WÄHRUNG: Frankenhüter bleiben unter Strom

Anhaltend kräftige Interventionen am Devisenmarkt im Kampf gegen die Frankenstärke machen die Schweizerische Nationalbank angreifbar.

Daniel Zulauf, Zürich
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Drei Wochen nach dem Sieg Emmanuel Macrons in der französischen Präsidentschaftswahl ist in der Eurozone politisch etwas Ru­he eingekehrt. Doch die Schweizerische Nationalbank (SNB) scheint davon wenig zu spüren. Kommenden Mittwoch publiziert sie den jüngsten Stand der Devisenreserven, und es ist absehbar, dass die Bilanzposition auch im Mai kräftig gewachsen ist. Ein starkes Indiz dafür ist der aggregierte Saldo der Girokonten der inländischen Geschäftsbanken, die per vergangenen Freitag 489 Mrd. Fr. bei der SNB parkiert hatten. Das sind 11 Mrd. Fr. oder über 2% mehr als Ende April. Weil die Devisenanlagen erfahrungsgemäss überproportional zunehmen, ist mit einer weiteren starken Saldoausweitung dieser dominanten Bilanzposition zu rechnen.

Macrons Wahl hat offensichtlich mindestens die Stimmung kurzfristig orientierter Investoren oder Spekulanten an den Devisenmärkten zu Gunsten des Euro verändert. Besonders institutionelle Investoren mit Schweizer Bezug (zum Beispiel die Kassenwarte der Grosskonzerne) aber sind weiterhin zurückhaltend gegenüber Anlagen im Euro. Grund dafür dürfte sein, dass sich an der Politik der Europäischen Zentralbank(EZB) bis dato nichts geändert hat. Tatsächlich gibt es keine Anzeichen für ein vorzeitiges Ende des EZB-Anleihenkaufprogramms. Jedenfalls ist SNB-Chef Thomas Jordan noch weit davon entfernt, den Franken sich selber überlassen zu können.

Ein starker Rückgang des Konjunkturbarometers der ETH-Konjunkturforschung KOF im Mai zeigt an, dass vor allem die Industrie und grosse Teil der Exportwirtschaft nach wie vor unter dem starken Franken leiden. Ein Euro kostet derzeit gut 1.09 Fr., und ein Dollar ist für unter 97 Rp. zu haben. Eine Umfrage der Credit Suisse bei Finanzanalysten zeigt zudem, dass fast die Hälfte dieser Marktbeobachter den fairen Euro-Franken-Kurs irgendwo zwischen 1 und 1.10 Fr. sehen respektive dass sie nicht mit einer baldigen Änderung der Notierung rechnen.

Das sind keine guten Aussichten für die SNB. Sie droht erneut unter Druck zu geraten, wenn das US-Finanzministerium den nächsten halbjährlichen Bericht über potenzielle und tatsächliche Währungsmanipulatoren vorlegt. In der letzten Publikation im April war die Schweiz bereits zum zweiten Mal mit Ländern wie China, Japan, Südkorea und Deutschland auf der Beobachtungsliste gelandet. Mit einem Handelsbilanzüberschuss gegenüber Amerika von 17,2 Mrd. Fr. war die Schweiz 2016 in einem der drei Pranger-Kriterien nur noch wenig von der kritischen Marke von 20 Mrd. $ entfernt. Insgesamt erreichte der Aussenhandelsüberschuss der Schweiz 2016 mit 37,5 Mrd. Fr. fast 6% des Bruttoinlandproduktes. Für die USA genügen 3%, um ein Land in den Kreis der als Währungsmanipulatoren verdächtigten Länder aufzunehmen. Ironischerweise ist die SNB-Politik hauptsächlich eine Reaktion auf die ultraexpansiven Schritte anderer Notenbanken. So gesehen lässt sich der Schweiz kaum böse Absicht vorwerfen. Wie das die US-Regierung beurteilt, bleibt abzuwarten.

Daniel Zulauf, Zürich