Wenn der Markt aufs Wetter trifft

Ob heiss oder kalt, trocken oder nass – das Wetter gibt zu reden. Auch in den Medien nimmt es viel Platz ein. Trotzdem blieb der liberalisierte Meteo-Markt klein. Private haben gegen staatliche Anbieter einen schweren Stand.

Hanspeter Guggenbühl
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Am Abend eines Sommertags: Im Churer Rheintal entladen sich Gewitter mit Blitzeinschlägen in den Fläscherberg, Gamsberg und Gonzen. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Am Abend eines Sommertags: Im Churer Rheintal entladen sich Gewitter mit Blitzeinschlägen in den Fläscherberg, Gamsberg und Gonzen. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Trotz Liberalisierung dominiert in der Wetterbranche weiterhin der Staat. Das zeigen folgende Zahlen:

• Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, das hinter dem Kürzel MeteoSchweiz steckt, beschäftigt 300 Angestellte und hat ein Jahresbudget von 85 Mio. Franken. Die Erlöse aus dem kommerziellen Markt steuern dazu aber nur ein bis zwei Millionen bei, wie Christian Häberli, Leiter Produktmanagement von MeteoSchweiz, erklärt. Der Löwenanteil der Tätigkeit und Kosten entfällt weiterhin auf gesetzlich vorgegebene Leistungen.

Dazu gehören die Erhebung, Auswertung und Weitergabe von meteorologischen und klimatologischen Grunddaten, Klimaforschung sowie die ebenfalls im staatlichen Monopol verbliebenen Flugwetter-Prognosen. Den Löwenanteil der MeteoSchweiz-Kosten zahlt der Bund. Den kleineren Teil decken Gebühren, die MeteoSchweiz für ihre Flugwetter-Prognosen und die Nutzung ihrer Grunddaten durch kommerzielle Verwerter kassiert.

• Der liberalisierte Schweizer Wettermarkt beschäftigt zusätzlich etwa 150 Personen. Diese bearbeiten und interpretieren die Grunddaten, erstellen Spezial- oder Lokalprognosen, peppen sie fürs Publikum auf und erzielen damit einen Jahresumsatz von rund 20 Mio. Franken. Diese Zahlen publiziert der Verband der privaten Meteo-Anbieter. Ein Viertel dieses Marktvolumens teilen sich MeteoSchweiz (Abnehmer NZZ und andere) sowie die ebenfalls vorwiegend mit Gebühren und Werbung finanzierte Abteilung SF Meteo, die neben Radio und Fernsehen SRF auch private Kunden beliefert.

Um den verbleibenden Kuchen balgen sich private Anbieter. Dazu gehören die Zürcher MeteoNews, die Berner Meteotest, die Basler Meteoblue oder die deutsche Firma MeteoGroup, an die Jörg Kachelmann 2013 seine ehemalige Firma Meteomedia verkaufte. Kachelmann selber versucht zurzeit, mit seiner neuen Homepage «kachelmannwetter» im Schweizer Markt wieder Fuss zu fassen.

Grosses Thema – winziger Markt

Das Wetter gehört zu den Themen, die uns täglich beschäftigen. Radiostationen verbreiten stündlich neue Prognosen. Meteo-Sendungen im Fernsehen und Wetterseiten in den Tageszeitungen erzielen hohe Einschalt- und Lesequoten. Homepages und Apps von Meteo-Anbietern registrieren täglich Millionen von Klicks. Die Wetterlage beeinflusst Stimmungen, speist den Smalltalk. Gemessen an diesem Stellenwert ist der reine Wettermarkt mit seinem monetären Volumen von 20 Mio. Fr. winzig klein. Sein Anteil am Bruttoinlandprodukt beträgt gerade mal 0,003%. Stefan Kunz, Gründer und Leiter von Meteotest, bringt es auf den Punkt: «Es gibt keine andere Branche, die mit so wenig Umsatz so viel Aufmerksamkeit erregt.» Den Wettermachern geht es ähnlich wie den Medien. Ihre Umsätze bleiben klein oder sinken, weil Wetter- und andere Nachrichten meist gratis oder zu Tiefstpreisen angeboten werden.

Mit den individuellen Wetterseiten und Wettersendungen, die MeteoSchweiz, Meteonews oder Meteotest den Tageszeitungen, Radio- oder Fernsehstationen meist pfannenfertig liefern, lasse sich immer weniger Geld verdienen, klagen Anbieter. Eine mittelgrosse Tageszeitung, so berichtet ein Branchenkenner, zahle für eine druckreife Wetterseite bloss etwa 100 Fr., ein Drittel so viel wie vor 15 Jahren. Das bestätigen die Zahlen von MeteoNews. Obwohl diese Firma die Wetterseiten von «Blick», «20 Minuten», «Tages-Anzeiger», «Berner Zeitung» sowie weiteren auflagestarken Tageszeitungen produziert und daneben die meisten privaten Radio- und TV-Sender mit Wettersendungen beliefert, beträgt ihr Jahresumsatz lediglich 3 Mio. Franken. Davon entfällt nur ein Teil auf die schrumpfenden Einnahmen aus den Medien.

Private Anbieter suchen heute vermehrt zahlende Kunden aus andern Branchen – von der Tourismus- über die Bau- bis zur Stromwirtschaft. Oder sie spezialisieren sich auf Nischen.

Sichtweisen auf den Wettbewerb

Bleibt die Frage, warum es für das Wetter überhaupt einen Markt braucht, wenn der Staat die meisten Meteo-Daten selber erhebt und die Öffentlichkeit direkt beliefern kann. «Ein gesunder Wettbewerb spornt an», antwortet Christian Häberli von MeteoSchweiz, und er gesteht: «Die Privaten haben uns motiviert, unsere eigenen Wetterprognosen publikumsnäher zu verbreiten.» Dabei erwies sich der einstige Monopolist offensichtlich als lernfähig. Mit ihrer Gratis-App, installiert in über drei Millionen Smartphones, und mit vielen Clicks auf der Homepage habe MeteoSchweiz heute wieder die höchste Verbreitung auf dem Schweizer Markt.

Weniger positiv beurteilen Private den real existierenden Wettermarkt. Den staatlichen und gebührenfinanzierten Meteorologen werfen sie vor, den Wettbewerb zu verfälschen. Beispiel: Die Herstellung einer App kostet Geld. Wenn nun MeteoSchweiz und SF Meteo diese App gratis anbieten, so sei das nur durch Quersubvention aus Steuern oder Gebühren möglich, kritisiert Reto Vögeli von MeteoNews; diese bot schon früher, aber gegen Bezahlung, eine App an.