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Wettstreit ums Wohnzimmer

Amazon und Google wollen mit virtuellen Assistenten ins elektronisch vernetzte Smart Home eindringen. Doch die Risiken für die Privatsphäre sind erheblich.
Adrian Lobe

Das Ding sieht aus wie ein hübsch illuminierter Luftbefeuchter oder ein simpler Eierkocher. Doch es ist viel mehr. Googles neues Gadget «Home» ist ein smarter Lautsprecher, der per Sprachbefehl Musik abspielt, Pizza bestellt oder die Heizung reguliert. Home, das im Mai auf der Entwicklerkonferenz I/O vorgestellt wurde und im November im Handel erhältlich ist, soll die digitale Schaltzentrale im Smart Home werden.

Die Gruppe hat bereits 2014 den Thermostathersteller Nest Labs für 3,2 Mrd. $ übernommen. Und mit dem lauschenden Lautsprecher will Google einen weiteren Schritt ins Zuhause seiner Nutzer machen und Amazons Konkurrenzprodukt Echo angreifen, das seit 2014 auf dem Markt ist und bereits in 1,5 Millionen US-Haushalten steht.

Das Wohnzimmer ist die nächste Frontlinie im Kampf der Tech-Giganten. Die Marktforscher von Gartner schätzen, dass die Konsumenten bis 2020 2,1 Mrd. $ für smarte Lautsprecher ausgeben werden. Es ist ein gigantischer Wachstumsmarkt. Im Wettstreit um die Markführerschaft bei virtuellen Assistenten attestieren Analysten Google gegenüber Amazon entscheidende Vorteile. Und das liegt vor allem an Googles Künstlicher Intelligenz (KI). Während Amazons Sprachassistentin Alexa nur vorprogrammierte Anfragen erkennt, reagiert Google Assistant, eine Weiterentwicklung von Google Now, kontextbasiert. Als bei der Produktvorstellung von Google Home der Moderator den intelligenten Lautsprecher nach dem richtigen Namen von Adele fragte und danach die Frage stellte, wie viele Grammys «sie» denn gewonnen habe, wusste die Software durch Verknüpfung der Informationen, wer mit «sie» gemeint ist und spuckte die korrekte Antwort aus.

Auf alles eine Antwort – mit sehr intimen Daten

Home hat auf alles eine Antwort, ausser auf Amazon Prime oder Apple Music, deren Indienstnahme es verweigert. Im Google-Kosmos existieren die Konkurrenten gar nicht. Um seinem Assistant, der im Vergleich zu Alexa noch etwas metallisch und mechanisch klingt, mehr Leben einzuhauchen, heuert Google professionelle Autoren an, die zuvor für die Pixar-Studios oder das Satireblatt «The Onion» schrieben. Google Home ist im Grunde eine materialisierte Suchmaschine, die per Spracheingabe Antworten generiert. Und je mehr der Lautsprecher dazulernt, desto genauere Ergebnisse kann er produzieren. In den geheimen Google-X-Laboren tüfteln die Ingenieure an maschinell lernenden Algorithmen, die Inputs – seien es Spracheingaben oder Suchbegriffe – noch besser auswerten und mit anderen Informationen vernetzen.

Google strebt die perfekte Synchronisation aller Dienste an: von autonomen Fahrzeugen, die der Konzern bereits auf öffentlichen Strassen getestet hat, über sein neues Pixel-Phone bis hin zum Thermostat. Dazu greift das Gerät auch auf die Kalenderfunktion zu. Google könnte aus unseren Gewohnheiten lernen, dass wir unsere Raumtemperatur im Herbst auf 22 °C temperieren und die Heizung schon mal anwerfen, wenn wir ins autonome Fahrzeug einsteigen. Oder im selbstfahrenden Auto die neue Platte von Bruce Springsteen auflegen, weil der Lautsprecher gelernt hat, dass wir uns am Küchentisch häufig über die Musik von «The Boss» unterhalten oder unter der Dusche seine Lieder trällern. Dazu muss das Gerät aber extrem viele Daten sammeln. Und das ist genau das Problem: Der Lautsprecher hört laufend mit.

Jedes Wort landet auf einer Serverfarm Googles, wo es von Algorithmen ausgewertet wird. Mittels Stimmanalyse lassen sich detaillierte Psychogramme erstellen, ob wir an bestimmten Tagen besonders nervös oder entspannt sind. Big Brother kommt im Gewand des netten Helfers daher. Datenschützer sind alarmiert. «Always-on-Geräte sind durchdringende Überwachungsgeräte», kritisiert der IT-Sicherheitsexperte Bruce Schneier im Gespräch mit dieser Zeitung.

«Sie sammeln sehr intime Daten darüber, wohin Sie gehen, mit wem wir Zeit verbringen, worüber wir sprechen und nachdenken. Sie sind Teil einer Überwachungskultur, genährt von Geschäftsmodellen, die unsere Daten verkaufen und Regierungen, die uns überwachen wollen.» Die Datenschutzorganisation Electronic Privacy Information Center (Epic) fragte im Juli 2015 in einem offenen Brief an das US-Justizministerium, ob die Gesprächsdaten verschlüsselt und an Dritte (etwa Geheimdienste) weitergeleitet werden.

Samsung warnte Nutzer sogar davor, vor ihren Smart-TVs besser nichts Privates zu sagen, weil bei aktivierter Spracherkennung nicht nur Seh- und Nutzungsgewohnheiten sowie Hardware- und Browserdaten, sondern auch Sprachdaten übermittelt werden könnten. Der Preis dieses Komforts ist, dass der Bürger immer gläserner wird.

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