Weltenergierat setzt weiterhin auf fossile Energie

In der Schweiz und Europa propagieren viele den Umstieg auf erneuerbare Energie. Der Weltenergierat setzt weiterhin auf Kohle, Öl und Gas und verdrängt den Klimaschutz.

Hanspeter Guggenbühl
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Die Gegensätze sind wie Tag und Nacht. An der Berner Hausbau- und Energiemesse präsentierte Experte Ruedi Meier das Plusenergie-Haus. Dieses produziert per Saldo mehr erneuerbare Energie, als es insgesamt Energie verbraucht. An der ETH Zürich berichtete der Schweizer Energierat über den Weltenergiekongress vom September in Montreal. Fazit, mit den Worten von Erdgas-Vertreter Martin Seiffert: «Die Energiezukunft ist und bleibt fossil – CO2 hin oder her.»

Der Weltenergiekongress findet alle drei Jahre statt, organisiert vom Weltenergierat (WEC), der die globale Energielobby vereint. 2007 standen auch am WEC-Kongress Themen wie Energieverknappung, Ölpreisschub und Klimaschutz im Vordergrund. Doch am jüngsten Kongress wandelten sich die Einschätzungen wieder. Einerseits hatte die Finanz- und Wirtschaftskrise die Energienachfrage etwas gebremst.

Andrerseits erlauben neue Technologien die Ausbeutung zusätzlicher Energievorräte, obwohl der Abbau von Schiefergas und Tiefseebohrungen die Umweltrisiken erhöhen.

Doch Umweltprobleme schienen am WEC-Kongress wenig zu kümmern. Das belegte Johannes Teyssen, Präsident des WEC Europa und Eon-Konzernvorstand: «Der Zugang zu bezahlbarer Energie und die Energie als Wachstumsmotor sind stärker im Fokus als Klimaschutz.

» Quantitativ orientiert sich der WEC an den Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA): Demnach steigt der globale Energiebedarf bis 2050 um 80%, der Stromkonsum allein gar um 130%. Öl, Gas und Kohle werden mit einem Anteil von 75% bis 80% weiterhin dominieren.