Währungen trüben Ausblick

Die Logiernächte von Januar bis Juni sind im Vergleich zum Vorjahr nur minim zurückgegangen. Die grösste Sorge im Schweizer Tourismus, den starken Franken, vermag das nicht zu verscheuchen – im Gegenteil.

Hans Bärtsch
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Touristen blicken auf das Dorf Sent im Engadin. Nach wie vor kommen viele Gäste aus dem asiatischen Raum in die Schweiz. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Touristen blicken auf das Dorf Sent im Engadin. Nach wie vor kommen viele Gäste aus dem asiatischen Raum in die Schweiz. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Bern. Die Halbjahreszahlen der Schweizer Hotellerie sind insgesamt nicht so schlecht. Gegenüber 2010 registrierte das Bundesamt für Statistik (BfS) laut Mitteilung von gestern lediglich ein Minus von 0,2% auf 17,4 Mio. Logiernächte. Im Detail haben es die Zahlen aber in sich. Bei Gästen aus dem Ausland war nämlich ein Minus von 0,9% (auf 9,9 Mio. Logiernächte) zu verzeichnen, bei Gästen aus dem Inland ein Plus von 0,8% (auf 7,6 Mio. Logiernächte).

Bei der ausländischen Nachfrage war die Entwicklung extrem gegensätzlich. Schwellenländer wie Russland (+12,1%), Indien (+28%), China (+36,9%) und Brasilien (+20,2%) glänzten mit zweistelligen Zuwachsraten. Bei den Gästen aus Europa kam es zu einem Rückgang von insgesamt 4,7% oder 366 000 Logiernächten. Allein Deutschland schlug mit einem Minus von 7,6% oder 225 000 Logiernächten zu Buche.

Alpenraum besonders betroffen

Der Grund für die Rückgänge aus dem europäischen Raum – und damit den wichtigsten Herkunftsländern für den Schweizer Tourismus – ist leicht auszumachen: der starke Franken. Darauf weist auch der Schweizer Branchenverband Hotelleriesuisse in einer Medienmitteilung hin. Dank des Wachstums in den grossen Städten sowie der inländischen Nachfrage sei der Logiernächterückgang im ersten Halbjahr moderat verlaufen. Im Alpenraum dagegen habe der starke Franken «deutliche Spuren» hinterlassen.

Eine Aussage, die von den BfS-Zahlen untermauert wird: In den wichtigsten Tourismusregionen Graubünden (–6% auf 2,9 Mio.) und Wallis (–3,5% auf 2,2 Mio.) gingen die Übernachtungen von Januar bis Juni markant zurück. Eine Tendenz, die sich fortsetzen dürfte. Hotelleriesuisse-Direktor Christoph Juen: «Gerade für die Ferienhotellerie sind die Aussichten leider sehr düster.» Zu den Einbussen aus den Euromärkten komme erschwerend dazu, dass die Schweizer Gäste aufgrund des starken Frankens – respektive schwachen Euro und Dollars – künftig vermehrt ihre Ferien im Ausland buchen dürften.

«Zügig Massnahmen umsetzen»

In Anbetracht der schwierigen und ungewissen Lage auf den Währungsmärkten findet Hotelleriesuisse Massnahmen angezeigt, welche «zügig umgesetzt werden können und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche nachhaltig stärken». Konkret nennt der Verband das vom Bund in diesem und im nächsten Jahr mit 12 Mio. Fr. unterstützte Impulsprogramm von Schweiz Tourismus. Das Budget des Dachverbandes soll in den nächsten vier Jahren neben dem laufenden Impulsprogramm um 10% auf 210 Mio. Fr. aufgestockt werden.

Beworben werden müsse das Tourismusland Schweiz auf allen Ebenen: in der Schweiz selber, in Europa und in den aufstrebenden Staaten. Ein Dorn im Auge ist dem Verband auch der «hohe Kostendeckel» der Schweizer Hotellerie, den es zu schleifen gelte. So plädiert der Verband für die Öffnung der Agrarmärkte, eine Reform der Mehrwertsteuer (mit einem tieferen Satz für Beherbergung und Gastronomie) und flankierenden Massnahmen zum Landes-Gesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes.

Personalabbau ist möglich

Dass die Situation im Schweizer Tourismus ernst ist, wird von einer ebenfalls gestern veröffentlichten Umfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) unterstrichen. Demnach erwartet insbesondere die Hotellerie eine sinkende Nachfrage. Deshalb dürfte auch Personal abgebaut werden. Wie die KOF-Umfrage ebenfalls ergibt, könnten überdies die Preise erstmals seit zwei Jahren sinken. Etwas weniger pessimistisch wird die Lage in der Gastronomie eingeschätzt. Restaurants dürften ihren Personalbestand in etwa beibehalten.

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