Wenn die Natur Angst macht

Erdrutsche nach heftigen Regenfällen beschäftigen neben Hausbesitzern auch die Versicherungen. Dabei geht es nicht nur um das Abarbeiten von Schadenfällen – Prävention soll auf Dauer helfen, die Naturgefahren zu verringern.

Thorsten Fischer
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Erde in Bewegung: Anfang Mai wurde in der Innerschweiz ein Areal oberhalb des Sarnersees zum Notstandsgebiet erklärt. (Bild: ky/Sigi Tischler)

Erde in Bewegung: Anfang Mai wurde in der Innerschweiz ein Areal oberhalb des Sarnersees zum Notstandsgebiet erklärt. (Bild: ky/Sigi Tischler)

BERN. Dauerregen – das wird für das Wochenende vielerorts in der Schweiz vorhergesagt. Damit steigt auch die Gefahr von Hochwasser und Hangrutschen. Für die Ostschweiz sehen Meteorologen die Lage nicht derart angespannt, schliessen aber einzelne Vorfälle nicht aus. Sehr aufmerksam beobachtet wird die Lage in der Zentralschweiz: In Nid- und Obwalden kamen im Mai bereits Hänge verstärkt ins Rutschen. Hausbesitzer stehen dort vor existenziellen Fragen. Versicherer Helvetia hat gestern nochmals die Frage aufgegriffen, wie Hab und Gut bei solchen Schäden durch Wassermassen, Erdrutsche und Murgänge versichert ist.

Warum ein Hang rutscht

Ob es zu einem Hangrutsch kommt oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab, wie es beim Allbranchenversicherer mit Sitz in St. Gallen und Basel auf Anfrage heisst. Laut Helvetia zählen die Stabilität des Hanges (Wassersättigung des Bodens), die Beschaffenheit des Untergrunds, der Zustand von nahen Bachverbauungen, Wasserleitungen, Strassen und Gebäuden dazu. Für Helvetia lautet das Fazit: Im Prinzip könne es fast überall nach Gewittern zu spontanen Erdbewegungen oder -rutschen kommen.

Ist tatsächlich ein Schaden entstanden, gilt im Grundsatz: Für Schäden am Gebäude kommt die Gebäudeversicherung auf. Bei Schäden an Mobiliar und verwandten Gütern springt die Hausratversicherung ein. In der Mehrheit der Kantone herrscht in der Gebäudeversicherung ein kantonales Monopol und die Versicherung ist obligatorisch. In gewissen Kantonen sind laut Helvetia private Versicherer für die Feuer- und Elementarversicherung zuständig. Das betrifft Obwalden, Genf, Uri, Schwyz, Tessin, teils Appenzell Innerrhoden und das Wallis. Kantonale Gebäudeversicherungen decken hauptsächlich Schäden ab, welche durch Feuer- oder Elementarereignisse entstehen. Einige weisen bei ihren Angeboten auch auf freiwillige Zusatzversicherungen hin. Was weiter noch durch private Anbieter versichert werden soll, liegt dann im Ermessen des einzelnen.

Finden der richtigen Summe

Damit verhält es sich ähnlich wie im Hausrat, wo die versicherte Summe ein individueller Entscheid ist. Doch stellt sich nicht nur die Frage nach einer möglichen Überdeckung, sondern auch nach einer Unterdeckung. Für die Festlegung einer korrekten Versicherungssumme sei der Versicherungsnehmer verantwortlich, sagt Helvetia-Sprecher Andreas Notter. Bei Bedarf stünden aber Berater mit Inventarblättern und Erfahrungswerten zur Seite. Stelle man im Hausrat-Schadenfall eine Unterversicherung fest, werde der Schaden im Verhältnis zur korrekten Versicherungssumme entschädigt. Zur Kürzung komme es, wenn der Schaden grösser als 10% der Versicherungssumme sei. Bis zu dieser Limite (maximal 20 000 Fr.) werde auf Abzüge verzichtet.

Speziell bei Naturgefahren haben die Versicherer die Prävention verstärkt. Die Mobiliar etwa finanziert an der Universität Bern die Klimafolgenforschung im Alpenraum und hat das System MobiGIS (siehe Kasten) eingeführt. Helvetia unterstützt seit zwei Jahren die Aufforstung und Pflege von Schutzwäldern. Projekte gibt es in St. Moritz, Interlaken und seit kurzem in Visp, wo 10 000 neue Bäume finanziert werden.

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