Rapperswiler Weidmann-Gruppe forciert den Einsatz von Cellulose

Natürliche Rohstoffe als Ersatz für Kunststoff sollen das Geschäft der Technologiegruppe ankurbeln. 

Thomas Griesser Kym
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Zwei Weidmann-Mitarbeiter vor einer Heisspresse mit 15 Etagen. Diese werden mit Transformerboard gefüllt, einer Art Karton aus reinen Cellulosefasern. Die nassen Platten werden unter hoher Temperatur gepresst und sind nach der Trocknung sehr dicht und stabil. Sie dienen als Hochspannungs-Isolationsmaterial für Transformatoren. (Bild: PD)

Zwei Weidmann-Mitarbeiter vor einer Heisspresse mit 15 Etagen. Diese werden mit Transformerboard gefüllt, einer Art Karton aus reinen Cellulosefasern. Die nassen Platten werden unter hoher Temperatur gepresst und sind nach der Trocknung sehr dicht und stabil. Sie dienen als Hochspannungs-Isolationsmaterial für Transformatoren. (Bild: PD)

Weniger Grossprojekte zur Erneuerung und Erweiterung der Stromnetze in China haben vergangenes Jahr den Umsatz der Technologiegruppe Weidmann (früher Wicor) aus Rapperswil-Jona etwas gedrückt. Konkret sanken die Verkäufe um 1,8 Prozent von 367 auf 360 Millionen Franken. Zu spüren bekam die von Franziska Tschudi Sauber geführte Firmengruppe die geringere Nachfrage aus China in der weitaus grössten Sparte Electrical Technology, die Hochspannungs-Isolationsmaterial vor allem aus Cellulose für Transformatoren herstellt sowie Sensoren, Monitore usw. fertigt. In dieser Sparte sank der Umsatz von 330 auf 317 Millionen.

Zugelegt hat Weidmann dafür in der Sparte Medical Technology, von 37 auf 43 Millionen Franken. Hier entwickelt und fertigt das Unternehmen hochwertige Kunststoffspritzguss-Komponenten für die Medizintechnik und Pharmaindustrie. Grösster Umsatzträger sind Stechhilfen für Diabetiker, bei denen erhöhte Serien abgerufen wurden. Als ein innovatives Neuprojekt nennt Weidmann ein handliches und schlauchloses Insulinpumpensystem.

Reinraum der Weidmann-Sparte Medical Technology in Mexiko. (Bild: PD)

Reinraum der Weidmann-Sparte Medical Technology in Mexiko. (Bild: PD)

Hohe Hoffnungen in die Fasertechnologie

Noch ganz am Anfang steht die dritte Sparte Fiber Technology. Diese hat am Standort Rapperswil ein selbst entwickeltes Naturfaserwerk installiert und in Betrieb genommen, das mikrofibrillierte Cellulose (MFC) herstellt. Hier will man künftig aus Rohstoffen wie Holz oder Einjahrespflanzen Projekte mit Kunden in den Segmenten Spezialpapiere, Vliese, Verpackung und Kosmetik vorantreiben. Laut Tschudi ist die Entwicklung der Fiber Technology «dynamisch und Erfolg versprechend», und man habe neue Stellen schaffen können.

Insgesamt nahm die Zahl der Weidmann-Mitarbeitenden 2018 weltweit aber von 3165 auf 3106 ab. Dies im Wesentlichen wegen eines Abbaus in China und Brasilien. In der Schweiz ging die Beschäftigtenzahl geringfügig auf knapp 500 zurück. Der Rückgang betraf die Standorte Rapperswil, Ennenda GL und Chiasso in der Electrical Technology, während die Medical Technology in Bad Ragaz weiter ausgebaut hat.

Franziska Tschudi Sauber, Chefin der Weidmann-Gruppe in vierter Familiengeneration. (Bild: Urs Bucher)

Franziska Tschudi Sauber, Chefin der Weidmann-Gruppe in vierter Familiengeneration. (Bild: Urs Bucher)

China-Geschäft dürfte sich erholen

Betreffend Ertragslage sagt Tschudi, das operative Ergebnis sei im Vergleich zum Umsatz überproportional gesunken. Dies wegen eines starken Anstiegs des Rohstoffpreises für Cellulose im vergangenen Jahr. Zudem mache Weidmann am Standort Schweiz nach wie vor der starke Franken zu schaffen. Tschudi sagt aber auch, ihre cellulosebasierten Materialien seien ein idealer Werkstoff, um Kunststoffe durch natürliche, nachwachsende und vollständig abbaubare Rohstoffe zu ersetzen. Dies sei ein Megatrend, der immer stärker werde. Für 2019 erwartet Tschudi neben einer Fortsetzung der Dynamik der Fiber und der Medical Technology auch eine Belebung bei den Stromgrossprojekten in China, was den Umsatz der Electrical Technology anheben sollte.