Kultur am Arbeitsplatz: Warum wir täglich aufstehen

Die FHS fragte, welche Werte am Arbeitsplatz wichtig sind. Am 3. New Work Forum in der St.Galler Lokremise wurden die Resultate vorgestellt.

Kaspar Enz
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Goba-Chefin Gabriela Manser mit FHS-Rektor Sebastian Wörwag.

Goba-Chefin Gabriela Manser mit FHS-Rektor Sebastian Wörwag.

Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 8. Januar 2020)

Wie wichtig ist die Kultur für Unternehmen? Erste Antworten suchte Sebastian Wörwag zu Beginn des dritten New Work Forums im ewigen Eis. Dass es Roald Amundsen war, der vor über 100 Jahren den Südpol erreichte, könnte mit seinem menschlichen Führungsstil zu tun haben, so der Rektor der Fachhochschule St.Gallen (FHS). Auf seinem Schiff hatte er eine Republik errichtet. Sein Konkurrent Robert Scott führte militärisch – und kehrte nicht zurück.

Eine menschenorientierte Führung und Kultur würden allerdings viele Arbeitnehmer vermissen, sagten FHS-Rektor Wörwag und seine Mitarbeiterin Alexandra Cloots am New Work Forum in der St.Galler Lokremise. In ihrer letzten Studie entdeckten sie erschreckendes. Nur 12 Prozent der Befragten sagte damals, ihre Arbeit entwickle sich mit der Digitalisierung in eine menschlichere Richtung. Dabei ist genau das das Versprechen der «New Work», der Arbeit im digitalen Zeitalter.

Selbstverwirklichung und Gemeinschaft

In ihrer neusten Umfrage interessierten sich Wörwag und Cloots deshalb für Arbeitskulturen und -werte. Am Forum präsentierten sie die Resultate. Danach ist Selbstverwirklichung ein wichtiger Antrieb, um arbeiten zu gehen. Ebenso wichtig ist die Gemeinschaft im Team. Mit je 86 Prozent waren das die meist genannten Werte, dicht gefolgt von der sozialen Sicherheit für die Familie. Nur für 61 Prozent ist hingegen Wohlstand ein wichtiger Antrieb. Allerdings finden viele Arbeitnehmer ihre Werte am Arbeitsplatz nicht umgesetzt: Nur 47 Prozent sind mit der gelebten Kultur im Unternehmen zufrieden. Statt Regeln und Hierarchien wünschen sie sich mehr Beteiligung, Fehlerkultur und weniger Hierarchie.

Allerdings lässt sich eine Kultur kaum von Oben verändern. Aber Führungskräfte kommt eine wichtige Rolle zu: Sie müssten die Arbeitskultur glaubhaft vorleben, zeigt die Umfrage. Doch hier klaffen Anspruch und Realität weit auseinander.

Sorgsamer Umgang mit Mitarbeitenden

Auf dem Podium gaben dann drei Führungspersönlichkeiten Auskunft darüber, wie sie ihre Kultur gestalten. «Unsere Philosophie ist es, mit Ressourcen sorgsam umzugehen», sagte Goba-Chefin Gabriela Manser. Zu den Ressourcen gehören auch die Mitarbeitenden. Ihr Führungsstil sei partizipativ. «Es ist wichtig, dass wir sie gern haben», sagt Manser. «Dann kommen Flaschen heraus, die nicht nur den Durst löschen, sondern auch Freude machen.»

Digitalisierung polarisiert

Damit rief Manser in Erinnerung, was der Philosoph Philipp Tingler früher am Tag gesagt hatte. Im Zuge der Digitalisierung stellt er eine Polarisierung fest. So gebe es immer mehr Produkte, die neben ihrem Zweck eine Geschichte erzählen und Werte transportieren. «Andererseits gibt es eine Flut von Billigprodukten.» Eine Polarisierung, die ganz ähnlich die Arbeitswelt, und mit ihr die Gesellschaft zu spalten drohe: Hier die hochqualifizierten Wissensarbeiter, dort die wachsende Masse der einfachen Dienstleistungsjobs in Transport, Logistik oder Pflege. «Dazu gehören auch unterschiedliche Arbeitskulturen.» Hier die freie Kreativwirtschaft, dort die auf Effizienz getrimmte Dienstleisterklasse. Die Mitte der klassischen Angestellten schrumpfe, warnte Tingler.