Wer vom Ölpreiszerfall profitiert

Die Preise für Rohöl notieren so tief wie zuletzt seit über vier Jahren. Das verleiht der Weltwirtschaft Schwung – und auch die Konsumenten in der Schweiz profitieren, vor allem an der Zapfsäule und beim Kauf von Heizöl.

Stefan Schmid
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Der Verfall der Rohölpreise macht's möglich: Heizen mit Öl wird billiger. (Bild: Ralph Ribi)

Der Verfall der Rohölpreise macht's möglich: Heizen mit Öl wird billiger. (Bild: Ralph Ribi)

Noch im Juni kostete ein Fass Öl der Nordseesorte Brent 115 $. Seither ist der Preis um 40% gesunken. Hintergrund ist eine globale Überversorgung mit Rohöl, wie Francesca Romano von der Erdöl-Vereinigung sagt. So ist die Ölnachfrage – vor allem wegen des nachlassenden Booms in Schwellenländern wie China – zu gering und das Angebot zu gross. Der jüngste Entscheid des Ölkartells Opec, trotz des Preiszerfalls auf eine Kürzung ihrer Fördermenge zu verzichten, führte dann zu einem regelrechten Ausverkauf im Energiesektor. «Ein solcher Monatskollaps bei der Sorte Brent ist seit 1988 nur vier Mal vorgekommen», kommentiert Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank. Besonders die USA erleben einen Ölrausch, dies dank der ökologisch umstrittenen und aufwendigen Fracking-Technologie, mit der tief in der Erde liegendes Schiefergestein aufgebrochen wird, um Öl und Gas zu gewinnen. Die USA haben dadurch Saudi-Arabien als weltgrössten Ölproduzenten überholt. Die Ölpreise sind aber auf einem Niveau angelangt, auf dem viele Frackingfirmen mittelfristig unrentabel arbeiten und unter Druck geraten. Das kommt Saudi-Arabien gelegen.

Günstiger heizen

Tiefe Ölpreise stützen in der Regel die globale Konjunktur. Der Internationale Währungsfonds rechnet vor, dass ein Rückgang der Ölpreise um 10% das Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozentpunkte erhöht. Verlierer sind aber Erdöl exportierende Länder aus Nahost und besonders Staaten wie Venezuela, Brasilien, Mexiko oder Russland, die stark von den Einnahmen aus dem Ölexport abhängig sind. Gewinner sind Länder mit hohem Erdölimportbedarf, beispielsweise Indien, Südkorea oder die Türkei.

Tiefere Ölpreise drücken die Kosten der Betriebe und entlasten die Haushaltbudgets der Konsumenten. «Bei einem tieferen Ölpreis müssen die Schweizer Haushalte weniger für Energie ausgeben», sagt Jan Egbert Sturm, Leiter der ETH-Konjunkturforschung KOF. «Ihnen bleibt mehr Geld für anderes übrig.» Konsumieren die Haushalte diesen Teil, profitieren Detailhändler und Hersteller von Konsumgütern. Öl als Vorprodukt habe in der Schweizer Industrie dagegen keinen grossen Anteil. «Dafür profitiert die Schweiz als Exporteurin von Investitionsgütern, wenn der tiefe Ölpreis die Wirtschaft ihrer Handelspartner ankurbelt», sagt Sturm.

Zahlen der Migros-Tochter Migrol, von Swissoil und des Online-Portals Heizoel24.ch zeigen, dass die Heizölpreise seit dem Höchststand von Mitte Juni um rund 20% gesunken sind. Der Zeitpunkt sei günstig, um den leeren Tank aufzufüllen, sagt Romano. Die Bestellmengen bei den Händlern haben in den letzten Tagen denn auch deutlich zugenommen. Dass die Heizölpreise nicht noch stärker gesunken sind, liegt laut Migrol-Chef Daniel Hofer daran, dass Ölprodukte in Dollar gehandelt werden. Gegenüber dem Franken hat die US-Währung in den vergangenen Monaten rund 8% an Wert gewonnen.

Günstiger tanken

Gesunken sind auch die Preise für Benzin und Diesel an den Schweizer Tankstellen. Allerdings fällt der Preisrückgang hier weniger stark aus als beim Heizöl. Grund hierfür sind laut Romano besonders die Steuern und Abgaben, die beim Preis für Autotreibstoff rund 50% ausmachen. Trotzdem: Auch an den Zapfsäulen profitieren die Konsumenten. «Seit Mitte Juni haben wir an den Tankstellen den Benzinpreis um 16 Rappen pro Liter gesenkt und den Dieselpreis um 13 Rappen», sagt Hofer. Bei BP Schweiz wurden Diesel und Benzin um jeweils 16 Rp. günstiger, wie Sprecherin Isabelle Thommen sagt.

Flugtickets werden nicht billiger

Vorerst nicht günstiger werden Flugtickets der Swiss – obwohl die Preise für Kerosin, die in der Regel einen Drittel der Betriebskosten von Airlines ausmachen, laut dem Branchenverband Iata zum Vorjahr um 30% gesunken sind.

Viele Fluggesellschaften profitieren allerdings kaum davon: Durch Hedging-Verträge, mit denen sie sich gegen kurzfristige Preisschwankungen absichern, sind sie fest an höhere Preise gebunden. Sinken die Rohölpreise, wirkt sich das also erst mit Verzögerung auf die Preise der Airlines aus. Bei Swiss heisst es zudem, dass die Ticketpreise «losgelöst vom jeweiligen Ölpreis» angepasst würden. «Sie basieren vielmehr auf Markt- und Wettbewerbsbedingungen, allgemeinen Kostenentwicklungen, Angebot und Nachfrage sowie Kundenbedürfnissen», sagt Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek.

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