Weniger ist mehr: Bühler tüftelt an Innovationen, um Nahrungsmittel ressourcenschonender herzustellen

Die Coronakrise zwingt den Technologiekonzern ins Internet. Nach der Absage einer Leitmesse stellt Bühler sein Programm digital vor. Dabei geht es unter anderem darum, bei der Herstellung von Lebensmitteln Wasser und Energie zu sparen und Abfall zu reduzieren. Auch kennt Bühler die aktuellen Konsumtrends.

Thomas Griesser Kym
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Bühler-Chef Stefan Scheiber sagt, die Lieferketten funktionierten.

Bühler-Chef Stefan Scheiber sagt, die Lieferketten funktionierten.

Bild: PD

Um ein Viertel ist der Auftragseingang der Bühler-Gruppe im Zuge der Coronapandemie eingebrochen. Das sagt Stefan Scheiber, Chef des Technologiekonzerns mit Sitz in Uzwil. Einige Segmente sind erheblich beeinträchtigt, zum Beispiel die Druckgussanlagen, weil die Autoindustrie ihre Fabriken für einige Wochen stillgelegt hatte und die Nachfrage nach Autos eingebrochen ist.

Andere Segmente Bühlers wiederum profitieren, darunter einige in der Herstellung von Anlagen zur Verarbeitung oder Herstellung von Nahrungsmitteln, wie Germar Wacker sagt, Chef der Division Consumer Foods.

Just diese Woche wäre Bühler in Düsseldorf an der Interpack präsent, einer alle drei Jahre stattfindenden Leitmesse der Nahrungsmittelindustrie. Doch wegen Corona ist die Interpack abgesagt. Als Ersatz hat der Konzern die «Bühler Virtual World» geschaffen und sein Interpack-Programm kurzerhand vom 12. bis 15. Mai ins Internet verlegt.

Bühler-Divisionsleiter Germar Wacker gewährt einen Blick in die virtuelle Bühler-Welt.

Bühler-Divisionsleiter Germar Wacker gewährt einen Blick in die virtuelle Bühler-Welt.

Bild: PD

Im Alleingang ist das nicht zu schaffen

An der digitalen Präsentation vor dem Start sagte Scheiber am Montag, die Versorgung der Menschen mit sicheren, bezahlbaren, genussvollen und nachhaltig produzierten Lebensmitteln sei wichtiger denn je. Dies zum einen mit Blick auf die Krise, zum anderen aber auch wegen des Klimawandels und der Aussicht auf ein Wachstum der Weltbevölkerung auf 9 bis 10 Milliarden bis zum Jahr 2050. Die Krise sporne Bühler nur noch mehr an, in die Entwicklung von Innovationen zu investieren, um die selbst gesteckten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Konkret arbeitet das Unternehmen darauf hin, dass seine Anlagen im Einsatz bei den Kunden bis 2025 je die Hälfte weniger Wasser und Energie verbrauchen und den Abfall – Stichwörter Ernteverluste, Food-Waste – um die Hälfte verringern. Um diese Ziele und die globalen Klimaziele zu erreichen, braucht es auch Kooperationen zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, wie Scheiber weiss. Ein Beispiel ist die Initiative «Future Food», die Bühler gemeinsam mit Nestlé, Givaudan und den beiden ETH Zürich und Lausanne auf die Beine gestellt hat.

Weniger Fleisch, mehr Hülsenfrüchte

Bühler-Technologiechef Ian Roberts.

Bühler-Technologiechef Ian Roberts.

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Gefragt ist aber auch ein Beitrag jedes Einzelnen. Hier lautet ein Appell Bühlers an die Leute, den Proteinkonsum zu überdenken. Dazu zählt etwa, weniger Fleisch zu essen und als alternative Proteinquellen Hülsenfrüchte, Algen oder – für Tierfutter – Insekten stärker zu nutzen. Bühlers Technologiechef Ian Roberts beobachtet bereits, dass etwa die Nachfrage nach pflanzen­basierten Produkten in Burger- oder Würstchenform rasant zunimmt.

An der «Bühler Virtual World» will der Konzern «praktische Innovationen» zeigen, etwa einen neuen Waffelofen, der 30 Prozent weniger Energie verbraucht. Vorgestellt wurde am Montag auch eine Bühler-Anlage in Bangladesh, welche die Reishülsen nutzt, um mittels ihrer Verbrennung Dampf zu erzeugen, mit dem der Reis teilweise gekocht und in Parboiled-Reis verwandelt wird. Oder eine neue Schokoladeanlage, die sich 80 Prozent rascher installieren lässt als bisherige Anlagen.

Eine neue Schokoladeanlage von Bühler, die innert einer Woche installiert werden kann – 80 Prozent schneller als herkömmliche Anlagen.

Eine neue Schokoladeanlage von Bühler, die innert einer Woche installiert werden kann – 80 Prozent schneller als herkömmliche Anlagen.

Bild: PD

Dezentrale Organisation erweist sich als Vorteil

Laut Scheiber will Bühler dazu beitragen, in den nächsten 24 Monaten die Nahrungsmittelindustrie «nachhaltiger und widerstandsfähiger» zu machen – und damit selbstredend Geld verdienen. Das erfordert wegen der coronabedingten Reiseeinschränkungen zum einen ein neues Serviceniveau, etwa mittels Ferninstruktionen von Fachpersonen beim Kunden mit Hilfe intelligenter Brillen.

Zum anderen zeigt sich Scheiber froh über die dezentrale Organisation: Bühler verfügt weltweit über 98 Servicestationen, 85 Verkaufsbüros, 32 Fabriken und 25 Anwendungszentren. Reisen innerhalb der einzelnen Länder seien weiterhin möglich und die Lieferketten funktionierten, auch wenn es hie und da Verzögerungen gegeben habe. Aber, so sagt Stefan Scheiber:

«Wir haben immer ausliefern können, sowohl Maschinen als auch Ersatzteile.»

Was bei Konsumenten angesagt ist, wenn es ums Essen und Trinken geht

Bühler verbindet die Entwicklung nachhaltiger Lösungen für die Nahrungsmittelproduktion auch mit Konsumtrends. Ein paar davon nannte das Unternehmen in seiner Präsentation zur «Bühler Virtual World»: to go and snacks, also Lebensmittel, die man unterwegs im Vorbeigehen konsumieren kann, Stichwort Convenience Food; health and nutrition, also gesunde und nährstoffreiche Lebensmittel; local culture, also Produkte regionaler Herkunft; vegan and free from, also Produkte ohne tierische Zutaten und solche für Allergiker; premium, also qualitativ hochwertige Lebensmittel. (T.G.)  

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