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WEF: Der Elefant im Kongresszentrum

Gleichberechtigung, Freihandel und globale Zusammenarbeit: Kanadas Premier Justin Trudeau gibt am WEF den Gegenpol zum US-Präsidenten.
Yannick Nock
Ein Polizist beobachtet die Lage in Davos. (Bild: Gian Ehrenzeller/EPA (23. Januar 2018))

Ein Polizist beobachtet die Lage in Davos. (Bild: Gian Ehrenzeller/EPA (23. Januar 2018))

Yannick Nock

Er läuft nicht auf der Bühne, er federt über sie hinweg, wie man es sonst nur von Barack Obama kennt. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau (46) hatte gestern Abend in Davos seinen grossen Auftritt am WEF. Obwohl er den amerikanischen Präsidenten in seiner Rede ausklammerte, machte sein Erscheinen eines klar: Trudeau ist nicht nur als Gastgeber der G7 in Davos. Er ist auch zu Gast als Antipode des US-Präsidenten.

Wenn Donald Trump morgen tatsächlich in der Schweiz eintreffen wird, begegnen sich nicht nur zwei Staatschefs, es begegnen sich zwei Extreme: jung trifft auf alt, offen auf protektionistisch, stabil auf unberechenbar.

Die fünf Buchstaben, die der US-­Präsident so gerne an seinen Hotels anbringt, brachte Trudeau auch nach der Rede nicht über die Lippen. Und trotzdem war der Elefant im Raum immer spürbar. Trudeau setzte Schwerpunkte, die so gar nicht in Trumps Agenda passen: Gleichberechtigung, Freihandel und globale Zusammenarbeit. Besonders die Rolle der Frauen hob der Kanadier hervor: «Es ist an der Zeit, mehr Frauen einzustellen, zu befördern und ihre Führungsrolle anzuerkennen», sagte er. Der wirtschaftliche Aufschwung in Kanada hänge eng mit der Gleichberechtigung zusammen, dozierte Justin Trudeau. Firmen müssten nicht nur den gleichen Lohn für gleiche Arbeit zahlen, sondern auch den Elternurlaub überdenken. Am G7-Treffen im Juni in Kanada werde die Gleichberechtigung deshalb ganz oben auf der Agenda stehen.

Ein Schönling im Boxring

Trudeau, der zwischen seinen Landessprachen Englisch und Französisch hin und her wechselte, nutze die Gelegenheit am WEF auch, um einen Durchbruch zu verkünden: Elf Länder hätten sich auf ein neues Freihandelsabkommen im Pazifikraum geeinigt, rief er vom Podium herab. Darunter Kanada, Australien und viele südamerikanische und asiatische Länder «Es wird zum Nutzen aller Partner sein.» Die USA sind nicht dabei. Trump hatte ein bereits fertig ausgehandeltes Abkommen für eine Transpazifische Partnerschaft (TPP) nach seinem Amtsantritt aufgekündigt. Er setzt stattdessen auf seine «Amerika First»-Politik. «Wir sehen eine wachsende Skepsis gegenüber dem freien Handel weltweit», sagte Trudeau. Wer Trudeau zuhört, der gerne von «Change», «Hope» und der Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg spricht, wird ohnehin vielmehr an Vorgänger Obama als an Trump erinnert. Eines haben Trudeau und Trump aber doch gemeinsam. Sie wissen, wie sie die Medien, besonders die Fernsehsender, für ihre Zwecke nutzen können. Trump verdankt seine Popularität auch der TV-Show «The Apprentice», in der er genüsslich Leute feuerte.

Trudeau, der einst als Schönling und Weichei galt, stieg 2012 für einen PR-Stunt sogar in den Boxring. Er gewann nicht nur den Boxkampf gegen seinen politischen Gegner – einen konservativen Senator mit Kampfsporterfahrung –, er legte sich auch ein neues Image zu. Eines, das ihn bis ins Premierministeramt trug. Und jetzt nach Davos.

Am WEF richtete er dann auch den letzten Appell an die Mächtigen der Welt. «Wir müssen an die Menschen denken, die nicht in Davos sind.» Ansonsten würden wir die Welt unseren Kindern ungerechter überlassen, als wir sie vorgefunden hätten. Applaus. Justin Trudeaus Auftritt am WEF war gut. Antipode Trump wird sie am Freitag übertreffen wollen.

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