Wechsel
Finma-Chef Mark Branson wird Präsident der deutschen Finanzaufsicht – sein Start in der Schweiz war unglücklich

Der Chef der Schweizer Finanzmarktaufsicht soll der deutschen Behörde «mehr Biss» verleihen. Bei der Finma entpuppte er sich als standfester Finanzpolizist.

Daniel Zulauf
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Mark Branson hat sich in seinen sieben Jahren als Finma-Chef internationl viel Respekt unter den Finanzmarktaufsehern erarbeitet.

Mark Branson hat sich in seinen sieben Jahren als Finma-Chef internationl viel Respekt unter den Finanzmarktaufsehern erarbeitet.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) braucht nach den gravierenden Versäumnissen im Zusammenhang mit dem Wirecard und dem Greensill-Skandal dringend eine Imagepolitur. Für diese soll ausgerechnet der oberste Finanzpolizist aus der Schweiz sorgen. Mark Branson, seit genau sieben Jahren Chef der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma), soll «die Reform der Bafin fortsetzen, damit die Finanzaufsicht mehr Biss erhält», formulierte Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Montag in einer Pressemitteilung die Erwartung an den 52-jährigen Wahlschweizer britischer Herkunft. Branson soll Mitte Jahr nach Frankfurt wechseln.

Die Berufung entbehrt nicht einer Portion Ironie. Schliesslich war nach all den Jahren des heftigen Steuerstreites nicht damit zu rechnen, dass sich die deutsche Politik just in der Schweiz zusätzliches Know-how im Bereich der Finanzmarktaufsicht beschaffen würde. Allerdings hatten die Finanzminister der beiden Länder schon 2013 eine Vereinbarung zur «Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Finanzbereich» getroffen und das Ende der Eiszeit eingeläutet.

Wechsel kommt nicht überraschend

Dass Branson, der «international hoch anerkannte Fachmann» (Scholz) irgendwann bei einer ausländischen Behörde landen würde, kommt für den früheren Finma-Präsidenten Eugen Haltiner aber nicht überraschend. «Er ist ein exzellenter Mann, ich hätte gedacht, es würde ihn zurück in Richtung Grossbritannien ziehen.» Haltiner hatte Branson 2010 in die Finma geholt. Diese war damals gerade erst von einer Bundesbehörde (der «Eidgenössischen Bankenkommission») in die heutige, finanziell wie auch politisch weitgehend selbständige, Institution umfunktioniert worden.

Vier Jahre später wurde Branson vom Bundesrat zum Direktor gewählt. Sein Bewerbungsdossier war lückenlos: Studium von Mathematik und Management in Cambridge. 16 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche – zuerst als Berater, dann als Leiter Kundensupport der Credit Suisse in London und später bei der UBS, zuletzt als Finanzchef für das globale Vermögensverwaltungsgeschäft. Trotzdem dauerte es ganze drei Monate, bis der Bundesrat die Wahl des Wunschkandidaten des Finma-Verwaltungsrates endlich bestätigte. Das langwierige Wahlprozedere provozierte allerlei Missverständnisse, zumal sich Bransons Vorgänger bei den Banken reichlich unbeliebt gemacht hatte.

Bransons Finma-Start war unglücklich

Die Bankiervereinigung adressierte an den frisch gewählten Branson denn auch gleich die Erwartung, dass dieser «wieder vermehrt den Geist des Vertrauens und der Zusammenarbeit» mit den Banken aufleben lassen und die Regulierung «verstärkt auf ihre Marktfähigkeit» prüfe. «Nur so gelangen die Banken aus der Schweiz gegenüber dem Ausland nicht weiter ins Hintertreffen», mahnte die Bankenlobby.

Ein Schmusehündchen der Banken ist Branson trotz dieses eher unglücklichen Startes nicht geworden. Vielmehr zeigte sich der schmächtige Finanzpolizist schon bald von seiner standfesten Seite. Im November 2014 liess er den UBS-Präsidenten Axel Weber und dessen damaligen CEO Sergio Ermotti alt aussehen, als er der Öffentlichkeit die Erkenntnisse der Finma zum wettbewerbsschädlichen Verhalten der Grossbank im internationalen Devisenhandel präsentierte. In den Jahren darauf ging er entschlossen gegen lasche Praktiken der Banken in der Geldwäschwerei-Bekämpfung vor.

«Stolz auf das Erreichte»

Die traditionsreiche Banca della Svizzera Italiana wurde 2016 auf behördliches Geheiss abgewickelt. Branson hat bislang stets die Auffassung vertreten, dass die Finma keine Bussenkompetenzen benötige. Die Aufsicht sei keine Strafbehörde. Sie könne die Beaufsichtigten mit gezielten Massnahmen wie Berufsverboten gegen Entscheidungsträger oder mit Einschränkungen der Geschäftstätigkeit effizienter sanktionieren als mit der Geldstrafen.

Branson sagt laut Medenmitteilung, der Abschied falle ihm «extrem schwer». Er sei «sehr stolz auf das, was wir als schlanke Behörde in einer sehr anspruchsvollen Zeit immer wieder gemeinsam erreicht haben.» Die Finma-Präsidentin Marlene Amstad lobt ihren scheidenden Direktor mit den Worten: «Finma-Direktor ist ein extrem anspruchsvoller Job. Mark Branson hat ihn hervorragend gemacht.» Die operative Leitung der Finma übernimmt ab «bis auf Weiteres» Anfang Mai Jan Blöchliger, der bereits in führender Stellung bei der Behörde tätig ist.

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