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Wenn der Pöstler vergebens läutet

Für 7,2 Milliarden Franken haben Schweizerinnen und Schweizer vergangenes Jahr Waren im Internet bestellt, Tendenz steigend. Doch was passiert, wenn ein solches Päckli aus dem Milchkasten oder vor der Haustür gestohlen wird?
Stefan A. Schmid
«Pakete kommen immer gut an», wirbt die Post. Manchmal geht aber eines verloren – oder wird gestohlen. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

«Pakete kommen immer gut an», wirbt die Post. Manchmal geht aber eines verloren – oder wird gestohlen. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Frau Manser bestellt bei einem Onlineshop drei Paar Schuhe. Diese werden kurz darauf ausgeliefert – und in Mansers Abwesenheit vom Pöstler zugestellt. Doch das Paket hat sie nicht erhalten, denn es wurde gestohlen: Vor ihrer Haustür oder aus dem Milchkasten, wo es eine leichte Beute für Langfinger ist. Und nun sitzt Manser auf einer offenen Rechnung. Wer zahlt?

Klar ist: Sobald der Onlineverkäufer die Schuhe dem Lieferdienst zum Transport übergeben hat, ist er aus dem Schneider. Doch wie sieht es mit dem Lieferanten aus? Die Schweizerische Post ist der grösste Paketdienst des Landes. Sie hat vergangenes Jahr 115 Millionen Pakete zugestellt. Wegen des boomenden Onlinehandels wächst dieses Geschäft von Jahr zu Jahr. «Die Post haftet mit bis zu 500 Franken für nicht eingeschriebene Paketsendungen, sofern sie auf dem Transportweg verloren gehen oder beschädigt werden», sagt Post-Sprecher Oliver Flüeler. «Ausserhalb dieses Transportweges oder für Folgeschäden haftet die Post nicht.»

Das Päckli vor der Haustür

Das heisst: Hat der Postbote das Paket ordnungsgemäss zugestellt, endet der Transportauftrag der Post – und damit ihre Haftung. Also etwa, wenn das Paket persönlich ausgehändigt, im Brief- oder Milchkasten deponiert, an einen Mitbewohner, den Hauswart oder einen Nachbarn übergeben oder an einem anderen vom Kunden bestimmten Ort ausgeliefert wurde. «Wir möchten, dass die Kunden ihre Pakete auf möglichst einfachem Weg erhalten», sagt Flüeler.

Doch was, wenn ein Paket nicht korrekt zugestellt wurde? Knifflig kann es werden, wenn der Postbote vergeblich läutet, das Paket aber zu gross ist für den Milchkasten. Denn: Ragt das Päckli aus dem Milchkasten heraus oder wurde es vom Pöstler auf oder unter dem Milchkasten deponiert, haftet die Post nach Meinung verschiedener Rechtsexperten im Falle eines Diebstahls, und das bis maximal 500 Franken. Solche Fälle würden genau geprüft, sagt Flüeler. Und er relativiert: «Das betrifft nur ganz wenige Einzelfälle im Jahr.» Wie viele es sind, will die Post nicht beziffern.

Dagegen gilt ein Paket laut Flüeler auch als zugestellt, wenn es in einem Mehrfamilienhaus mit abgeschlossenem Haupteingang «im geschützten Bereich innerhalb des Gebäudes» für den Empfänger deponiert wurde. Das heisst etwa: Vor der Wohnungstür. Wird dort ein Päckli gestohlen, haftet die Post nicht für den Schaden. Ein solches Vorgehen des Pöstlers – «im Sinne eines unkomplizierten Empfangs für den Besteller» – sei allerdings nicht die Regel, sagt Flüeler, sondern eher die Ausnahme. «Entspricht dies nicht dem Wunsch des Kunden, respektiert die Post das natürlich.»

Zalando zeigt sich kulant

Trotzdem sieht man in Treppenhäusern immer wieder Pakete, abgelegt vor verschlossener Wohnungstür, etwa solche des Online-Modehändlers Zalando, eines der grössten Kunden der Post. E-Commerce-Experte Thomas Lang schätzt, dass die Post vergangenes Jahr 8,8 Millionen Zalando-Pakete transportiert hat; 3,1 Millionen davon waren Retouren. «Das Deponieren von Zalando-Paketen vor der Wohnungstür ist kein Standard», sagt Sprecherin Sandra Petersen. Ausser, der Kunde wünsche dies bei Abwesenheit explizit so. Mit der Post vereinbart sei die Direktzustellung des Pakets. Falls dies nicht möglich sei, könne es der Postbote auch im Milchkasten deponieren oder einem Nachbarn übergeben und den Kunden benachrichtigen. Petersen: «Dass ein Paket beim Kunden nicht ankommt, kann leider im Einzelfall vorkommen – aus welchen Gründen auch immer.» Zalando zeige sich kulant: Der Kunde schickt eine Erklärung, dass er das Paket nicht erhalten hat, und die Sache ist erledigt.

Ein Fall für die Versicherung

Doch zurück zu Frau Manser und ihren Schuhen. Hat die Post das Paket ordnungsgemäss zugestellt, besteht die Chance, dass sie ihren Schaden über die Hausratversicherung begrenzen kann – falls sie gegen einfachen Diebstahl versichert ist. «Dabei spielt es keine Rolle, wo der Postbote das Paket deponiert hatte», sagt Jürg Thalmann, Sprecher des Versicherers Mobiliar. Ähnlich tönt es bei der Allianz Suisse. Einen Haken hat das Ganze aber: Der Selbstbehalt im Versicherungsfall beträgt in der Regel 200 Franken. Je nach Wert der Schuhe bleibt Frau Manser also auf ihrem ganzen Schaden sitzen.

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