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WERKZEUG: Der Schachzug der Familie Hilti

Mit ihren roten Bohrern und dem weissen Schriftzug baute sich die Familie Hilti ein Imperium auf. Von den Nachfahren des Gründers sitzt niemand mehr im Unternehmen. Aber dank einem ungewohnten Konstrukt haben sie weiterhin das Sagen.
Gerhard Bläske
Die Hilti-Bohrmaschinen haben Kultstatus nicht nur bei Handwerkern. Ihren Anfang nahm die Erfolgsgeschichte in einer Garage in Schaan im Fürstentum Liechtenstein. (Bild: Nicholas Ratzenboeck/AFP (Schaan, 14. April 2009))

Die Hilti-Bohrmaschinen haben Kultstatus nicht nur bei Handwerkern. Ihren Anfang nahm die Erfolgsgeschichte in einer Garage in Schaan im Fürstentum Liechtenstein. (Bild: Nicholas Ratzenboeck/AFP (Schaan, 14. April 2009))

Gerhard Bläske

Nicht nur bei Bauprofis geniessen die Bohrhämmer der Marke Hilti einen legendären Ruf. Die charakteristischen roten Kunststoff-Koffer haben fast Kultcharakter. Dass das Unternehmen aus Liechtenstein kommt, wissen viele nicht. Hilti wurde 1941 in einer Garage in Schaan gegründet. In der bevölkerungsreichsten Gemeinde im Fürstentum befindet sich noch immer der Firmensitz.

Im Eingangsbereich des Hauptgebäudes dominieren Beton und Glas. Überall hängen Bohrmaschinen und anderes Gerät. Besucher können sich die verschiedenen Geräte vorführen lassen. Die Nähe zu Kunden und Nutzern ist dem Familienunternehmen, das seine Produkte im Direktvertrieb verkauft, genauso wichtig wie in der Anfangszeit. Dabei ist Hilti längst ein Weltkonzern. Im Jahre 2016 sprangen bei einem Umsatz von 4,5 Milliarden Franken ein Betriebsgewinn von 604 Millionen Euro und ein Reingewinn von 481 Millionen Franken heraus. Für das vergangene Jahr wird ein weiterer leichter Umsatzanstieg angepeilt.

Sohn des Gründers hat früh die Weichen gestellt

Das Unternehmen beschäftigt weltweit 25 000 Mitarbeiter. 1700 arbeiten in Schaan. 2015 wurde hier für 120 Millionen Franken ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum erstellt. Und hinter einer grossen Plane entsteht für mehr als 100 Millionen Franken ein weiteres neues Gebäude. In Schaan werden Dübel, Nägel und Sägeblätter gefertigt. Seit vielen Jahren wird auch in den USA, in Mexiko, in Indien, in China sowie in Deutschland produziert. Die legendären Bohrhämmer aber kommen aus dem österreichischen Vorarlberg. Die Erlöse werden inzwischen nur noch zu etwa 50 Prozent in Europa erwirtschaftet.

Seit vielen Jahren steht kein Familienmitglied mehr an der Spitze. Michael Hilti (71), Sohn des Firmengründers Martin, leitete das Unternehmen von 1990 bis 1993. Schon mit Ende 40 zog er sich zurück und war dann bis 2007 Chef des Verwaltungsrates, dem er noch immer angehört. Mit dem 1980 gegründeten Martin-Hilti-Familien-Trust, der alle Aktien kontrolliert, hat er dafür gesorgt, dass «der in fünf bis zehn Jahren bevorstehende Generationenwechsel nahtlos und in Ruhe verläuft», wie er sagt.

Geleitet wird die Stiftung, welche soziale und gesellschaftliche Projekte finanziert, von seiner 30-jährigen Tochter Michèle. Ob sie je die Führung des Konzerns übernimmt, ist fraglich. Dies ist letzten Endes auch nicht zwingend. Mit der Trust-Lösung, die in dieser Form in Deutschland und der Schweiz ungewöhnlich ist, wurde der Weiterbestand von der Firma Hilti gesichert. Die Familie, die aus wenigen Mitgliedern bestehe, sei nicht Eigentümerin, sondern Begünstigte, präzisiert Hilti. Jedes Jahr gebe es Ausschüttungen, von denen «man leben kann». Der weitaus grösste Teil werde aber thesauriert, sprich: verbleibt im Unternehmen. «Wenn es dem Trust gut geht, geht es auch dir gut», laute die Maxime.

Nur interne Leute für Führungsposten

Michael Hilti zieht sich zunehmend zurück. Ende 2016 gab er den Posten des Sprechers des Familientrusts an den langjährigen Verwaltungsratspräsidenten Pius Baschera ab. Damit macht Hilti deutlich, dass Kapitalbesitz in seinen Augen nicht mit einem Führungsanspruch verbunden sein muss. Hilti selbst bleibt einstweilen im Familientrust – ebenso wie Giorgio Behr, der den Verwaltungsrat des Friedrichshafener Autozulieferers ZF leitet. Er legt Wert darauf, dass der Präsident des Verwaltungsrates, seit 2016 ist das Heinrich Fischer, lange für die Firma gearbeitet haben muss. Ebenso wichtig ist ihm, dass Führungspositionen ausschliesslich intern besetzt werden. Kandidaten für höhere Aufgaben müssen sich bewährt haben. CEO Christoph Loos, ein Deutscher, hat fast sein ganzes Berufsleben im Unternehmen verbracht.

Michael Hilti ist in Liechtenstein fast so bedeutend wie der regierende Fürst und mischt sich auch in politische Fragen ein. Schon sehr früh nach dem Bekanntwerden diverser Steuer- und Schwarzgeldskandale setzte er sich für eine konsequente Weissgeldstrategie ein.

Sein Engagement geschieht nicht ganz uneigennützig, denn ein schlechter Ruf des Landes schadet auch der Firma Hilti. Dafür zeigt sich das Unternehmen sehr loyal. Selbst in schwierigsten Zeiten wie in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009, die den Umsatz um 20 Prozent einbrechen liess, oder nach der Aufgabe des Mindestfrankenkurses 2011 war es für Michael Hilti «nie ein Thema, aus Liechtenstein wegzugehen». Auch auf Entlassungen wurde damals verzichtet. «Wir haben aber unsere Zulieferstrukturen überarbeitet und 200 Mitarbeiter sozialverträglich abgebaut», sagt er. 70 festangestellte Coaches sorgen für die Vermittlung von Werten wie Toleranz, Respekt und der Bedeutung von Teamarbeit. Qualität und Innovationen stehen für Hilti ganz oben. Mehr als 5 Prozent des Umsatzes fliessen in Forschung und Entwicklung.

Direktvertrieb ist teurer, aber lukrativer

Klar ist auch Hiltis Bekenntnis zum Direktvertrieb, der «aus der Not heraus entstand, weil unsere Produkte sehr erklärungsbedürftig sind». Diese Vertriebsform sei zwar teuer, führe aber letztlich auch zu ständigen Innovationen, weil der Kontakt zu den Kunden so eng sei. Der Online-Auftritt und weltweit 730 Hilti-Stores ergänzen diese Strategie. Verstärkt angeboten werden sollen in Zukunft auch die Service-Verträge: Hilti verkauft dabei nicht Produkte, sondern vermietet ganze Serviceleistungspakete.

Eine Rückkehr an die Börse, von der sich Hilti 2003 verabschiedet hat, schliesst Michael Hilti zwar nicht für alle Zeiten aus. Sie sei aber derzeit nicht notwendig: «Wir haben eine hohe Liquidität von 1,1 Milliarden Euro, eine Eigenkapitalquote von 53 Prozent und sind praktisch schuldenfrei.» Wenn man während der diversen Krisen börsennotiert gewesen wäre, «wären wir zerhackt worden, weil wir unsere Mitarbeiter gehalten haben.» Hat Hilti nie eine Ausweitung der Modellpalette auf den Heimwerkerbereich geplant? «Wenn wir in den Heimwerkermarkt einstiegen, würden wir Kompromisse machen.» Im Übrigen könnten ja auch Privatleute Hilti-Produkte kaufen.

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