Wandel trifft KMU sehr unterschiedlich

Thorsten Fischer
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Digitalisierung Die grossen Konzerne treiben die Digitalisierung munter voran, die Klein- und Mittelunternehmen (KMU) zaudern – eine Einschätzung, die rasch zur Hand ist, aber der komplexen Realität kaum gerecht wird. Zum einen sind es gerade Kleinstunternehmen und Start-ups, die neue Technologien voranbringen und damit alteingesessene Grossunternehmen konkurrenzieren. Zum andern ist es nicht einfach Skepsis gegenüber digitalen Neuerungen, dass sich die KMU teilweise zurückhalten.

Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in St. Gallen (FHS) ist in ihrem KMU-Spiegel 2017 der Digitalisierung in den Schweizer Klein- und Mittelunternehmen auf den Grund gegangen. Eine interessante Erkenntnis dabei: KMU fehlen oft die notwendigen finanziellen Ressourcen, um den hohen Investitionsbedarf der Digitalisierung stemmen zu können. Damit liegen die grössten Herausforderungen nicht allein auf der technischen Seite. Investitionen braucht es beispielsweise wegen steigender Anforderungen an die Datensicherheit, wie die FHS festhält.

Kerngeschäft kann sich verschieben

Ein weiterer Trend, den es zu beachten gelte: Mehr und mehr Produktfunktionen seien softwaregesteuert, so dass Software gegenüber Hardware an Bedeutung gewinne. «Das kann für viele KMU eine Veränderung des Kerngeschäfts bedeuten.» Dienstleistungen und massgeschneiderte Lösungen rückten in den Mittelpunkt. Die Entwicklung kann auch zur Auflösung von Branchengrenzen beitragen. In der digitalen Welt übernehmen oft ganz andere Akteure die Marktführerschaft als in der analogen Welt.

Rigo Tietz, einer der Studienautoren, betont zudem, dass die meisten Unternehmen bereits digitale Projekte verfolgen. Jedoch seien für die unterschiedlichen Branchen jeweils ganz verschiedene digitale Themen von Bedeutung. Im produzierenden Gewerbe und der Baubranche haben Effizienzsteigerungen oberste Priorität. Für Dienstleistungsunternehmen ist es die Automatisierung. Im Handel und im Gastgewerbe wiederum seien marktbezogene Aspekte sehr wichtig, wie neue Kunden und ­digitale Vertriebswege.

Thorsten Fischer

www.fhsg.ch/kmu-spiegel