Wachablösung in Frankreichs Energiesektor

Total gehört mit Electricité de France (EDF), Areva und GDF Suez zum Quartett der französischen Energiebranche, die weltweit aktiv ist und vielenorts eine Leaderstellung ausübt. Der Zufall will es, dass derzeit in allen vier Konzernen ein Führungswechsel ansteht.

Stefan Brändle
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Total gehört mit Electricité de France (EDF), Areva und GDF Suez zum Quartett der französischen Energiebranche, die weltweit aktiv ist und vielenorts eine Leaderstellung ausübt. Der Zufall will es, dass derzeit in allen vier Konzernen ein Führungswechsel ansteht. Während der Privatkonzern Total eine interne Lösung bevorzugt, stehen die drei anderen Grossunternehmen unter Staatseinfluss, weshalb ihre Vorsteher von oben – im Klartext: vom Staatspräsidenten – ausgewählt werden.

Bei der weltgrössten Stromproduzentin EDF, einer faktischen Monopolistin und Herrscherin über 58 Reaktoren in ganz Frankreich, schickte Staatschef François Hollande letzte Woche den kratzbürstigen Vorsitzenden Henri Proglio in die Wüste. Zur allgemeinen Überraschung bestimmte er den unauffälligen, weitgehend unbekannten Jean-Bernard Lévy vom Rüstungskonzern Thales zum Nachfolger an der EDF-Spitze.

Offen ist auch die oberste Leitung bei Areva, dem international grössten Atomkonzern, der die ganze Produktionskette vom Uranabbau über den AKW-Unterhalt bis zur Wiederaufbereitung und Endlagerung abdeckt. Am Montag gab Konzernchef Luc Oursel überraschend bekannt, dass er abtreten werde, um sich wegen einer bisher geheim gehaltenen Krankheit behandeln zu lassen. Heute Mittwoch dürfte deshalb eine Übergangsleitung eingesetzt werden.

Am Dienstag ist bei GDF Suez schon der Verwaltungsrat zusammengetreten, um die Nachfolge des langjährigen Vorstehers Gérard Mestrallet zu beraten. Das 2006 entstandene Fusionsunternehmen aus Gaz de France (GDF) und dem historischen Wasserbaukonzern Suez ist mehrheitlich in Streubesitz, steht aber de facto unter der Kontrolle des Hauptaktionärs, des französischen Staates. Präsident François Hollande möchte die derzeitige Finanzdirektorin Isabelle Kocher zur neuen Konzernchefin machen.

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