Wachstum unter Risiken

Franken-Stärke, Euro-Schuldenkrise, Risiken für die Weltwirtschaft und Ungewissheit in Japan lassen die Nationalbank ihre lockere Geldpolitik fortführen. Die Wirtschaft dürfte weiter wachsen.

Thomas Griesser Kym
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Die Nationalbank (links, rechts das Bundeshaus) und die Bundesökonomen sehen Sonne und Wolken über der Schweizer Wirtschaft. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Die Nationalbank (links, rechts das Bundeshaus) und die Bundesökonomen sehen Sonne und Wolken über der Schweizer Wirtschaft. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Zürich/bern. Auf kurze Sicht sieht das meiste manierlich aus. Die Weltkonjunktur verleiht der Schweizer Wirtschaft positive Impulse, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) feststellt. Vor allem in den USA und in Asien habe sich die Konjunktur etwas dynamischer entwickelt als noch letzten Dezember angenommen, ergänzt die Schweizerische Nationalbank (SNB). Kommt hinzu, dass die Wirtschaft Deutschlands – unser wichtigster Handelspartner – floriert, wobei der schwache Euro die deutschen Exporte unterstützt. Das wiederum führt zu hoher Nachfrage in Deutschland – auch nach Exporten von Schweizer Zulieferern und Ausrüstern.

Kommt hinzu, dass die Schweizer Wirtschaft im 4. Quartal trotz anhaltender Franken-Stärke kräftiger gewachsen ist als erwartet, und positive Ausblicke der Unternehmen deuten für die kommenden Monate weiteres Wachstum an, wie die SNB festhält. Für 2011 erwartet sie neu eine Zunahme des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) von 2,0%, das Seco eine von 2,1%. Bisher waren beide Institutionen von 1,5% ausgegangen.

Abkühlung absehbar

Trotz der noch lichteren Perspektiven für dieses Jahr hält die SNB an ihrer expansiven Geldpolitik fest und belässt das Zielband für den Leitzins bei 0,0% bis 0,75%, wobei sie den Zinssatz um 0,25% halten möchte. Das erlaubt es den Banken weiterhin, sich am Geldmarkt fast gratis Geld zu leihen. Die SNB lässt sich von folgenden Beweggründen leiten: Einerseits lasse der starke Franken die Warenexporte stagnieren. Das Seco schreibt hierzu, es gehe davon aus, dass die Exporte «zusehends gebremst» würden. Auch dürften bald weniger ausländische Gäste die Schweiz bereisen. Als Folge dürfte das Wirtschaftswachstum im Jahresverlauf nachlassen. Allerdings rechnet das Seco selbst für 2012 immer noch mit +1,9%.

Inflation unter Kontrolle

Andrerseits entwickelt sich die Weltwirtschaft zwar robust, doch ist dies mit Unwägbarkeiten behaftet wie der hohen Verschuldung vieler Euro-Länder oder der USA. Als jüngstes Element kommt die Ungewissheit über die Folgen der Katastrophe in Japan hinzu.

Das alles hält die SNB vorerst davon ab, die Zinsen zu erhöhen. Dabei spielt ihr in die Hände, dass die Inflation zwar aufwärts tendiert, bei unverändertem Leitzins die als Grenze der Preisstabilität definierte Marke von 2% aber erst gegen Ende 2013 erreichen sollte. Eine Zinserhöhung eilt also nicht.