Wegen Corona rezeptfreie Arzneimittel auch ohne Rezept versenden – «Es geht um den Schutz der Bevölkerung»

Walter Oberhänsli, der Chef der europaweiten Nummer eins im Apothekenversand, will eine Lockerung beim Onlinehandel mit rezeptfreien Medikamenten.

Stefan Borkert
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Walter Oberhänsli, CEO Zur Rose.

Walter Oberhänsli, CEO Zur Rose.

Bild: Donato Caspari

Die Frauenfelder Versandapotheke Zur Rose kritisiert schon lange, dass in der Schweiz rezeptfreie Medikamente nur gegen Rezept versendet werden dürfen. In vielen anderen Ländern ist das kein Problem. Das Versandgeschäft von Zur Rose hat seit Ausbruch der Corona-Krise einen kräftigen Schub erhalten. Das bestätigt CEO Walter Oberhänsli.

Warum soll die Rezeptpflicht für den Versand von rezeptfreien Medikamenten vorübergehend aufgehoben werden?

Walter Oberhänsli: Wir befinden uns in einer ausserordentlichen Situation. Zur Rose setzt alles daran, ihren Beitrag an die sichere Versorgung der Bevölkerung zu leisten, gerade mit Arzneimitteln, die jetzt sehr nötig sind. Dabei geht es darum, dass alle auf sicherem Weg das Nötige erhalten. Es ist richtig, dass kranke Personen sich Lebensmittel und rezeptpflichtige Medikamente nach Hause liefern lassen können. Es ist aber unverständlich, dass sie für den Bezug dringend notwendiger rezeptfreier Medikamente, welche Grippe- und Erkältungssymptome lindern, grundsätzlich in die Apotheke gehen müssen. Sie setzen dabei sich selber wie auch das Personal dem Risiko einer möglichen Covid-19-Ansteckung aus.

Wie wirkt sich die aktuelle Corona-Krise auf das Alltagsgeschäft und die Nachfrage bei Zur Rose aus?

Seit der Ausbreitung des Corona-Virus hat die Nachfrage sowohl nach rezeptpflichtigen als auch nach rezeptfreien Medikamenten und Gesundheitsprodukten auf Gruppenebene deutlich zugenommen. Insgesamt nutzen die Patienten und Kunden seit der Verbreitung des Virus vermehrt den Versandkanal.

Waren Sie auf den Ansturm vorbereitet?

Wir haben schnell die dafür notwendigen betrieblichen Massnahmen ergriffen. In Deutschland verfügen wir über Kapazitätsreserven von 50 Prozent, die wir zudem entsprechend hochfahren können. Als Gesundheitsversorger haben wir eine gesellschaftliche Verantwortung, deshalb müssen wir die operative Handlungsfähigkeit sicherstellen. Hierbei gilt es im Besonderen, die Versorgung der chronisch kranken Personen zu gewährleisten.

Können Sie zuverlässig liefern?

Aktuell bemühen wir uns sehr, aber es kann zu Verzögerungen kommen.

Aber andere Apotheken klagen über Lieferprobleme.

Wir stellen fest, dass es aufgrund der aktuellen Marktsituation teilweise zu Lieferengpässen bei Herstellern kommt. Die Situation ändert sich jedoch täglich, und man kann es nicht an einzelnen Medikamenten festmachen.

Der Bundesrat hat die Abgabe von Medikamenten eingeschränkt. Ist das gut so?

Absolut. Denn es ist das Ziel, die Versorgung mit lebenswichtigen Arzneimitteln vor dem Hintergrund der Covid-19-Epidemie auch längerfristig aufrechtzuerhalten. Zur Rose hat die nötigen Anpassungen in der Bestellabwicklung vorgenommen und entspricht diesen Vorgaben.

Ist es eine Chance für Zur Rose, dass der Medikamentenversand rechtlich nun doch eher erleichtert wird?

Es geht hier um die Frage, wie der Bund die Versorgung sicherstellen will. Insbesondere in der aktuellen Situation, in der die Menschen, wenn immer möglich zu Hause bleiben sollen, um sich und andere zu schützen. Versandapotheken wie Zur Rose können einen wirksamen Beitrag zum Schutz der Bevölkerung leisten.