Kampf um Passagiere und Fluglinien in Friedrichshafen.
WEF bringt 100 zusätzliche Flugbewegungen

Die Pleite der Fluggesellschaft Germania belastet den Bodensee-Airport. Davos bringt Businessflieger.

Stefan Borkert
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Friedrichshafen sucht noch weitere Airlines, um den Ausfall der Fluggesellschaft Germania zu kompensieren.

Friedrichshafen sucht noch weitere Airlines, um den Ausfall der Fluggesellschaft Germania zu kompensieren.

Bild: PD

Das WEF in Davos wirft seine Schatten voraus bis über die Grenze nach Friedrichshafen zum Bodensee-Airport. Jährlich bringe Davos rund 100 zusätzliche Flugbewegungen, sagt Flughafensprecher Andreas Humer-­Hager. Die Geschäftsleute würden bis aus den USA und China anreisen. Teils würden sie mit dem Helikopter weiterfliegen, teils setze man sie in Zürich ab und parke das Flugzeug in Friedrichshafen. Viele würden auch mit Limousinen oder per Bahn weiter ans WEF fahren.

Insolvenz wirkt nach

Eigentliches Thema der Information waren die Passagierzahlen. Rund 490000 Passagiere nutzten den Bodensee-Airport 2019. Das bedeutet einen Rückgang um 51000. Positive Entwicklungen in diversen Marktsegmenten hätten den Rückgang der Passagierzahlen um 9,4 Prozent nicht verhindern können.

Hauptursache dafür war die Insolvenz der Germania, die bisher ein Drittel des Passagier­volumens beförderte. Es gelang immerhin, insgesamt sechs zusätzliche Airlines für regelmässige Flüge neu zu gewinnen. Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer der Flughafen Friedrichshafen GmbH, erklärt, der Rückgang hätte höher ausfallen können. Doch dank der zügigen Marktbearbeitung habe man neue Touristikairlines geholt und bereits in Friedrichshafen tätige Fluggesellschaften wie Corendon Airlines von einer deutlichen Angebotsausweitung überzeugen können. Beim Linienverkehr konnte, laut Wehr, ein Zuwachs von 11 Prozent verzeichnet werden. Dazu hätten vor allem die regionale Fluggesellschaft Sun-Air mit ihren zwei zusätzlich angebotenen Routen beigetragen. Steigende Passagierzahlen gab es auch bei Turkish Airlines, Air Serbia und Wizz Air.

176 000
Passagiere hatte Germania am Bodensee-Airport befördert. Das waren33 Prozent
aller Fluggäste des Regionalflughafens
Friedrichshafen.

Weiter sind mehr Wintergäste aus Grossbritannien an den Bodensee geflogen. Hier konnte ein Plus von 25 Prozent erreicht werden. Wehr betont, das sei umso bemerkenswerter, weil ein grosser britischer Skicharterveranstalter Konkurs gegangen sei. Entsprechend hart umkämpft sei der Markt.

Einen positiven Sondereffekt gab es durch die vorübergehende Schliessung des Flughafens Memmingen, was Friedrichshafen 32000 zusätzliche Passagiere brachte.

Germania geht in Schweizer Hände über

Die Schweizer Fluggesellschaft Germania, an der die konkursite Germania bislang zu 40 Prozent beteiligt war, hat neue Aktionäre gefunden. Ausserdem werde eine Anpassung des Markenauftritts derzeit geprüft.