Stellenabbau: Weltmarktführer Gallus zieht nach der Teilefertigung auch die Montage von St.Gallen ab - «das ist keine Salamitaktik»

Die Gallus-Gruppe begründet ihren angekündigten Abbau von bis zu 60 Stellen am Standort St.Gallen mit ungenügenden Ergebnissen. Der Weltmarktführer bei Etikettendruckmaschinen wolle aber weiter investieren und an den Standorten St.Gallen und Herisau festhalten. Die Konsultationsfrist wird nicht wie von den Arbeitnehmervertretungen verlängert.

Thomas Griesser Kym
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Eine Digitaldruckmaschine, die Gallus im Jahr 2014 als Weltneuheit präsentiert hat. (Bild: Ralph Ribi / St.Gallen, 22. September 2014)

Eine Digitaldruckmaschine, die Gallus im Jahr 2014 als Weltneuheit präsentiert hat. (Bild: Ralph Ribi / St.Gallen, 22. September 2014)

Es klingt paradox: Der Etiketten- und Verpackungsmarkt wächst laut der Gallus Ferd. Rüesch AG «weltweit stark und nachhaltig». Dennoch sei es dem Unternehmen bisher nicht gelungen, im Maschinengeschäft ein Ergebnis zu erzielen, das «zur Sicherstellung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit notwendig ist». Und dies, obwohl Gallus am Standort St.Gallen bereits zuvor Stellen abgebaut und laufend «betriebsinterne Optimierungen» an die Hand genommen hat.

Gallus-Geschäftsführer Christof Naier sagt auf Anfrage, «das reine Maschinengeschäft hat eine sehr unzufrieden stellende Performance». Die erarbeiteten Mittel reichten «bei weitem nicht aus, um Investitionen zu finanzieren». Naier bestätigt die Vermutung, dass der starke Franken ein Hauptgrund der Probleme ist. Diesen Mühlstein schleppt das Unternehmen mit sich herum, seit die Schweizerische Nationalbank Anfang 2015 den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro aufgehoben hat. «Unsere Mitbewerber sind allesamt im Euroraum und können erheblich billiger anbieten als wir», begründete schon Ende April 2015 der damalige Gallus-Chef Klaus Bachstein die Auslagerung der Teilefertigung und den damit verbundenen Abbau von 26 Stellen, inklusive einiger Kündigungen.

«Ein sehr dramatischer Schritt»

Der Euroraum ist denn auch das Ziel, wohin Gallus zwischen dem ersten Quartal 2020 und Mitte 2021 die Montagetätigkeiten verlagern will. Konkret will man diese von St.Gallen an den Gallus-Standort Langgöns im Bundesland Hessen verschieben und damit die gesamte Montage in Deutschland bündeln. In St.Gallen seien maximal 60 Mitarbeitende betroffen, schreibt Gallus. Insgesamt hat das Unternehmen in der Schweiz noch 225 Mitarbeitende, wovon 203 in St.Gallen. Nicht betroffen vom Abbau sei das als wichtig bezeichnete Geschäft mit Siebdruckplatten in Herisau, das 22 Angestellte hat.

Naier weiss: «Die geplante Verlagerung ist für den Standort St.Gallen ein sehr dramatischer Schritt.» Aber: «Wir haben alle denkbaren Varianten geprüft und durchgerechnet.» Der Verzicht auf die Verteilung der Montage auf Standorte in zwei Ländern sei «der einzige gangbare Weg, der finanziell und aus Sicht der Gesamtstrategie sinnvoll ist».  

Die Gallus-Gruppe, die seit 2014 zum weltgrössten deutschen Druckmaschinenhersteller Heidelberg gehört, ist über die Jahre laufend geschrumpft. 2014 zählte sie bei einem Umsatz von 202 Millionen Franken noch 560 Mitarbeitende, davon 260 in der Schweiz. Heute sind es gruppenweit noch 340, inklusive der 225 in der Ostschweiz. Der Umsatz bewege sich auf ähnlichem Niveau wie 2014. 

Arbeitnehmervertretungen deponieren Forderungen

Der Personalkommission ist eine Konsultationsfrist bis 3. September  eingeräumt worden. Damit erfüllt Gallus die gesetzliche Vorgabe. Für die Gewerkschaft Unia aber ist diese Zeit «viel zu kurz», und sie ruft die Gallus-Geschäftsleitung auf, eine längere Frist zu gewähren. Darauf aber will sich Naier nicht einlassen. Nach Ende der Konsultation will man alle Vorschläge prüfen und am 9. September den finalen Entscheid verkünden.

Für das betroffene Personal verlangen die Unia und der Verband Angestellte Schweiz nahtlose Anschlusslösungen, Weiterbildungs- und Stellenvermittlungsangebote sowie die Vermeidung von Härtefällen. Naier sagt dazu, Gallus gedenke die Mitarbeitenden« in einer sehr verantwortungsvollen und fairen Art und Weise zu unterstützen», und Härtefälle wolle man vermeiden. Bei der Belegschaft handle es sich um ausgebildete Leute mit Berufserfahrung. Hingegen seien ein paar Leute «in einem etwas schwierigen Alter» ab 58.

Naier kontert die Befürchtung, nach der Verlagerung der Teilefertigung und Montage könnten weitere Abteilungen aus St.Gallen verschwinden. «Das ist keine Salamitaktik.» Der Kern der Marke Gallus sei eng mit dem Standort Schweiz und St.Gallen verbunden. Ebenso sitze hier ein Grossteil des unternehmerischen Know-hows. Deshalb blieben Vertrieb, Marketing, Innovations- und Servicefunktionen sowie die Geschäftsführung hier. Zudem wolle Gallus weiterhin in Produkte und Dienstleistungen investieren. Das gelte sowohl punkto Digitalisierung als auch für Neuentwicklungen konventioneller Druckmaschinen.

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