Wie «ansteckend» ist Chinas Börsen-Grippe?

Chinas jüngster Börsencrash und die Yuan-Abwertung lösten Unruhe an den Finanzmärkten aus. «Hat China Schnupfen, dann erkältet sich der Rest der Welt», wird dabei oft unterstellt.

Mikio Kumada Global Strategist LGT Capital Partners
Merken
Drucken
Teilen

Chinas jüngster Börsencrash und die Yuan-Abwertung lösten Unruhe an den Finanzmärkten aus. «Hat China Schnupfen, dann erkältet sich der Rest der Welt», wird dabei oft unterstellt. Doch die Geschichte zeigt: Solange es den USA als zentraler Ökonomie des globalen Marktsystems halbwegs gut geht, bleiben Weltkonjunktur und internationale Haussen auch dann intakt, wenn selbst die grössten Volkswirtschaften ins «Stottern» kommen.

Paradebeispiel dafür ist Japan in den 1990ern. Am eindrucksvollsten kann dies nachvollzogen werden, wenn wir das Bruttoinlandprodukt eines Landes in Relation zum US-BIP in Dollar betrachten. Die Methode ermöglicht die Visualisierung von Wohlstandsverschiebungen aus internationaler Sicht (man könnte auch Gold oder eine andere Währung heranziehen). Aus dieser Perspektive erreichte Japan (untere Kurve in der Grafik) im Jahr 1995 seinen Höhepunkt bei rund 70% des US-BIP. Japan war damals also um einiges grösser als China heute (60%) und auch enger und länger mit dem Westen vernetzt. Seitdem geht es aber mit Japan nur mehr «bergab»: Das BIP des sich von der subtropischen Klimaregion bis zur sibirischen Kältezone erstreckenden Inselarchipels im Westpazifik ist inzwischen auf 25% des amerikanischen geschrumpft – ein dramatischer Einbruch. Abgesehen von temporären Schwankungen wurden die Börsen Amerikas und Europas dadurch aber nicht negativ beeinflusst.

Last but not least: Wer glaubt, dass Japans Abstieg ab 1995 nur deswegen keine Rolle spiele, weil Chinas Aufstieg genau in jener Zeit begann, der kann alternativ die Entwicklung des gemeinsamen BIPs der Euroländer von 1980 bis 1985 beiziehen. China war damals noch kein Faktor. Die Gesamtwirtschaftsleistung des «Reichs der Mitte» entsprach damals von der Grössenordnung her in etwa jener des heutigen Griechenland. Das zurückgerechnete Euroraum-BIP brach in jenen fünf Jahren immerhin von 103% auf nur noch 55% des US-BIP ein – und die internationalen Börsen erlebten die zweitstärkste Aktienhausse des vergangenen Jahrhunderts. Wichtig scheint also zu sein, dass die USA schnupfenfrei bleiben.