Warum Lufthansa und mit ihr auch die Swiss vor einem reichen Mann zittern müssen

Die Lufthansa-Rettung schien gesichert. Doch nun taucht ein Grossaktionär auf, der alles zunichte machen könnte – auch für die Swiss.

Christoph Reichmuth, Berlin
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Die Lufthansa steht vor einer entscheidenden Aktionärsversammlung.

Die Lufthansa steht vor einer entscheidenden Aktionärsversammlung.

Ronald Wittek / EPA

Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat der schwerreiche Industrielle Heinz Hermann Thiele seine Aktienanteile am Lufthansa-Konzern seit Anfang März erhöht, von etwa fünf Prozent auf über 15. Und vorige Woche hat Thiele acht Millionen Aktien seines Unternehmens Knorr-Bremse verkauft. Mit welcher Absicht? Will er auch die 700 Millionen Euro Erlös in Lufthansa-Aktien stecken?

Der Münchner Industrielle, der von Bloomberg mit einem geschätzten Vermögen von 15,5 Milliarden Dollar auf Platz 74 der reichsten Menschen der Welt geführt wird, könnte für die Lufthansa und auch für deren Schweizer Tochter Swiss zu einem echten Problem werden. Am Donnerstag steht die Hauptversammlung des Lufthansa-Konzerns an. Eigentlich sollte dann das mühsam mit der Bundesregierung ausgehandelte 9-Milliarden-Euro-Rettungspaket abgesegnet werden.

Thiele will den Staat nicht dabei haben

Heinz Herrmann Thiele hält über 15 Prozent der Lufthansa-Aktien.

Heinz Herrmann Thiele hält über 15 Prozent der Lufthansa-Aktien.

Bild: Hannelore Foerster / imago stock&people

Doch jetzt ist die Rettung ist plötzlich in der Schwebe. Nicht nur Lufthansa-Chef Carsten Spohr zittert vor Thiele. Auch die Swiss-Manager dürften nervös auf die virtuell durchgeführte Hauptverhandlung blicken. Denn Thiele, grösster Einzelaktionär der Lufthansa, hat es in der Hand, das Hilfspaket zu versenken und die Lufthansa ins Schutzschirm-Verfahren oder die Insolvenz zu zwingen.

Für die Hauptverhandlung haben sich deutlich weniger als 50 Prozent der Aktionäre angemeldet. Für die Zustimmung zum Stabilisierungspaket braucht es eine Zweidrittel-Mehrheit. Die kriegt Thiele, der sich mit dem Hilfspaket unzufrieden zeigt, mit seinem Aktienpaket zusammen. Wenn das Lufthansa-Stützprogramm scheitert, würde auch die Swiss die vom Schweizer Parlament abgesegnete Staatshilfe wohl nicht erhalten.

Der Jurist Thiele stört sich vor allem an der Tatsache, dass der Staat bei der Lufthansa künftig mitreden will. Das Stabilisierungspaket sieht auch eine staatliche Beteiligung am Konzern von 20 Prozent vor. Thiele sieht dadurch die Gefahr, dass seine Aktienwerte und die der anderen Anleger verwässert werden. Vor allem aber hält der Firmenpatron den Staat für einen schlechten Unternehmer – gerade in Fällen, wo schmerzhafte Sanierungsschritte notwendig werden. Thiele sagte gegenüber der FAZ:

«Kommt ein Sanierungsplan auf den Tisch mit einem vermuteten Abbau von mehr als 10'000 Arbeitsplätzen gerät die Bundesregierung in die politische Bredouille.»

Thiele möchte das Rettungspaket am liebsten neu verhandeln, den Staat aussen vor lassen und einen neuen Sanierungsplan, etwa über Kredite, aufziehen. Der Industrielle wollte nicht ausschliessen, die Lufthansa notfalls in ein Schutzschirm-Verfahren oder in die Insolvenz zu bugsieren. «Die Existenz der Lufthansa wäre in einer Insolvenz nicht am darauffolgenden Tag erledigt», sagte er. Branchenexperten glauben, dass Thiele bei einer Insolvenz Gewinne einstreichen und seinen Einfluss bei der Lufthansa ausbauen könnte.

Am Montag wurde Thiele von der Regierung zum Gespräch geladen. Ob es gelungen ist, ihn zum Einlenken zu bewegen, ist ungewiss. Finanzminister Olaf Scholz machte deutlich, dass die Regierung nicht nachverhandeln will. Lufthansa-Chef Spohr versucht derweil, die Belegschaft in einem Brief zu beruhigen. Auch im Falle eines Scheiterns sei nicht alles verloren. Der Konzern habe «umfangreiche Vorbereitungen getroffen, unter anderem, um ein Grounding zu verhindern.»

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