Wer ist sein Geld wert?

Unlängst ergab eine Umfrage, dass eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer eine gesetzliche Lohnobergrenze befürwortet. Das kann nicht verwundern. Noch immer ist im Volk die Empörung über die Abzocker-Millionengehälter gross.

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Thomas Wepf ist Leiter der Gewerkschaft Unia Ostschweiz. (Bild: Daniel Ammann)

Thomas Wepf ist Leiter der Gewerkschaft Unia Ostschweiz. (Bild: Daniel Ammann)

Unlängst ergab eine Umfrage, dass eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer eine gesetzliche Lohnobergrenze befürwortet. Das kann nicht verwundern. Noch immer ist im Volk die Empörung über die Abzocker-Millionengehälter gross. Zu Recht, denn viel hat sich trotz der Annahme der Minder-Initiative nicht geändert. Im Gegenteil: Von einem Bewusstseinswandel ist in den Chefetagen wenig bis nichts zu spüren. Erst kürzlich hat Daniel Vasella erklärt, seine überrissenen Millionenbezüge bei Novartis seien «in Ordnung» gewesen. Das zeugt von anhaltender Uneinsichtigkeit.

Solche Äusserungen sind ein Schlag ins Gesicht all jener, die mit bescheidenen Löhnen, aber mindestens ebenso grosser Leistung ihre Familien durchbringen müssen wie Grossverdiener. Dank unserer direkten Demokratie haben wir die Möglichkeit, bei Fehlentwicklungen zu intervenieren. Die Initiative 1:12, die im November zur Abstimmung gelangt, ist eine solche Möglichkeit. Der Raubzug des Managements auf immer grössere Anteile des erwirtschafteten Reichtums kann nur noch per Gesetz gestoppt werden.

Klar, dass sich die Wirtschaftsverbände und ihre politischen Handlanger dagegen wehren. Mit unbewiesenen Behauptungen wie, die AHV würde Schaden erleiden. Dazu ist zu sagen, dass die totale Lohnsumme, von der die AHV-Prämie ja berechnet wird, nicht verkleinert, sondern nur gerechter verteilt wird. Zudem wird die AHV bereits jetzt massiv geschädigt – durch Reiche, die null Einkommen versteuern, weil sie Tricks anwenden, die nur ihnen zur Verfügung stehen. Wir haben erlebt, dass die Managerkaste in Selbstbedienungsmentalität immer höhere Bezüge einstreicht. Herr Tanner etwa, der CEO von Sprüngli, glaubt, er sei jeden Franken wert. Sein Salär beträgt 6,9 Millionen Franken, 230mal mehr als der tiefste Lohn in seinem Unternehmen.

Die schweizerische Demokratie ist ein gutes Mittel gegen solche Auswüchse. Während in anderen Ländern die Faust im Sack gemacht wird, können wir an der Urne protestieren.

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