Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Absagen am Weltwirtschaftsforum: Davos erfährt die Grenzen der Globalisierung

Am diesjährigen Weltwirtschaftsforum fehlen neben Donald Trump viele andere Politik-Grössen. Sie bleiben zu Hause, weil sie unter anderem mit den Kollateralschäden der globalen Arbeitsteilung beschäftigt sind.
Daniel Zulauf
Die grossen Abwesenden am diesjährigen WEF: Chinas Staatschef Xi Jinping, US-Präsident Donald Trump, Russlands Präsident Wladimir Putin und Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich. (Bilder: Keystone)

Die grossen Abwesenden am diesjährigen WEF: Chinas Staatschef Xi Jinping, US-Präsident Donald Trump, Russlands Präsident Wladimir Putin und Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich. (Bilder: Keystone)

«Globalisierung 4.0: Gestaltung einer globalen Architektur im Zeitalter der vierten industriellen Revolution». Das Motto des 49. Weltwirtschaftsforums kommt wie gewohnt ambitioniert daher. Doch offensichtlich ist die Anziehungskraft des Symposiums heuer nicht mehr so gross wie noch im vorigen Jahr. Auf der diesjährigen Gästeliste, die WEF-Gründer Klaus Schwab wie immer eine Woche vor Beginn des Forums am Hauptsitz seiner Organisation in Cologny bei Genf vorstellte, fehlen mindestens aus der internationalen Politik viele grosse Namen.

Der Hauptabwesende ist natürlich US-Präsident Donald Trump, dessen letztjährige Aufwartung in Davos eine veritable Hysterie ausgelöst hatte und die gesamte restliche internationale Polit-Prominenz in den Hintergrund drängte. Umso grösser dürfte für den im Alter von 80 Jahren immer noch erstaunlich vital auftretenden Chef-Moderator die Enttäuschung sein, dass kein anderes politisches Schwergewicht Trumps Absage nutzen will, um sich auf der Davoser Bühne der Welt zu zeigen.

Nicht mit von der Partie sind der chinesische Staatschef Xi Jinping und der russische Präsident Wladimir Putin. Unter den bekanntesten WEF-Teilnehmern figurieren nebst der treuen deutschen Kanzlerin Angela Merkel deshalb Namen wie der japanische Premierminister Shinzo Abe, der sich zum zweiten Mal seit 2014 wieder in Davos zeigt und mit einer ganzen Delegation von Ministern und dem Notenbankgouverneur anreist.

Europas Elite macht sich rar

Der Handelsstreit zwischen China und den USA stellt für Japan eine besondere Bedrohung dar, vor allem wenn er zu einer weiteren Abwertung der chinesischen Währung führen sollte. Fünf Jahre nach seiner Wahl wird Abe vor der Weltgemeinde auch Bilanz über seine ultraexpansive Geld- und Fiskalpolitik ziehen wollen. Ähnlich wie in Europa mehren sich die Stimmen, die angesichts der nicht enden wollenden Flut von billigem Geld einen deutlich abnehmenden Eifer bei den wirtschaftspolitischen Reformen erkennen wollen.

Auch der neu gewählte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro nutzt die Plattform in den Schweizer Bergen, um sich der Weltöffentlichkeit vorzustellen. Von Bolsonaro werden Erklärungen erwartet, wie er die tiefen Gräben in der brasilianischen Gesellschaft zu überwinden gedenke und den Erwartungen einer glaubwürdigen Anti-Korruptionspolitik gerecht werden will. Auch der Südafrikaner Cyril Ramaphosa zeigt sich in Davos erstmals seit seiner Wahl 2018 zum Premierminister. Für Ramaphosa wird es nach der Währungskrise darum gehen, sein Land bei der internationalen Business-Gemeinde als zuverlässigen Standort für Investitionen beliebt zu machen.

Eher rar scheinen sich die europäischen Staatslenker zu machen. Aus Italien erwartet man zwar den Premierminister Giuseppe Conte, der zusammen mit seinem Wirtschaftsminister Giovanni Tria anreist. Doch der starke Mann in der italienischen Regierung heisst Matteo Salvini und der Innenminister bleibt in Rom. Wie viele andere Länder ist auch Italien in diesen Tagen intensiv mit der Bewältigung der Kollateralschäden der internationalen Arbeitsteilung beschäftigt. Während die drückende Schuldenlast den Handlungsspielraum der Politik einschränkt, droht das zunehmend schwache Wirtschaftswachstum die innenpolitischen Spannungen zu verschärfen.

Diese Erfahrung macht auch der französische Staatschef Emmanuel Macron, der angesichts der anhaltenden Proteste der Gelbwesten in seinem Land offensichtlich keine Zeit und Musse mehr findet, die bisweilen etwas abgehoben anmutenden Diskussionen in Davos mitzugestalten. Auch für die britische Premierministerin Theresa May liegt eine Reise ans WEF heuer nicht mehr drin. Das Chaos um den nahenden Brexit hält die Politikerin in London fest.

Dass Donald Trump heuer nicht in Davos erscheint, ist für den Journalisten und langjährigen WEF-Kenner allerdings kein Verlust. «Für mich war Donald Trumps Auftritt im vergangenen Jahr ein Tiefpunkt in der jüngeren Geschichte des WEF. Es war schwer zu verstehen, wie unkritisch und undifferenziert Klaus Schwab den amerikanischen Präsidenten empfangen hatte», sagt Jürgen Dunsch, der 2017 ein Buch über die Geschichte des WEF veröffentlicht hatte. Trump ist beileibe kein Globalisierungsbefürworter und seine Handelspolitik zeugt nicht vom Gedankengut eines Freihändlers. Dunsch findet:

«Das WEF muss sich als glaubwürdige Institution der Globalisierung neu erfinden.»

Das Beispiel zeigt in der Tat, dass der Ehrgeiz des WEF, möglichst viele illustre Gäste anzulocken, dem Ruf des Symposiums auch Schaden kann. Die Hoffnung besteht, dass die diesjährige US-Delegation mit Finanzminister Steven Mnuchin, Aussenminister Mike Pompeo, Handelsminister Wilbur Ross und dem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer ohne den Chef wirkungsvoller agieren kann. So oder so bleibt das WEF für den Bundesrat ein unverzichtbarer Termin. Die Regierung reist unter Führung von Bundespräsident Ueli Maurer zu dritt nach Davos.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.