Was drin ist, muss draufstehen

Die EU will, dass Nährwert und Energiegehalt von Lebensmitteln auf der Verpackung deklariert werden. Bei Frischfleisch ist das Herkunftsland anzugeben. Imitate sind glasklar zu kennzeichnen.

Marianne Truttmann
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Brüssel. Die EU verschärft die Vorschriften zur Kennzeichnung von Lebensmitteln. Das Europäische Parlament hat den mit dem Rat und der Kommission ausgehandelten Kompromiss gebilligt, der den Konsumenten klarere Informationen über die Produkte verschaffen soll. Für die Umsetzung der Regulierung gelten Fristen von drei bis fünf Jahren.

Die Schweiz begrüsse die verbesserte Information für die Konsumenten, sagt Elisabeth Nellen-Regli, die im Bundesamt für Gesundheit zuständig ist für Lebensmittelsicherheit. Das gelte besonders für die obligatorischen Nährwertangaben. Um keine Handelshemmnisse zu schaffen, passt die Schweiz im allgemeinen ihr Lebensmittelrecht der EU an. Einzelne Punkte, etwa die Herkunftsbezeichnungen, waren bisher strenger geregelt als in der EU. Die genauen Auswirkungen für die Schweiz müssen laut Nellen-Regli erst noch analysiert werden.

Den EU-Mitgliedstaaten und der Nahrungsmittelindustrie ist es gelungen, den 2008 vorgestellten Vorschlag der Kommission deutlich abzuschwächen. Das von den Konsumentenorganisationen geforderte Ampelsystem war auf ihren Druck hin schon im Vorschlag nicht mehr enthalten. Bei dem System, das in den USA und in Grossbritannien gilt, wird durch die Farben Rot, Orange und Grün signalisiert, ob die Produkte viel oder wenig Zucker oder Fett enthalten. Die Industrie schlug als Alternative freiwillige Nährwert- Kennzeichnungen vor. Dabei wird auf der Packung eine empfohlene Tagesdosis (GDA) angegeben.

Im Verhältnis zur Menge

Die neue EU-Regulierung, die ab 2014 umgesetzt werden soll, schreibt aber nun vor, dass der Gehalt an Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlehydraten, Zucker, Eiweiss und Salz im Verhältnis zu 100 g oder 100 ml angegeben werden muss. Informationen zur GDA, die mittlerweile weit verbreitet sind, bleiben freiwillig.

Neu muss ab 2014 das Herkunftsland von Frischfleisch, konkret Fleisch von Schwein, Geflügel, Schaf und Ziege, deklariert werden. Für Rind gilt diese Pflicht seit der BSE-Krise. Herkunftsbezeichnungen für verarbeitetes Fleisch sowie für Milch und Milchprodukte werden geprüft.

Analogkäse, geklebter Schinken

Kulinarische Fälschungen wie Analogkäse aus Pflanzenöl oder aus Einzelfasern geklebter Schinken und Fisch müssen für den Konsumenten klar erkennbar deklariert werden. Deutlich ausgewirkt hat sich das Wirken der Lobby bei den Kennzeichnungen für Alkoholika. Diese sind nun – abgesehen vom Alkoholgehalt – völlig ausgenommen. Die Kommission wollte besonders bei Alcopops, also Getränken, mit denen Jugendliche in den Alkoholkonsum einsteigen, eine Deklaration, etwa über den Zuckergehalt.