Wachstumsschub braucht Zeit

Das Freihandelsabkommen der Schweiz mit China, das seit vergangenem Juli in Kraft ist, gilt als Meilenstein der Schweizer Aussenwirtschaftspolitik. Die Wirkung ist aber noch begrenzt.

Alexa Clemenz Berger/sda
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BERN. Seit das Freihandelsabkommen (FHA) gültig ist, sind laut der Handelsstatistik der Eidgenössischen Zollverwaltung die Schweizer Exporte nach China im Vergleich zur Vorperiode um 3,5% gestiegen. Mit 5,7% legten die Importe stärker zu. Verglichen wurde dabei jeweils der Zeitraum von Juli bis April. Damit ist der Aussenhandel der Schweiz mit China stärker gewachsen als mit der übrigen Welt. Hier nahmen die Exporte um 1,7% und die Importe um 2,6% zu, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) sagt.

Wichtiger Handelspartner

China blieb 2014 sechstgrösster Exportmarkt für Schweizer Produkte und viertgrösster Lieferant der Schweiz. Das Handelsbilanzdefizit gegenüber China stieg aber innert Jahresfrist von 3,18 Mrd. auf 3,33 Mrd. Franken.

Die Schweiz hat sich als eines der ersten Länder mit dem FHA einen besseren Marktzugang zu China gesichert. Dank des bilateralen Abkommens habe die Schweiz einen kompetitiven Vorteil erlangt, was gerade in einer schwierigen Zeit sehr wertvoll sei, heisst es denn auch seitens Economiesuisse: Mittel- bis langfristig werde der Handel mit China deutlich zulegen, sagt Jan Atteslander, Leiter Aussenwirtschaft. Man sei aber mit den aktuellen Handelszahlen mehr als zufrieden. Das Exportwachstum habe nämlich in einem schwierigen Umfeld mit gedämpftem chinesischem Wirtschaftswachstum realisiert werden können.

Ähnlich äussert sich das Seco. Die jüngste Entwicklung der bilateralen Handelsbeziehungen erscheine noch dynamischer, wenn berücksichtigt werde, dass sich das Wirtschaftswachstum Chinas gegenüber den früher typischen zweistelligen jährlichen Wachstumsraten in letzter Zeit praktisch halbiert habe.

Textilindustrie ist zufrieden

Auch die Schweizer Textilindustrie bewertet das FHA sehr positiv. «Trotz eines sehr schwierigen Marktumfelds sind die Schweizer Textilexporte nach China 2014 um 3,5 Prozent gewachsen», sagt Peter Flückiger, Direktor des Textilverbandes Schweiz. Er wertet auch den Importanstieg von Textilien positiv. Das Abkommen ermögliche so eine günstigere Beschaffung von Vormaterialien, was für Schweizer Produzenten ein Vorteil gegenüber der EU-Konkurrenz sei.

China ist mit einem Weltmarktanteil von gut 35% der wichtigste Produzent von Bekleidung. Im vergangenen Jahr wurden Kleider im Wert von 1,6 Mrd. Fr. aus China importiert. Für die Schweizer Firmen geht es nicht darum, im Massengeschäft zu konkurrieren, sondern in hochtechnischen und hochmodischen Nischen aktiv zu sein. Laut Textilverband wird China als Markt für solche Produkte weiter an Bedeutung gewinnen.

Auf einen Schub durch das FHA wartet hingegen weiterhin die Uhrenindustrie. Das sei normal, da es noch Probleme bei der Implementierung gebe. Die Uhrenexporte nach China sanken laut dem Uhrenverband FH vergangenes Jahr um 3,1%. Gründe seien das geringere chinesische Wirtschaftswachstum, Chinas Kampf gegen Korruption sowie vermehrte Uhrenkäufe chinesischer Touristen im Ausland. Im 1. Quartal 2015 seien die Uhrenexporte nach China bereits wieder um über 13% gestiegen.

Die Zuversicht bleibt. Erfahrungen mit anderen FHA haben laut Seco nämlich gezeigt, dass die Handelsvolumen in den ersten vier Jahren im Schnitt deutlich stärker wachsen als der gesamte Handel.