehmen weltweit rund 20 Millionen Flaschen verschiedener Grösse verkauft. Dies lässt – aufgrund tieferer Stückpreise im Ausland – auf einen Jahresumsatz von 80 bis 90 Millionen Franken schliessen, nur mit der Sriracha-Sauce. Das Unternehmen hat zusätzlich eine Knoblauch-Chili-Paste und eine reine Chili-Paste im Sortiment. Gemäss US-Medien bewegt sich das Wachstum seit Jahren im zweistelligen Prozentbereich – was umso erstaunlicher ist, als Huy Fong Foods in seiner Geschichte keinen einzigen Verkaufs- oder Marketingangestellten beschäftigt und auch nie Werbung gemacht hat, wie CEO Lam bestätigt. Einzig auf den grossen Social-Media-Plattformen Facebook, Twitter und Instagram sind die Kalifornier ­inzwischen präsent.

Diese schlanke Aufstellung entspricht ganz der Philosophie des Firmengründers, der das Präsidium von Huy Fong Foods mittlerweile an seinen Sohn William Tran abgetreten hat. Dessen Schwester Yassie Tran-Holliday amtiert als Vizepräsidentin.

Millionenklagen auf beiden Seiten

Und der neuen Generation der Trans steht nun ein Gerichtsprozess ins Haus. Seit rund 30 Jahren bezog Huy Fong die Hauptzutat, die frischen Chilis, von einem einzigen Lieferanten. Mit diesem haben sich die Trans nun aber überworfen. Am Montag soll der Prozess zwischen dem Lieferanten Underwood Ranches und Huy Fong Foods beginnen.

Im Zentrum der pikanten Angelegenheit steht die Abmachung zwischen den beiden langjährigen Geschäftspartnern, wonach Huy Fong seinem Chili-Lieferanten die Saat und die Ernte des kommenden Jahres basierend auf Kostenschätzungen vorausfinanzierte. Gemäss Gerichtsdokumenten gab Huy Fong Foods an, zwischen 2008 und 2016 190 Millionen Dollar an Underwood Ranches gezahlt zu haben. Nach der Ernte 2016 rechnete Huy Fong aus, 1,45 Millionen zu viel gezahlt zu haben, und klagte. Dies führte Underwood dazu, als Lieferant auszusteigen und seinerseits eine Klage über 20 Millionen einzureichen, wegen der Verluste, die man dadurch erlitten habe. Seit gut zwei Jahren bezieht Huy Fong seine Chilis darum auf dem offenen Markt. Die Konsumenten scheinen dies nicht bemerkt zu haben.

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