Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Gastkommentar

Weihnachten – die kirchliche Buchhaltung

Auch die Kirchen müssen sich um weltliche Zwänge wie eine saubere Buchhaltung kümmern. Dies tun sie vorbildlich – allerdings mit durchaus spezieller Wortwahl.
Marco Passardi
Marco Passardi. (Bild: PD)

Marco Passardi. (Bild: PD)

Die Weihnachtsfeiertage sind vorbei, der Jahreswechsel (und viele gute Vorsätze) stehen uns bevor. Viele dürften über die Feiertage einen kirchlichen Gottesdienst besucht und so die Weihnachtsfeiertage auf eine besinnliche Art und Weise im Kreise der Angehörigen erlebt haben.

Etwas weniger geläufig dürfte den meisten Kirchenbesucherinnen und -besuchern sein, dass auch Gotteshäuser sich um weltliche Aspekte wie eine Buchhaltung kümmern müssen. Diese wird, wie ein Blick in die Materialien zeigt, durchaus mit dem gängigen Vokabular der Betriebswirtschaft praktiziert: «Wiederum hat die Landeskirche ein finanziell erfolgreiches Jahr hinter sich», schrieb der Synodalrat der katholischen Kirche des Kantons Luzern auf Seite 16 des Jahresberichts für das Jahr 2017. Der «Erfolg» bemisst sich laut diesem Gremium auf Basis eines auf Franken genau berechneten Ertragsüberschusses von 1'274'169 Franken. Im Weiteren wird festgehalten, dass dies knapp 50 Prozent (!) mehr wie der budgetierte Gewinn sei. Ebenso wird dort auch festgehalten, dass unter anderem Einsparungen beim Personalaufwand den Überschuss begünstigt hätten. Auf aus betriebswirtschaftlicher Sicht vorbildliche Art und Weise wird im besagten Bericht sogar ein Blick in die Zukunft vorgerechnet; dort wird, auf Basis eines Finanzplans für 2018–2022, «weiterhin mit Ertragsüberschüssen» gerechnet. Sondereffekte wie Weihnachten, Ostern u. Ä. werden nicht separat hervorgehoben, was aufgrund der dort feststellbaren höheren Frequenzen in den Gotteshäusern erstaunlich ist.

Wer sich als Laie mit solchen Zahlen auseinandersetzen möchte, benötigt für eine genauere Betrachtung grundlegende Kenntnisse der Buchhaltung. Erschwerend kommt bei Rechnungen dieser Art aber dazu, dass das von der Kirche verwendete Vokabular durchaus dem entspricht, wie staatliche Institutionen Buchführung praktizieren. Allerdings weichen diese Begriffe zuweilen stark davon ab, wie in privaten Vereinen oder Unternehmen buchhalterische Darstellungen gefertigt werden – diese Perspektive wären vielen Betrachtenden vertrauter.

Ein Einblick in den Jahresbericht der Katholischen Kirchgemeinde der Stadt Luzern für das Jahr 2017 vermag dies zu erläutern. So findet sich im 106 Seiten umfassenden Dokument unter anderem eine nach «Arten» gegliederte «Laufende Rechnung». Dieses Dokument stellt nichts anderes dar als die ansonsten gebräuchliche Erfolgsrechnung (Gewinn- und Verlustrechnung), das heisst ein Dokument, welches die eingangs erwähnten Ertrags- oder Aufwandüberschüsse nachweist. Nicht zu verwechseln ist dies allerdings mit dem Nachweis der geldbezogenen Finanzen: Auch Wertminderungen des kirchlichen Vermögens, zum Beispiel Kirchbauten, werden dort erfasst. Solche «Abschreibungen» (etwa von Kirchen) stellen zwar Aufwand dar (und mindern somit den Gewinn), nicht aber eine konkrete Ausgabe der Kirche.

Auch die Zusammenstellung des Vermögens und der Schulden folgt einer eigenständigen Wortwahl: Während ansonsten dafür der Begriff «Bilanz» verwendet wird, spricht die Kirche von einer «Bestandesrechnung». Diese weist unter anderem nach, dass das vorhandene Vermögen die Schulden um knapp 16 Millionen Franken übersteigt; das so definierte «Eigenkapital» zeigt eine aus Buchhaltungssicht gesunde Institution, auch wenn, anders wie im gesamten Kanton, die städtische Kirchgemeinde im Jahr 2017 einen (kleinen) Aufwandüberschuss, das heisst Verlust, von rund 70'000 Franken verbuchen musste.

Marco Passardi ist Professor am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.