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Weniger teuer wohnen

Sowohl Wohneigentum als auch Mietwohnungen sind vergangenes Jahr in der Schweiz ­günstiger geworden. Und der Preisdruck dürfte anhalten, da weiterhin emsig gebaut wird.
Thomas Griesser Kym
Auch Einfamilienhäuser sind 2017 günstiger geworden. (Bild: Benjamin Manser (Sonnental, 19. Februar 2017))

Auch Einfamilienhäuser sind 2017 günstiger geworden. (Bild: Benjamin Manser (Sonnental, 19. Februar 2017))

Thomas Griesser Kym

Die Angebotspreise für Wohneigentum in der Schweiz haben vergangenes Jahr eine Berg- und Talfahrt hingelegt. Eigentumswohnungen starteten Ende 2016 mit durchschnittlich 7200 Franken pro Quadratmeter, kletterten bis Juli auf eine Spitze von 7350 Franken und fielen bis Ende Jahr auf 6900 Franken zurück. Auf Jahresbasis sind das –4 Prozent (siehe Grafik). Preislich rückwärts ging es auch bei Einfamilienhäusern, nämlich auf 6000 Franken pro Quadratmeter. Das sind –0,8 Prozent im ganzen Jahr und –6,6 Prozent seit dem Höchst im Juli. Schliesslich haben auch die Angebotsmieten nachgegeben. Sie nahmen 2017 landesweit um durchschnittlich 1,2 Prozent auf 359 Franken pro Quadrat­meter ab, auf den tiefsten Stand seit August 2015. Dabei sind die ­Mieten in der Grossregion Ostschweiz im Mittel am günstigsten (219 Franken pro Quadratmeter und Jahr), im benachbarten Zürich am teuersten (312 Franken).

«Wo jetzt noch Kräne stehen, steigt das Risiko»

Diese Zahlen hat der Online-Marktplatz Immoscout 24 zusammen mit der Beratungsfirma Iazi ermittelt. Immoscout-24-­Direktor Martin Waeber kennt die Faktoren dahinter. Preis­treibend wirken die extrem tiefen Zinsen und der Anlagenotstand vor allem institutioneller Investoren. Beides erhöht die Nach­frage nach Immobilien. In jüngster Zeit sind allerdings höhere Leerstände dazugekommen. Das belegt, dass das Angebot nicht mehr so einfach vom Markt absorbiert wird. Dahinter steckt die auf hohen Touren laufende Bautätigkeit, was gebietsweise zu Überangebot auf dem Im­mobilienmarkt geführt hat. Und das heisst Preisdruck. Kommt hinzu, dass die Messlatte für die Hypothekenvergabe höher liegt als ­früher, was den Kreis poten­zieller zusätzlicher Käufer von Wohneigentum enger fasst, und die ­Zuwanderung hat ab­genommen. Gekoppelt mit dem regen Neubau «könnte dies den Mietern weiter in die Hände spielen», sagt Waeber. Und zwar, «ohne dass die Preise für Anlage­immobilien leiden würden, da am Anlage­horizont wenig bis ­keine Alter­nativen erkennbar sind».

Differenzierter sieht es Werner Fleischmann, Chef des Liegenschaftenvermittlers Fleischmann Immobilien AG in Weinfelden. «Dort, wo jetzt noch Kräne stehen, steigt das Risiko auf noch mehr Leerwohnungen.» Als Beispiel nennt er Amriswil. Eine starke Bautätigkeit beobachtet er et­wa auch in Münchwilen, doch profitiere diese Gemeinde von der Nähe zu Wil und die Äbte­stadt wiederum – wie auch die Achse Frauenfeld–Weinfelden – von der günstigen Verkehrslage im Einzugsgebiet der Agglomeration Zürich und Winterthur. Ein Risiko sieht Fleischmann auch, sobald die Zinsen dereinst steigen (wofür es freilich in der kurzen Frist keine Anzeichen gibt). Aber wenn es einmal so weit ist, würden steigende Zinsen die Bewertungen und die Rendite von Immobilien drücken. Das könnte vor allem für Pensionskassen ein Problem werden.

Neben zu vielen Mietwohnungen werden laut Fleischmann auch zu viele Eigentumswohnungen gebaut. Gefährdet seien hier vor allem periphere Lagen. Ein Beispiel: Ein älteres Ehepaar, das in einem kleinen Dorf wohnt, will sein Häuschen aufgeben und in eine bequemere Wohnung ziehen. Zwecks besserer Infrastruktur und zentralerer Lage zügeln sie in eine grössere Gemeinde. Das Häuschen auf dem Land wird von einer jungen Familie gekauft, weil diese laut Fleischmann nur in peripher gelegenen Dörfern dazu finanziell überhaupt in der Lage ist. Wohnungen in solchen Gegenden liessen sich dagegen kaum mehr verkaufen.

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