Weltwirtschaft will Gewissheit

Die amerikanische Notenbank Fed beschäftigt sich erneut mit den Zinsen. Die Verunsicherung über die Wende in der Geldpolitik könnte bald ein Ende finden. Doch die Notenbanker wollen den schwachen Aufschwung nicht abwürgen.

John Dyer
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Grosse Erwartungen: Der Auftritt von US-Notenbank-Chefin Janet Yellen wird diesmal besonders aufmerksam verfolgt. (Bild: epa/Jim Lo Scalzo)

Grosse Erwartungen: Der Auftritt von US-Notenbank-Chefin Janet Yellen wird diesmal besonders aufmerksam verfolgt. (Bild: epa/Jim Lo Scalzo)

WASHINGTON. Europa und die USA gehen nicht Hand in Hand, jedenfalls nicht in der Geldpolitik. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen auf nahezu null gesenkt hat, um die Wirtschaft anzukurbeln, wird in den USA das Gegenteil erwartet. Die Notenbank Fed steht unter Druck, das Verleihen von Geld wieder teurer zu machen. Ab heute kommen Fed-Chefin Janet Yellen und der Offenmarktausschuss der Fed zu einem zweitägigen Treffen zusammen.

Bereits beschlossen wurde, das Programm für Anleihekäufe zu reduzieren, mit dem riesige Summen in die Wirtschaft gepumpt wurden. Das als quantitative Lockerung bekannte Programm war ein Teil der Geldpolitik der Fed in der Folge der Finanzkrise 2008.

Als weitere Massnahme wurden die Zinsen auf Werte zwischen 0% und 0,25% gedrückt. Nun könnte auch diese Strategie ein Ende finden. «Es scheint beschlossene Sache, dass die Zinsen erhöht werden», glaubt Analyst Paul Dales von Capital Economics in London. «Es beginnt eine neue Phase, in der die Fed zur Normalität zurückkehren will. Der Entscheid wird ein Echo in der gesamten Weltwirtschaft finden.»

Zeitpunkt ist fraglich

Selbst wenn die Entscheidung bereits gefallen ist, wird noch über den Zeitpunkt der Zinserhöhung gerätselt. Seit März heisst es von Seiten des Offenmarktausschusses, eine Zinssteigerung sei in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Yellen hat angegeben, vor Mitte 2015 sei nicht mit einer Änderung zu rechnen. Doch die jüngste Entwicklung der US-Wirtschaft könnte zu einem Umdenken führen.

Die Arbeitslosigkeit liegt bei 6,1%, Zentralbanker hatten diesen Wert als geeigneten Zeitpunkt für eine Zinserhöhung betrachtet. Doch während sich die Quote verbessert hat, standen im August 80 000 Entlassungen nur 16 000 Neuanstellungen gegenüber. Die Inflation liegt mit 1,6% unter dem Zielwert von 2%. Die Preise für Lebensmittel und Treibstoff, die seit Jahren steigen, sind dabei aber nicht eingerechnet. Insgesamt wird befürchtet, dass eine Zinserhöhung einen zu negativen Einfluss angesichts widersprüchlicher Wirtschaftsdaten hat.

Dilemma für Zentralbanker

Und so befinden sich die Zentralbanker im Dilemma. Schreitet die Fed zu früh zur Tat, könnte sie den zerbrechlichen Erholungskurs der Wirtschaft beschädigen. Wartet sie zu lange, könnten gefährliche Investitionsblasen entstehen.

Es gibt auch Stimmen, nach denen die lang anhaltende Diskussion einfach ein Ende finden soll. Der Direktor des Peterson Institute for International Economics in Washington beispielsweise glaubt, dass eine moderate Zinserhöhung den grossen Vorteil hätte, die Ungewissheit zu beenden.

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