Weniger Personal gesucht

Die Ostschweiz hat mit einem Minus von 19 Prozent im gesamtschweizerischen Vergleich den stärksten Rückgang bei den Stellenangeboten. Techniker und Informatiker sind gefragt.

Stefan Borkert
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Die Stellenangebote für Techniker und IT-Spezialisten haben in der Ostschweiz im letzten Quartal deutlich zugenommen. (Bild: epa)

Die Stellenangebote für Techniker und IT-Spezialisten haben in der Ostschweiz im letzten Quartal deutlich zugenommen. (Bild: epa)

ZÜRICH. Gestern hat der Personalvermittler Adecco seinen Swiss Job Market Index (ASJMI) vorgelegt, den die Firma zusammen mit dem Soziologischen Institut der Universität Zürich erstellt. Im Quartalsvergleich muss die Ostschweiz dabei ein Minus von 12% und im Jahresvergleich sogar von 19% weniger Stellenangeboten einstecken.

Starke Unsicherheit

Arbeitsmarktexpertin Marianne Müller vom Stellenmarkt-Monitor Schweiz am Soziologischen Institut der Uni Zürich erklärt: «In der Ostschweiz kommen der Industrie und dem Gewerbe eine vergleichsweise grosse Bedeutung zu. Dies dürfte mitunter ein Grund sein, weshalb die Ostschweiz überdurchschnittlich stark von den Unsicherheiten betroffen war, die das Wirtschaftsjahr 2015 geprägt haben. Die Ostschweizer Unternehmen suchen deutlich zurückhaltender nach neuem Personal als vor einem Jahr.» Die negative Entwicklung widerspiegelt sich in allen Berufssektoren, mit Ausnahme von Technik und Informatik. Im Quartalsvergleich haben die Jobangebote für Informatiker und Techniker um 33% zugenommen. Marschiert die Ostschweiz in Richtung Automatisierung und Wirtschaft 4.0? Marianne Müller relativiert: «Die Zunahme zeigt sich vor allem im Quartalsvergleich. Von einer längerfristigen Entwicklung in Richtung Automatisierung und Wirtschaft 4.0 kann daher noch nicht unbedingt gesprochen werden.» Ausserdem sei die Anzahl an gesuchten Technikern und Informatikern im Jahresvergleich rückläufig. Es könne aber durchaus sein, dass sich der positive Trend in den nächsten Quartalen fortsetzen werde. «Weil Anstrengungen in Innovation und Automatisierung wichtig sind, um konkurrenzfähig zu bleiben. Insbesondere in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.»

Normalisierung gegen Ende Jahr

Tatsächlich muss die Ostschweiz auch in diesem Bereich im Jahresvergleich ein Minus von 17% verkraften. Die Arbeitsmarktexpertin meint dazu: «Insbesondere zu Beginn des Jahres 2015 wurden deutlich weniger Fachkräfte in diesem Bereich gesucht.» In den letzten zwei Quartalen habe sich eher wieder eine positive Entwicklung gezeigt. Das deutliche Minus zu Jahresbeginn dürfte mitunter auch auf die Eurountergrenze zurückzu- führen sein. Und sie fährt fort, dass sich gegen Ende des Jahres die Situation normalisiert habe, was als Zeichen dafür gewertet werden könne, dass man sich in der Ostschweiz mit der Situation arrangiert habe und nun nach neuen Wegen suche.

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