Weniger Kritik an Novartis

Alle Anträge des Verwaltungsrats akzeptiert und relativ wenig Kritik an der Führungsspitze: Die erste Novartis-Generalversammlung nach der Ära Vasella verläuft verhältnismässig ruhig.

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Novartis-Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt (rechts), daneben Verwaltungsrat Ulrich Lehner und Konzernchef Joe Jimenez. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

Novartis-Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt (rechts), daneben Verwaltungsrat Ulrich Lehner und Konzernchef Joe Jimenez. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

BASEL. Im vergangenen Jahr war der damalige Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella noch mit kühler Kritik überschüttet worden – besonders wegen der geplanten 72 Mio. Fr. für ihn für ein Konkurrenzverbot. Dieses Jahr sendeten die 2123 Novartis-Aktionäre an der Generalversammlung dem neuen Präsidenten Jörg Reinhardt mehrheitlich wohlwollende Wärme entgegen. In den Voten der 13 Redner war zu hören, dass sie die Richtungsänderung und den Stil Reinhardts begrüssen.

Unmut über Millionensaläre

Die Anträge des Verwaltungsrates wurden denn auch allesamt angenommen, wenn auch mit einzelnen kritischen Signalen. So stimmten annähernd 20% gegen eine Entlastung des Verwaltungsrates für das Geschäftsjahr 2013. Auch in der Konsultativabstimmung über die millionenschweren Vergütungen der Mitglieder des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung sagten «nur» 77% Ja. Deutlicher angenommen wurden die einzelnen Abstimmungen über die Vergütungen der beiden Gremien. Dem Verwaltungsrat soll demnach im kommenden Geschäftsjahr ein maximaler Gesamtbetrag von 8 Mio. Fr. zugesprochen werden. Die Geschäftsleitung erhält insgesamt fast 68 Mio. Franken. Zudem wurden alle Verwaltungsräte bestätigt. Reinhardt erhielt 98,1% der Stimmen – und spontanen Applaus der Aktionäre.

Rüge wegen Stellenabbaus

Dennoch wurde der Basler Pharmakonzern auch gerügt. So kritisierte etwa Brigitte Martig, Personalvertreterin bei Novartis, den jüngsten Stellenabbau scharf. Novartis hatte Ende Januar mitgeteilt, dass am Hauptsitz in Basel dieses Jahr etwa 500 Stellen wegfallen, gleichzeitig aber ähnlich viele Arbeitsplätze neu geschaffen werden. Betroffen sind die Pharmadivision und die pharmazeutische Entwicklung. Wegen der geringen natürlichen Fluktuation seien Kündigungen nicht ausgeschlossen, hiess es damals.

Kritik an Arzneiversuchen

Wegen der zusätzlich geschaffenen Stellen seien die Medien kaum darauf aufgesprungen, sagte Martig und betonte, dass es für die Betroffenen bitterer Ernst sei. Der Abbau sei nicht zu rechtfertigen. Besonders nicht, wenn gleichzeitig die Dividende erhöht, Milliardengewinne eingestrichen und Millionenboni ausbezahlt würden. Reinhardt und Konzernchef Joe Jimenez äusserten Verständnis. Man werde versuchen, die Betroffenen im Unternehmen unterzubringen, sagte Jimenez. Zudem seien Ausbildungsprogramme geplant.

Patrick Durisch, Gesundheitsexperte der Erklärung von Bern (EvB), kritisierte die aus ethischer Sicht problematische Zunahme von Medikamentenversuchen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Laut Durisch lagern Pharmafirmen immer mehr dieser Versuche aus. Denn in Ländern wie Indien, Argentinien, der Ukraine oder Russland profitierten die Firmen von lückenhaften Regulierungen und Überwachungssystemen, was die Rekrutierung von Studienteilnehmern vereinfache und beschleunige. Zudem profitiere Novartis davon, dass es in diesen Ländern genügend arme Menschen gebe, die praktisch alles tun würden, um medizinisch betreut zu werden, sagte Durisch.

«Garantien? Nein!»

Die EvB berichtet von Fällen, bei denen das Einverständnis von Patienten erst nach Behandlungsbeginn eingeholt wurde oder Teilnehmer trotz gesundheitlicher Schäden keine Kompensationszahlungen erhielten. Reinhardt sagte, eine Firma wie Novartis brauche globale Standards, und diese sollten von allen Partnern und Tochterfirmen eingehalten werden. «Können wir das immer garantieren? Nein! Können wir das Beste geben, dass es uns gelingt? Ich glaube, das tun wir bereits», sagte Reinhardt. (sda)

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