Was Unternehmern wichtig ist: «Den Arbeitsmarkt offen halten»

Aussenpolitik ist oft auch Wirtschaftspolitik. Unternehmer erwarten davon Impulse fürs Geschäft, wie sich an einem IHK-Podium zeigte.

Thomas Griesser Kym
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Bühler-Chef Stefan Scheiber sorgt sich um die Offenheit des Arbeitsmarkts und beklagt bürokratische Hindernisse.

Bühler-Chef Stefan Scheiber sorgt sich um die Offenheit des Arbeitsmarkts und beklagt bürokratische Hindernisse.

Bild: Michel Canonica

Was erwarten exportstarke Ostschweizer Unternehmer von der Aussenpolitik? Diese Frage richtete am Montagabend am «Business Outlook»-Podium der IHK St. Gallen-Appenzell Moderator Pascal Hollenstein, publizistischer Leiter von CH Media, an Stadler-Patron Peter Spuhler und Bühler-Chef Stefan Scheiber.

Handelsverträge seien wichtig, waren sich die beiden einig, aber sie müssten für die Firmen ausführbar ein. Scheiber nannte als negatives Beispiel bürokratischer Hindernisse die Beschaffung von Visa für Leute aus aller Welt, die Bühler zwecks Ausbildung in seinen brandneuen Innovationscampus Cubic einbestellt, in den der Konzern 50 Millionen Franken investiert hat. Scheibers Forderung: «Wir müssen den Arbeitsmarkt offen halten, er muss offen bleiben.»

«Wir müssten uns neu erfinden»

Folglich sind Scheiber und Spuhler gegen die Begrenzungsinitiative, die am 17. Mai vors Stimmvolk kommt, denn sie würde das Ende der Personenfreizügigkeit bedeuten und in der Folge, wie Bundesrat Ignazio Cassis sagte, auch das Ende der bilateralen Verträge mit der EU.

Hat der Bundesrat für den Fall eines Jas zur Initiative einen Plan B? Cassis wich aus: «Wir müssten uns neu erfinden, wie damals 1992», nach dem Nein des Stimmvolks zum EWR.

«Weltfremde» Konzernverantwortungsinitiative

Stadler-Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler kann der Konzernverantwortungsinitiative wenig bis nichts abgewinnen.

Stadler-Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler kann der Konzernverantwortungsinitiative wenig bis nichts abgewinnen.

Gian Ehrenzeller, Keystone

Welche Wünsche haben die Unternehmer noch an die Aussenpolitik? «Vertragliche Rechtssicherheit», sagte Spuhler, «damit wir wissen, wo wir investieren können». Zudem sprach er sich gegen die Konzernverantwortungsinitiative aus. Diese sei «weltfremd». Stadler könne unmöglich für jedes Bauteil von Unterlieferanten verantwortlich gemacht werden für die ganze Lieferkette.

Und Scheiber appellierte generell an politische Unterstützung für die Schweizer Industrie. Denn sie sei es, die Lösungen entwickle, so im Falle Bühlers etwa punkto Ernährung.